Aufgezogene Spritzen mit dem Wirkstoff von Biontech liegen auf einem Tablett
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Bürgerinnen und Bürger sollen sich auch spontan gegen das Coronavirus impfen lassen, fordern Politiker und Ärztevertreter.

Sorge vor Delta

Gewinnspiel-Lose als Corona-Impfanreiz? Ärzte und Politiker fordern „mehr Kreativität“

Die besonders ansteckende Delta-Variante des Coronavirus breitet sich immer weiter aus, und zugleich sinkt das Impftempo. Politiker und Ärztevertreter fordern nun „kreativere Impfangebote“.

Fulda/Berlin - „Kreativere Impfangebote“: So drückte sich die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Bundestagsfraktion, Sabine Dittmar, aus. Bürger müssten sich auch in Fußgängerzonen, Wohnsiedlungen und bei Veranstaltungen impfen lassen können.

Ähnlich sieht es die Ärztegewerkschaft Marburger Bund: „Da ist etwas mehr Kreativität bei den lokalen Behörden gefragt“, sagte die Vorsitzende Susanne Johna. „Wir müssen Menschen auch direkt ansprechen und nicht warten, bis sie ins Impfzentrum oder zum Hausarzt kommen. Je niedrigschwelliger, desto besser. Entscheidend ist doch, dass wir nun auch all diejenigen erreichen, die bisher – aus welchen Gründen auch immer – noch zögern oder überzeugt werden wollen.“

Corona: Gewinnspiel-Lose als Impfanreiz? Sorge vor Delta wächst

Saar-Ministerpräsident Tobias Hans sprach sich für zusätzliche Anreize für Corona-Impfungen aus. „Man könnte an eine Verlosung denken, bei der unter den Impfbereiten beispielsweise ein Fahrrad, ein Fremdsprachenkurs oder ein anderer schöner Preis ausgegeben wird“, sagte der CDU-Politiker. Mobile Impfteams und Sonderaktionen seien zudem vor allem in sozialen Brennpunkten nötig.

Die EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides rief zur Beschleunigung der Impfkampagnen auf. Die EU werde zwar ihr Ziel erreichen, bis Ende Juli genug Impfstoffe für 70 Prozent der Erwachsenen zu haben. Doch weil Virusvarianten „die Übertragbarkeit erhöht“ hätten, brauche man „mehr als 70 Prozent, um sicher zu sein“. (Lesen Sie hier: Urlaub 2021 in Europa: Diese Corona-Regeln gelten für die Reise nach Italien, Spanien und Co)

Die Sorge ist vor allem deshalb groß, weil die zuerst in Indien aufgetretene Delta-Variante sich rasant ausbreitet. Sie dominiere erstmals mit einem Anteil von 59 Prozent, hieß es am Mittwochabend in der jüngsten Auswertung des Robert Koch-Instituts für die vorvergangene Woche. Es wird aber nur ein Teil der positiven Corona-Proben auf Varianten hin untersucht.

Impftempo

Das Impftempo in Deutschland hat nach Angaben des Robert Koch-Instituts zuletzt etwas nachgelassen. So seien in der vergangenen Woche bis einschließlich Sonntag durchschnittlich 710.100 Dosen pro Tag verabreicht worden, heißt es im RKI-Situationsbericht vom Mittwochabend. In der Vorwoche seien es 800.500 Dosen pro Tag gewesen. In der Woche davor waren es im Schnitt mehr als 820.000 Dosen pro Tag.

Von den bis einschließlich Sonntag ausgelieferten Impfstoffen waren bis Dienstag 93 Prozent der Dosen von Biontech/Pfizer (Comirnaty), 91 Prozent von Moderna, 78 Prozent von Astrazeneca und 56 Prozent von Johnson & Johnson verimpft worden.

Hinzu kommt das Risiko einer Untererfassung der Fälle: Mehr als 40 Prozent aller Infizierten wissen nach einer Studie der Universitätsmedizin Mainz nichts von ihrer Ansteckung.

Die Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Christine Falk, rät deshalb dringend weiter zum Maskentragen und anderen Corona-Regeln bis hin zum Testen. „Wenn wir nichts tun, geht uns das Ding durch die Decke“, sagte sie. „Man kann jetzt schon den Schluss ziehen, dass diese Variante dazu beiträgt, dass sich wieder mehr Menschen anstecken.

Denn es ist für das Virus ein Leichtes, von einer Person zur nächsten zu springen.“ In Australien habe es gereicht, dass ein Mitglied einer Flugzeug-Crew in einer Shoppingmall ohne Maskenpflicht an anderen vorbeigegangen sei.

Video: Infektiologe Sander: Impfungen helfen auch gegen Delta-Variante

Hans zeigte sich überzeugt, dass die Schutzmaßnahmen nur so lange aufrechterhalten werden könnten, wie sie dazu dienten, eine Überforderung des Gesundheitssystems zu verhindern. „Wenn wir allen ein Impfangebot gemacht haben, die Impfung wirksam ist gegen die vorherrschenden Virusvarianten und die Belegungszahlen in den Krankenhäusern auf niedrigem Niveau verharren, müssen wir unsere Corona-Maßnahmen schrittweise zurücknehmen.“ Alles andere wäre nach seiner Überzeugung verfassungsrechtlich nicht haltbar. In Fulda und Osthessen schließen wegen der geringer werden Nachfrage bereits die ersten Corona-Testcenter.

Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Wirksamkeit der Impfstoffe gegen die Weitergabe des Virus mit der Zeit und insbesondere bei der Delta-Variante nachlässt. Wiederum sehen deutsche Experten aber auch die Bekanntgabe des Gesundheitsministeriums im Impf-Vorzeigeland Israel mit Vorsicht, dass die Wirksamkeit der Pfizer/Biontech-Impfung bei der Verhinderung einer Infektion auf 64 Prozent gesunken sei. (dpa)

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