Andreas Wetter ist Musiker aus Fulda und hilft anderen Solo-Selbstständigen, sich im Corona-Antragsdschungel zurechtzufinden.
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Andreas Wetter ist Musiker aus Fulda und hilft anderen Solo-Selbstständigen, sich im Corona-Antragsdschungel zurechtzufinden.

Solo-Selbständiger

Antrag auf Corona-Hilfen verschwunden - Warum Musiker Andreas Wetter aus Fulda auf Hartz IV verzichtet

Über die Corona-Hilfen kann Musiker Andreas Wetter aus Fulda einiges berichten. Ein Antrag von ihm verschwand „in den Sphären der Bürokratie“. Er erwog, Hartz IV zu beantragen. Nun hilft er anderen Solo-Selbstständigen, sich im Corona-Antragsdschungel zurechtzufinden.

Fulda - Mit der Corona-Novemberhilfe lief bei Andreas Wetter noch alles wie am Schnürchen. „Die 75 Prozent des Monats-Umsatzes aus dem Vorjahr konnten unbürokratisch und ohne Steuerberater beantragt werden. Das Geld war drei Tage später auf dem Konto“, sagt der Musiker aus Fulda, der mit seiner Band mehr als 60 Konzerte pro Jahr spielt. Doch seitdem wartet er: auf Geld, aber auch auf die Möglichkeit, überhaupt Hilfen beantragen zu können.

Der Antrag auf Corona-Überbrückungshilfe, den er am 23. Dezember gestellt hat, verschwindet in den Sphären der Bürokratie. Er telefoniert sich in den folgenden Wochen die Finger wund, wird von Berlin ans Regierungspräsidium Gießen verwiesen, das für die Auszahlung der Corona-Hilfen zuständig ist. In seiner Not schaltet er die hiesigen Landtagsabgeordneten ein – doch sein Antrag bleibt unauffindbar.

Corona-Hilfen: Antrag weg - Musiker Andreas Wetter aus Fulda denkt an Hartz-IV-Antrag

„Das ist eine Katastrophe“, sagt Wetter. Heute hilft er anderen Solo-Selbstständigen, sich im Antragsdschungel zurechtzufinden. „Die Anträge sind sehr komplex“, sagt auch Steuerberaterin Bianca Alt. „Unsere Kanzlei arbeitet nun seit fast einem Jahr ununterbrochen auf Höchstleistung.“ Die Partnerin der Kanzlei Alt & Partner Steuerberatungsgesellschaft mbB in Fulda kritisiert unter anderem aus Sicht der Unternehmen auch die fehlende Transparenz zur Lockdown-Aufhebung.

Nach der bereits langen Durststrecke der ersten Corona-Monate wird die Lage für Andreas Wetter derweil immer prekärer. Er denkt darüber nach, Hartz IV zu beantragen, nimmt bereits Kontakt zum Jobcenter auf. „Spätestens als ich gefragt wurde, wie viel Geld meine Tochter auf dem Konto hat, habe ich davon Abstand genommen“, sagt er.

Corona und Künstler: Andreas Wetter stand im März 2020 zuletzt auf der Bühne

Der Musiker aus Fulda verkauft eine Wohnung in seinem Haus – die Mieteinnahmen hätten eigentlich seine Altersvorsorge sein sollen. Darüber hinaus hält er sich mit ein wenig Gitarrenunterricht über Wasser. Am 11. Februar, 50 Tage nachdem er Corona-Hilfe beantragt hatte, bekommt er die Nachricht, dass seine Unterlagen aufgetaucht sind.

„Zugleich wurde mir mitgeteilt, dass ich aufgrund meiner Umsätze nicht ins Raster passe und einen neuen Antrag stellen muss. Wenn es nicht so ernst wäre, müsste ich lachen“, sagt er. Im März 2020 stand er das letzte Mal auf der Bühne. Seitdem wurde alles abgesagt – Konzerte, Hochzeiten, Geburtstagsfeiern. Auch das Propstei-Festival, das er mit seiner Tochter dieses Jahr veranstalten wollte.

Im Video: Corona-Hilfen für Solo-Selbstständige

„Ich will keine Almosen“, sagte er. „Ich will endlich wieder spielen können. Ich tu doch keinem was, wenn ich singe.“ Unterdessen haben viele Unternehmer aus der Region Fulda haben das Vertrauen in Politik mitunter verloren. Auch, weil die Corona-Hilfszahlungen tröpfeln, gar nicht ankommen oder zu spät ankommen. Lesen hier, was zu dem Thema Corona-Hilfen sechs Unternehmerinnen und Unternehmer aus der Region Fulda sagen.

„Wir haben mehrfach Pech gehabt“, sagt hingegen jemand anders aus der Kunst-Szene der Region, Burkhard Kling, Leiter der Museen in Steinau an der Straße, in Bezug auf den Corona-Lockdown. Auch der Musiker, Fotograf und Künstler Thomas van de Scheck aus Fulda fühlt sich von Corona und dem Lockdown eiskalt erwischt

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