Gottesdienst per Livestream? Nein, danke! Katholische und evangelische Kirche setzen sich vehement für Präsenzgottesdienste an Ostern ein.
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Gottesdienst per Livestream? Nein, danke! Katholische und evangelische Kirche setzen sich vehement für Präsenzgottesdienste an Ostern ein.

Osternacht wieder vorm TV?

Neue Corona-Beschlüsse: Auf Präsenzgottesdienste an Ostern soll verzichtet werden - Kirchen pochen auf Messen

  • Michel Ickler
    vonMichel Ickler
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Die Bitte von Bund und Ländern, an Ostern auf Präsenzgottesdienste zu verzichten, kam für die Kirchen völlig überraschend. Sofort klein beigeben wollen sie nicht.

Fulda - Gut anderthalb Wochen vor dem Osterfest haben Bund und Länder die Kirchen in Deutschland gehörig aufgeschreckt. In dem in der Nacht zum Dienstag gefassten Beschluss zu weiteren Corona-Maßnahmen steht überraschend die Bitte, auf Präsenzgottesdienste zu Ostern ganz zu verzichten – und nur virtuell Messen zu feiern. Wie weit diese Einschränkungen gehen werden, ist für das Bistum Fulda zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht absehbar. „Grundsätzlich ist es ein Anliegen, dass Ostergottesdienste im Rahmen des rechtlich Möglichen stattfinden“, erklärt das Bistum in einer Mitteilung.

Im Augenblick sehe die Situation so aus, dass sich die Bischöfe und leitenden Geistlichen zeitnah um einen Austausch mit der Hessischen Landesregierung bemühen, um das weitere Vorgehen für die Osterfeiertage abzustimmen, erklärt das Bistum. Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier erklärte am Dienstag in Wiesbaden bei der Bekanntgabe der neuen Corona-Beschlüsse für Hessen, dass er sich zu der dringlichen Bitte, auf Präsenzgottesdienste möglichst zu verzichten, am Donnerstag mit den Bischöfen und Kirchenpräsidenten beraten wolle.

Corona-Beschlüsse: Kirchen setzen sich vehement für Präsenzgottesdienste an Ostern ein

Ähnlich verärgert zeigt sich die evangelische Kirche auf Nachfrage. „Die auf dem Corona-Gipfel formulierte Bitte hat auch die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck überrascht – zumal davon das für Christen höchste Fest betroffen wäre“, sagt Pressesprecherin Dr. Anja Berens. „Wir werden nun die weiteren angekündigten Gespräche abwarten und um Erläuterung bitten, warum unsere erprobten Hygienekonzepte nun nicht mehr ausreichen sollen.“

„Zu Weihnachten haben wir gezeigt, wie wir mit Vorsicht Messe feiern können“, erklärt der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Georg Bätzing. Darauf wolle man an Ostern nicht verzichten. Dies werde man in Gespräche mit der Politik einbringen.

Kirchen pochen auf Messen an Ostern - trotz hoher Corona-Zahlen

Der EKD-Ratsvorsitzende, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, äußert sich ähnlich und sagt, man werde sich „zunächst genau erläutern lassen, warum die bewährten Hygieneschutz-Maßnahmen, die alle Landeskirchen für ihre Gottesdienste haben, nun nicht mehr ausreichen sollen“. Anschließend werde man beraten, „wie wir mit der Bitte umgehen“.

Dass die beiden höchsten Vertreter der großen Kirchen sich so dezidiert äußern, hat wohl auch mit den Erfahrungen im ersten Corona-Lockdown 2020 zu tun. Damals konnten wochenlang keine Präsenzgottesdienste gefeiert werden – auch Ostern feierten Gläubige nur virtuelle Gottesdienste im Internet oder via TV.

Video: Radikaler Lockdown über Ostern - Das sind die Beschlüsse

Seitdem ist aber viel passiert, und die Kirchen haben viel Mühe in Hygiene- und Schutzkonzepte gesteckt. Nun steht also wieder das höchste christliche Fest an, an dem die Auferstehung Jesu am dritten Tag nach dem Tod am Kreuz gefeiert wird. Wo gefeiert wird, ist allerdings noch unklar.

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