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Corona-Welle belastet Gesundheitsämter in Hessen - Land kündigt Vertrag mit Luca-App

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Die steigenden Infektionszahlen belasten die Gesundheitsämter in Hessen. (Symbolbild) © Jens Kalaene/dpa

Die Corona-Infektionszahlen steigen rasant. Die Nachverfolgung von Kontakten ist ein wichtiges Mittel im Kampf gegen die Pandemie. Trotz einer Strategieänderung ist die Belastung in den Gesundheitsämtern in Hessen hoch, das bleibt nicht ohne Auswirkungen.

Darmstadt/Kassel - Täglich Tausende Neuinfektionen und vierstellige Sieben-Tage-Inzidenzen in Kreisen und Städten: Die Nachverfolgung möglicher Infektionsketten in der Corona-Pandemie belastet in hessischen Kommunen weiter die Gesundheitsämter. Obwohl auf Empfehlung des Robert Koch-Instituts (RKI) in Berlin längst nicht mehr alle Kontakte nach einer nachgewiesenen Corona-Infektion verfolgt werden, können oder konnten Gesundheitsämter andere Aufgaben nur beschränkt wahrnehmen, ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur bei mehreren Kreisen und kreisfreien Städten.

„Die gesetzlichen Pflichtaufgaben des Gesundheitsamts sind kaum möglich“, heißt es zum Beispiel aus dem Kreis Hersfeld Rotenburg. In Kassel wurde von einer Reduzierung der regulären Aufgaben gesprochen und auch in Hessens größter Stadt Frankfurt gibt es Einschränkungen.

Corona in Hessen: Gesundheitsämter am Limit - Vertrag mit Luca-App gekündigt

„Aktuell können nicht alle Ursprungsaufgaben des Gesundheitsamtes Frankfurt im vollen Umfang wahrgenommen werden“, heißt es in der Main-Metropole zu den coronabedingten Einschränkungen. Auch die Stadt Offenbach meldete, dass Leistungen über einen längeren Zeitraum eingeschränkt werden mussten. Mittlerweile seien mit Personalverstärkungen die vorübergehend ausgesetzte Schuleingangsuntersuchung wieder aufgenommen worden.

Auch das Gesundheitsamt im Vogelsberg stößt wegen der hohen Corona-Infektionszahlen an seine Grenzen. Es können nicht mehr alle Kontaktpersonen zeitnah informiert werden.

Nach dem Hessischen Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst müssen die Ämter zahlreiche Aufgaben über die Bekämpfung und Verhütung von Infektionskrankheiten hinaus gewährleisten. Neben der Schulgesundheitspflege zählen hierzu unter anderem die Bewertung der psychiatrischen Versorgung, amtsärztliche Untersuchungen, die Aufsicht über Einrichtungen und Berufe im Gesundheitswesen oder auch umweltbezogener Gesundheitsschutz.

Steigende Corona-Zahlen: Fokus bei Kontaktverfolgung auf gefährdete Gruppen

Während im ersten Jahr der Pandemie die lückenlose Aufklärung von Infektionsketten und die Nachverfolgung möglichst aller Corona-Kontakte als maßgebliches Instrument zur Eindämmung der Pandemie angesehen wurden, werden jetzt weitestgehend nur noch Kontakte bei besonders gefährdeten Gruppen verfolgt. Im ersten Pandemie-Jahr waren die Inzidenzen deutlich niedriger, mittlerweile sind sie in einigen Kommunen bereits vierstellig.

„In der Tat konzentriert sich das Gesundheitsamt der Wissenschaftsstadt Darmstadt und des Landkreises Darmstadt-Dieburg im Hinblick auf die hohe Zahl an Meldungen auf die gefährdeten Bereiche und Gruppen, diese sind Pflege, Kitas, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen und so weiter“, teilte die Stadt Darmstadt mit. Die Strategie der vollständigen Kontaktnachverfolgung sei dem Schutz der besonders gefährdeten Gruppen gewichen.

Hintergrund ist eine Empfehlung der RKI. Dort heißt es: „Situationen, in denen es zur Ansteckung mehrerer Personen gekommen sein kann, insbesondere Übertragungsereignisse, in denen Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf involviert sind, müssen stärker priorisiert und vom Gesundheitsamt näher untersucht werden.“ Diese Strategie wird in Hessen nach Angaben des Sozialministeriums auf Grundlage eines Erlasses bereits seit dem Spätherbst praktiziert.

Video: App Luca: Gesundheitsämter greifen nur selten auf Daten zurück

Die unlängst in die Diskussion geratene Luca-App spielt in Frankfurt, Offenbach, Darmstadt, Kassel oder den Kreisen Darmstadt-Dieburg, Offenbach und Hersfeld-Rotenburg keine bis fast keine Rolle. Die App, die Restaurantbesitzern und Event-Veranstaltern bei der gesetzlich vorgeschriebene Erfassung der Kontakte der Besucher helfen soll, ist bei Datenschützern umstritten.

Nachdem im Vorlauf einige Bundesländer angekündigt hatten, die Luca-App nicht mehr zu nutzen, zog am Mittwoch auch Hessen nach. Das Land wird den Vertrag zur Nutzung der App für die Kontaktverfolgung nicht verlängern. „Wir haben Kosten und Nutzen gegeneinander abgewogen und sind letztlich zu dem Schluss gekommen, dass wir die Zusammenarbeit über Ende März 2022 hinaus nicht fortsetzen werden“, teilte Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) mit.

Bruchteil der 37.000 registrierten Standorte nutzt die App

„Im pandemischen Geschehen vom Frühjahr bis zum Herbst 2021 hat Luca auch in Hessen zur besseren und schnelleren Nachverfolgung von Kontaktpersonen Infizierter beigetragen“, erläuterte er. Seit einigen Monaten stehe der Schutz vulnerabler Gruppen und sensibler Einrichtungen im Mittelpunkt, so dass eine umfassende Nachverfolgung nicht mehr angezeigt sei.

Von den knapp 37.000 in Hessen registrierten Luca-Standorten nutzte nur noch ein Bruchteil die App aktiv, erläuterte Klose. Auch von den Gesundheitsämtern erfolgten kaum noch Anfragen an Luca. Hessen hatte 2021 gemeinsam mit anderen Ländern die App angeschafft, um eine Kontaktnachverfolgung in elektronischer Form zu ermöglichen. Am Mittwoch hatte auch Baden-Württemberg angekündigt, den Vertrag nicht zu verlängern.

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