Corona-Impfung erschlichen?

Präsidentin des DRK Fulda weist Vorwürfe zurück und spricht von „Hexenjagd“ - Landkreis prüft alle Impfungen

Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, die Präsidentin des DRK Fulda, hat sich laut hr-Recherchen in einem Altenheim impfen lassen, obwohl sie nicht zu der entsprechenden Priorisierungsgruppe gehört. Dem widerspricht die Präsidentin in einer Stellungnahme. Der Landkreis will alle Impfungen prüfen lassen.

+++ 17.30 Uhr: Der Landkreis Fulda will Hinweisen nachgehen, dass sich Personen im Kreisgebiet unberechtigt eine Corona-Impfung erschlichen haben. Das Revisionsamt nimmt jetzt alle Impfungen in Fulda unter die Lupe, wie Landrat Bernd Woide und Erster Kreisbeigeordneter Frederik Schmitt (beide CDU) ankündigen.

„Der Impfstoff ist knapp. Viele Menschen müssen auf die schützende Spritze warten. Deshalb wollen wir größtmögliche Transparenz und Offenheit in die Vorgänge bringen“, betonte Woide am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Der Landrat beklagte zugleich, dass viele Gerüchte im Umlauf seien: Es werde erzählt, ganze Service-Clubs seien bereits geimpft worden. Auch werde erzählt, er selbst und sein Stellvertreter hätten sich unter Missachtung der Vorgaben den Impfschutz verschafft. „Weder Frederik Schmitt noch ich haben eine Impfung erhalten. Wir warten, bis wir dran sind“, sagte Woide.

Landkreis Fulda will Hinweise auf erschlichene Impfungen prüfen

Mit dem Einsatz des Revisionsamtes wolle die Kreisspitze auch der möglichen Kritik entgegentreten, sie nehme die Vorwürfe nicht ernst oder sie wolle gar etwas vertuschen. Woide erläuterte: „Es ging nicht darum, dass wir davon ausgehen müssten, es gebe viele Fälle unberechtigter Impfungen.“ Das Erschleichen einer Impfung ist bislang nicht strafbar, berichtete Schmitt. „Trotzdem gibt es ein hohes öffentliches Interesse daran, hier Transparenz zu schaffen.“ 24hamburg.de berichtet derweil von schweren Vorwürfe gegen einen Hamburger Arzt, der Impfstoff aus den Messehallen gestohlen haben soll*. 

+++ 15.35 Uhr: Die DRK-Präsidentin Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg reagiert nun noch einmal in einem Video-Statement auf die hr-Recherchen - und geht in die Offensive: „Ich habe mir als ich 2019 nach Fulda kam zur Aufgabe gemacht, mich um die Senioren in den Senioreneinrichtungen zu kümmern.“ In der Corona-Krise habe sie in den Pflegeheimen festgestellt: „Die menschliche Nähe fehlt.“ Deshalb wollte sie die Senioren besuchen - und das gehe für sie nur, wenn man geimpft sei.

Präsidentin des DRK Fulda nach Corona-Impfung: „Hexenjagd“ und „Morddrohungen“

„Ich habe das so gesehen, dass es für die Senioren ein Glück ist, wenn ich geimpft bin“, sagt die 69-Jährige. „Ich habe das Angebot angenommen, um das Coronavirus nicht von einer Einrichtung in die andere zu tragen und damit ich die Senioren in den Arm nehmen darf.“ Man könne den Senioren viel geben, aber dafür müsse man auf die Menschen zugehen können. „Und ich kann das nur mit gutem Gewissen, wenn ich geimpft bin.“ Am Ende des Statements spricht sie von einer „Hexenjagd“ und davon, dass sie Morddrohungen bekomme.

Nach hr-Recherchen hat sich die Präsidentin des DRK Fulda vorzeitig impfen lassen.

+++ 15.15 Uhr: Das DRK reagiert auch auf die Vorwürfe an die Assistentin der DRK-Geschäftsstelle. „Bei der angeblichen Assistentin könnte es sich lediglich um eine Mitarbeiterin aus der Verwaltung der DRK-Fulda gGmbH als Betreiberin der Seniorenpflegeeinrichtung Am Roten Rain in Petersberg gehandelt haben“, erklärt das DRK. Auch diese Mitarbeiterin stehe regelmäßig im Kontakt mit älteren oder pflegebedürftigen Bewohnerinnen und Bewohnern. Somit zähle auch sie gemäß der vom Bundesministerium für Gesundheit herausgegebenen „Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2“ zu dem Personenkreis der höchsten Priorität.

