Die Stadt Fulda bewirbt sich als Modellregion für eine Corona-Öffnungsstrategie.
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Wir haben nachgefragt: Was halten die Menschen in der Region von Lockerungen für Geimpfte?

Umfrage

Lockerungen für Corona-Geimpfte: Das sagen Menschen aus der Region - „Es sind keine Privilegien“

Die Lockerungen für Corona-Geimpfte in Hessen finden einige Menschen fair - andere ungerecht. Ein Stimmungsbild in der Fuldaer, Schlüchterner und Schlitzer Innenstadt.

Osthessen - Für Millionen Menschen, die gegen das Coronavirus vollständig geimpft oder von einer Erkrankung genesen sind, fallen in Hessen viele Alltagsbeschränkungen weg. Was einige Menschen in Fulda, Schlüchtern im Main-Kinzig-Kreis und Schlitz im Vogelsbergkreis davon halten, erzählen Sie unserer Redaktion in einer Straßenumfrage.

Ingeborg Vogl: „Ich finde es gut, dass es Lockerungen für Geimpfte gibt. Es kann ja nicht sein, dass alle weggesperrt sind, obwohl nicht sicher ist, wie es weitergehen soll. Wir leiden kolossal unter Kontaktmangel“, erläutert Ingeborg Vogl (81) aus Schlüchtern. Sie selbst sei bereits vollständig geimpft, werde jedoch keine Lockerungen vornehmen, da unklar sei, wie sicher die Impfung ist. „Für mich ändert sich nicht viel, außer in der Psyche. Zu wissen, dass man sich wieder umarmen darf, ist ein schönes Gefühl – natürlich vorerst nur unter engen Freunden und mit Maske.“

Corona in Hessen: Lockerungen für Geimpfte - „Es sind keine Privilegien“

Sebastian Schrimpf: „Dass es mehr Freiheiten für Geimpfte gibt, finde ich gut, da so wieder ein wenig mehr Normalität zurückkommt. Als Geimpfter sollte man auch ohne einen negativen Test in Geschäfte gehen können. Obwohl ich schon geimpft bin, habe ich mit Impfneid noch keine Erfahrungen gemacht. Dadurch, dass Geimpfte mehr Freiheiten bekommen, werden sich jetzt vermutlich mehr Leute impfen lassen wollen“, meint der 37-jährige Personalcontroller Sebastian Schrimpf aus Lauterbach.

Alina Allendorf: Die 24 Jahre alte Rettungssanitäterin in Teilzeit und Lehramtsstudentin, aus Schlitz-Ützhausen sagt: „Ich finde es gut, dass Geimpften jetzt wieder ein normaleres Leben ermöglicht wird. Man muss ja auch an den Einzelhandel denken, der dringend auf Umsätze wartet. Als Mitarbeiterin im Rettungsdienst bin ich auch schon geimpft, das wurde mir von meinem Arbeitgeber nahe gelegt. Es geht aber nicht darum, jetzt Party zu machen, sondern darum, selbst geschützt zu sein und andere zu schützen. So kann es dann auch weitergehen.“

Wilma Scheich und Barbara Vogt: Die beiden ehemaligen Lehrerinnen Wilma Scheich (71) und Barbara Vogt (70) aus Künzell argumentieren: „Es sind keine Privilegien, sondern nur Rechte, die wir wiederbekommen. Für Geimpfte sollte keine Testpflicht mehr gelten und es sollte erlaubt sein, in den Urlaub zu fahren.“ Auch sollten Geschäfte wieder aufmachen dürfen. Natürlich alles mit Impfausweis. „Dabei wäre es gut, wenn es eine einheitliche, bundesweite Richtlinie gäbe“, sagen die beiden Freundinnen.

Video: Corona-Regeln werden für Geimpfte und Genesene gelockert

Nadine Holstein: Mehr Möglichkeiten für Geimpfte findet Nadine Holstein gut. „Auch wenn ich noch nicht geimpft bin: Dieser Schritt ist wichtig, damit wieder mehr Normalität und Alltag möglich werden. Angesichts der Situation in den Geschäften und gerade auch in der Gastronomie ist es wichtig, dass es dann mehr Angebote geben kann“, argumentiert die Hünfelderin, die als Hochschul-Dozentin arbeitet. „Wir können da nicht warten, bis alle geimpft sind.“

David Henkel: „Ich fände Lockerungen für Geimpfte fairer, wenn jeder bereits ein Impfangebot erhalten hätte“, sagt der 25-jährige Schlosser und Student David Henkel. Der Fuldaer fügt hinzu: „Danach wäre es die Entscheidung eines jeden Einzelnen, ob er sich impfen lässt, oder nicht. Generell gibt es bei dem Thema aber viel Schwarz-Weiß-Denken. Was ist beispielsweise, wenn alle ein Impfangebot bekommen haben und einige Menschen sagen, sie würden lieber noch warten? Diesen Menschen könnten leicht von anderen als Impfgegner abgestempelt werden.“

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