Der Darmstädter Lungenexperte Cihan Çelik mahnt: Die aktuellen Corona-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf den Herbst. Die vierte Welle sei noch nicht vorbei. (Symbolfoto)
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Der Darmstädter Lungenexperte Cihan Çelik mahnt: Die aktuellen Corona-Zahlen geben einen Vorgeschmack auf den Herbst. Die vierte Welle sei noch nicht vorbei. (Symbolfoto)

Vierte Welle erst am Anfang?

Lungenarzt rechnet mit steigenden Corona-Zahlen in Hessen: „Aktuelle Lage nur Vorgeschmack auf Herbst“

Hessens Gesundheitsminister Kai Klose (Grüne) und der Darmstädter Lungenexperte Cihan Çelik haben die neuen Corona-Leitlinien in Hessen erläutert. Çelik wies auf die Probleme bei der Fokussierung auf die Hospitalisierungsinzidenz hin und warnte, dass die vierte Pandemie-Welle noch nicht ausgestanden sei.

Wiesbaden - Bei dem Pressetermin in der Staatskanzlei in Wiesbaden war auch der Oberarzt am Klinikum Darmstadt, Cihan Çelik, dabei. Seit Mitte September gilt in Hessen eine neue Verordnung zum Schutz gegen das Coronavirus. Darin sind mit der Hospitalisierungsinzidenz und der Intensivbettenbelegung neue Leitindikatoren zur Bestimmung der pandemischen Lage definiert, die vornehmlich die Situation in den Krankenhäusern in den Blick nehmen.

Die Hospitalisierungsinzidenz, also die Zahl der neu in Krankenhäuser aufgenommenen Covid-19-Patienten pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen, und die Intensivbettenbelegung sind in Hessen an ein zweistufiges Eskalationsstufenkonzept gekoppelt. Die Infektionsinzidenz soll hingegen weiterhin als eine Art Frühwarnsystem dienen. Alle Entwicklungen zur Corona-Pandemie in Hessen können Sie in unserem News-Ticker verfolgen.

Corona in Hessen: Gesundheitsminister erklärt Hospitalisierungs-Inzidenz

Stufe eins tritt ein, wenn der Hospitalisierungswert über acht steigt oder die Zahl der Intensivpatienten über 200 liegt. Dann leitet das Land Gegenmaßnahmen wie etwa einen Testnachweis nur noch als PCR-Test oder eine Ausweitung der sogenannten 3G-Regel (Zugang nur für Geimpfte, Genesene und Getestete) auf weitere Bereiche.

Stufe zwei gilt, wenn der Hospitalisierungswert über 15 steigt oder die Zahl der Intensivpatienten über 400 liegt. Dann kommen zusätzliche Maßnahmen nach der Corona-Verordnung wie etwa der Zugang nur noch mit 2G - also nur für geimpfte und genesene Menschen. Ziel ist es, eine Überlastung der Krankenhäuser zu verhindern. (Lesen Sie auch: Long-Covid-Patient - Die Angst vor dem Ersticken)

Laut Çelik berge jedoch auch die Aussagekraft der Hospitalisierungsinzidenz einige Probleme. Beispielsweise zeige sie das Geschehen zeitlich verzögert. Er betonte, es müssten mehr Indikatoren in die Bewertung einfließen. Dazu zählte er auch die Auslastung der Intensivbetten sowie die Belastung von Ärzten und Pflegepersonal. All dies müsse zu einem Warnindex zusammengefasst werden. „Natürlich ist das nicht so griffig wie eine einzige Zahl, aber es würde die ganze Situation besser beschreiben“, sagte der Mediziner.

Video: Neue Corona-Inzidenz zur Hospitalisierung - darum wird sie kritisiert

Nach Kloses Worten werden aktuell 147 Covid-Patienten in Hessen intensivmedizinisch behandelt (darunter 16 Verdachtsfälle). Davon seien 80 Prozent ungeimpft. Der überwiegende Teil der vollständig Geimpften mit einem schweren Verlauf gehöre einer Risiko-Gruppe an. Klose kündigte während des Pressetermins an, dass es weiterhin niedrigschwellige Impfangebote im Land geben werde. Er sei überrascht gewesen, wie viele Menschen sich etwa bei einer Aktion in der Frankfurter Innenstadt spontan impfen ließen. Es gebe offensichtlich Bedarf an solchen Angeboten.

Der Lungenexperte Çelik befürchtet unterdessen, dass die vierte Corona-Welle noch nicht ausgestanden ist. „Die aktuelle Lage in den Krankenhäusern dürfte nur ein Vorgeschmack auf den Herbst sein“, mahnte der Mediziner. An seinem Krankenhaus sei der Personalplan bereits wieder aufgestockt worden. Er gehe davon aus, dass es im Oktober und vielleicht auch im November wieder steigende Patientenzahlen geben werde. (dpa)

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