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Mehr Kinder in Hessen seit Corona depressiv - Experten sehen „dringenden Handlungsbedarf“

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Während der Corona-Pandemie sind Kinder in Hessen deutlich stärker psychisch belastet. Das geht aus einer DAK-Auswertung hervor.
Während der Corona-Pandemie sind Kinder in Hessen deutlich stärker psychisch belastet. Das geht aus einer DAK-Auswertung hervor. © Nicolas Armer/dpa

In Hessen sind mehr Kinder seit Beginn der Corona-Pandemie depressiv. 2020 lag die Zahl bei zwölf Prozent. Das geht aus einer Auswertung der DAK hervor.

Frankfurt - Während der Corona-Pandemie sind Kinder in Hessen deutlich stärker psychisch belastet: 2020 wurden zwölf Prozent mehr Jugendliche im Alter zwischen 15 und 17 Jahren erstmals mit einer Depression ärztlich behandelt als noch im Vorjahr, wie der
Kinder- und Jugendreport der DAK-Gesundheit für Hessen zeigt.

Auch Fettleibigkeit nahm zu: 2020 lag die Neuerkrankungsrate mit Adipositas bei Kindern im Grundschulalter zwischen fünf und neun Jahren knapp ein Viertel über dem Vorjahreswert. (Mit dem Corona-Ticker für Hessen bleiben Sie auf dem Laufenden)

Corona in Hessen: Mehr Kinder sind depressiv - „dringenden Handlungsbedarf“

Für den Report wurden Abrechnungsdaten von rund 85 000 Kindern und Jugendlichen im Alter bis 17 Jahren ausgewertet, die bei der DAK-Gesundheit in Hessen versichert sind. Analysiert wurden die Jahre 2019 und 2020. Der Report basiert damit auf Daten von 8,4 Prozent aller Kinder und Jugendlichen in Hessen und ist laut DAK hinsichtlich der Alters- und Geschlechtsverteilung repräsentativ.

„Die Pandemie hat in vielfältiger Hinsicht Auswirkungen auf hessische Kinder und Jugendliche, vor allem durch die starke Veränderung des Alltags“, sagte Britta Dalhoff, Leiterin der Landesvertretung Hessen der DAK-Gesundheit. Der Report zeige „dringenden Handlungsbedarf“ bei der Kinder- und Jugendgesundheit. „Gerade auf die Psyche hat sich die Corona-Pandemie oft als Verstärker ausgewirkt. Vielen Mädchen und Jungen geht es nicht gut.“

Positive Effekte bei Schulkindern in der Corona-Pandemie

Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) beobachtet die Entwicklung mit Sorge. Der Report decke sich mit den eigenen Beobachtungen. „Seit Jahren weisen wir die Landesregierung auf die Wichtigkeit schulischer Bildung zu Gesundheit hin, insbesondere in Zusammenhang mit Ernährung und Bewegung. Die Pandemie zeigt uns überdeutlich die Defizite auf“, sagte der Vorsitzende des Landesverbandes, Ralf Moebus.

Es gibt aber auch positive Effekte: In der Corona-Pandemie kamen rund ein Drittel weniger Schulkinder in Hessen wegen Alkoholmissbrauchs ins Krankenhaus oder die Arztpraxis. Diese Entwicklung ist auch bei Behandlungen aufgrund von Cannabiskonsum zu beobachten: Sie gingen bei 15- bis 17-Jährigen in Hessen um zehn Prozent zurück. (dpa)

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