Update vom 10. Februar, 11.11 Uhr: Das DRK Fulda nimmt in einer Pressemitteilung Stellung zu den hr-Recherchen und den Veröffentlichungen in Medien in Osthessen und verweist auf die ehrenamtliche Arbeit der Präsidentin in Pflegeheimen. „Bereits seit ihrem Amtsantritt als Präsidentin unseres Kreisverbands im Jahr 2019 ist Frau Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg regelmäßig in unseren sechs Pflegeeinrichtungen wechselnd aktiv in der Betreuung tätig“, erklärt das DRK Fulda.

Die Ausübung dieser ehrenamtlichen Tätigkeit habe sie auch in den vergangenen Wochen „mit hohem persönlichem Engagement trotz ihrer Zugehörigkeit zur Risikogruppe“ fortgesetzt. „Durch ihre Tätigkeit als Betreuungskraft gehört sie gemäß der vom Bundesministerium für Gesundheit herausgegebenen ,Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2‘ zu dem Personenkreis der höchsten Priorität und hat deshalb ein Impfangebot erhalten“, so das DRK Fulda.

Bei Corona-Impfung vorgedrängelt? Präsidentin des DRK Fulda widerspricht Vorwürfen

Der DRK-Kreisverband Fulda betreibt nach eigenen Angaben sechs vollstationäre Seniorenpflegeeinrichtungen in der Region Osthessen und trägt Verantwortung für die Betreuung und Pflege von knapp 500 Bewohnerinnen und Bewohnern.

„Gerade in der Corona-Pandemie, in der Kontakte aus dem familiären Umfeld vermieden werden sollten und in Senioreneinrichtungen ein behördliches Besuchsverbot herrschte, war eine noch umfangreichere Betreuung der Bewohnerinnen und Bewohner durch unsere Pflegefachkräfte und ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer vor Ort erforderlich“, schreibt das DRK Fulda. Nur so hätte man die Gefahr einer sozialen Isolation und Vereinsamung der Seniorinnen und Senioren auf ein Maximum minimieren können.

hr-Recherchen: Präsidentin des DRK-Fulda hat sich beim Impfen vorgedrängelt

Erstmeldung vom 10. Februar: Fulda - Die Präsidentin des Deutschen Roten Kreuzes Fulda, Donata Freifrau Schenck zu Schweinsberg, hat sich nach Recherchen des Hessischen Rundfunk (hr) vorzeitig gegen das Coronavirus impfen lassen. Sie gehört laut hr keiner Gruppe an, die bislang beim Impfen an der Reihe ist.

„Die 69-jährige Präsidentin und die wesentlich jüngere Assistentin der DRK-Geschäftsstelle wurden Ende Januar in einem Altenheim des Kreisverbandes von einem mobilen Team geimpft“, will der hr herausgefunden haben. „Aus Gründen des Datenschutzes“ sei man „nicht autorisiert, zu konkreten Impfvorgängen Auskünfte zu erteilen“, ließ Freifrau Schenck zu Schweinsberg über die DRK-Geschäftsstelle dem hr erklären.

Die 69-Jährige war bis 2018 Vizepräsidentin des DRK-Bundesverbandes. Der Landkreis Fulda will sich dem hr gegenüber wegen „Verletzung von Privatgeheimnissen“ nicht zu den Fällen äußern. Die Revision gehe jedoch Hinweisen nach, dass es in einzelnen Fällen zu unberechtigten Impfungen gegen das Coronavirus gekommen sein soll, erklärte eine Sprecherin dem hr.

Auch im nordhessischen Bad Wildungen sind zwei Fälle von Impferschleichung* bekannt geworden. Die Chefs einer Klinik wurden suspendiert, weil sie vor ihrer Zeit gegen Corona geimpft worden sein sollen. (lea/vn) *hna.de und *24hamburg.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte

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