Die Hausärzte in Fulda sollen ab April Corona-Impfungen verabreichen.
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Die Hausärzte in Fulda sollen ab April Corona-Impfungen verabreichen.

Corona-Weichenstellung

Hausärzte sollen ab April impfen: Wie gut sind die Praxen in Fulda vorbereitet?

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Corona-Impfungen sollen ab April in Arztpraxen verabreicht werden. Welchen Aufwand das für die Hausärzte im Kreis Fulda bedeutet, erklärt Ralph-Michael Hönscher, Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO).

Fulda - Ab April soll Corona-Impfstoff für so viele Menschen an Deutschland geliefert werden, dass die regionalen Impfzentren - etwa das in Fulda - das nicht mehr allein schaffen. Entsprechend haben Bund und Länder den Start der generellen Corona-Impfungen in Arztpraxen für Anfang April vorgesehen*, wie auch der Münchner Merkur berichtet. Die bis zu 75.000 Praxen sollen dann den Großteil der Coronavirus-Impfungen übernehmen.

Bei einer Video-Schalte der Gesundheitsminister sollen am Mittwoch die Weichen für diesen Kraftakt gestellt werden (Bleiben Sie mit dem Corona-Ticker für Hessen auf dem Laufenden). Dabei soll es auch darum gehen, wie die erwarteten Impfdosen auf die Covid-19-Impfzentren und die Hausarzt-Praxen verteilt werden.

Corona: Hausärzte sollen ab April impfen - Sind die Praxen vorbereitet?

Wie bisher verlautete, soll der Corona-Impfstoff über Großhandel und Apotheken in die Praxen kommen. Die Frankfurter Rundschau berichtet darüber, dass zwei weitere Impfstoffe kurz vor der EU-Zulassung stehen*. Der bürokratische Aufwand für die Arztpraxen soll auf ein Minimum reduziert werden. Das hatte Hausarzt und GNO-Vorstandsvorsitzender, Ralph-Michael Hönscher vor wenigen Wochen gefordert. Die Coronavirus-Impfzentren sollen aber vorerst bestehen bleiben. Vereinbarte Termine dort sollen erhalten bleiben. Laut der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) könnte die gesamte Bevölkerung durch Impfen in Praxen im August Impfschutz haben, wenn Impfstoff-Lieferungen wie erhofft eintreffen.

Der Deutsche Hausärzteverband begrüßte die Entscheidung der Gesundheitsminister, Hausärzte ab April bei den Corona-Impfungen einzubinden. „Das finde ich sehr gut, das unterstützen wir seitens des Hausärzteverbands“, sagte Bundesvorstandsmitglied Anke Richter-Scheer. „Wir sind die ersten Ansprechpartner als Hausärzte für unsere Patienten“, sagte sie. Das Impfen gegen das Coronavirus sei in den Hausarztpraxen gut aufgehoben.

„Es heißt ja immer noch, dass wir zu Beginn dieser Aktion auch mit etwas weniger Impfstoff rechnen müssen“, betonte Richter-Scheer. Hausärzte könnten gut einschätzen, wer innerhalb eines Kontingents wann einen Termin brauche - ohne die vorgegebene Impfreihenfolge zu verändern. Bisher wurden laut Bundesgesundheitsministerium 2,55 Millionen Personen in Deutschland vollständig gegen Corona geimpft, 5,35 Millionen Menschen haben mindestens eine Covid-19-Impfdosis erhalten.

Video: Die wichtigsten Fragen zur Corona-Impfung

Auch verstärkte Corona-Tests in Unternehmen sollen ein erneutes Hochschnellen der Infektionszahlen verhindern. Die Wirtschaftsspitzen appellierten an die Betriebe, Coronavirus-Schnelltests für Beschäftigte anzubieten – sie bleiben für Firmen aber freiwillig. Kanzlerin Angela Merkel (CDU) pochte auf eine breite Beteiligung. Virologen mahnen, Fortschritte beim Testen und Impfen könnten zu langsam sein. Es drohe eine große dritte Corona-Welle*. Das beschäftigt auch echo24.de.

Der Grünen-Politiker Janosch Dahmen erklärte, die Wirtschaft müsse Teil des Kraftakts gegen die dritte Welle sein. Dazu zählten auch Impfungen durch Betriebsärzte, FFP2-Masken am Arbeitsplatz und kurzfristiges Schnelltesten auf dem Weg zur Arbeit. Schnelltests am Arbeitsplatz müssten dort zum Standard werden, wo Homeoffice keine Option ist. Sie seien aber kein Freifahrtschein für die Rückkehr ins Büro.

Corona-Impfungen: Sind Hausärzte vorbereitet? - Drei Fragen an Mediziner aus Fulda

Herr Hönscher, sind die Hausärzte vorbereitet, ab April zu impfen?
Im Landkreis und der Stadt Fulda gibt es in etwa 160 niedergelassene Hausärzte in Praxen. Es gab vom Landkreis eine Anfrage, wer sich bereit erklären würde, zu impfen. Da haben sich etwa 30 bis 50 Praxen gemeldet. Es ist wichtig zu wissen, dass es ein erheblicher logistischer, zeitlicher und personeller Aufwand ist, den wahrscheinlich nur größere Praxen stemmen können.
Ralph-Michael Hönscher (46), Hausarzt und Vorstandsvorsitzender des Gesundheitsnetzes Osthessen (GNO).
Wie kann das praktisch aussehen? Was brauchen Sie, damit das Ganze gut funktioniert?
Im normalen Praxisablauf wird das nicht umzusetzen sein. Für viele wird es sinnvoll sein, eine extra Impfsprechstunde einzuführen. Ich persönlich plädiere auch dafür, dass man über eine zentrale Plattform, zum Beispiel über den Landkreis, die Aufklärungsformulare schon vorab herunterladen und ausgefüllt mitbringen kann. Darüber hinaus wird es sicher so sein, dass die Ärzte auch Patienten, die nicht ins Impfzentrum kommen können, zuhause impfen. Auch hierbei muss man schauen, wie das organisiert wird. Es ist dabei sicher sinnvoll, die Pflegenden der Patienten mit zu impfen.
Wie können Sie garantieren, dass die Impfreihenfolge eingehalten wird?
Da haben wir vom GNO eine klare Position: Eine Priorisierung ist nur solange sinnvoll, solange es einen Mangel an Impfstoff gibt. Laut Bundesregierung soll der Impfstoff nun in ausreichendem Maße vorhanden sein. Insofern sollte man die Priorisierung kippen. Es ist wichtig, dass die bürokratischen Hürden für die Praxen so gering wie möglich ausfallen. Außerdem sollte auch das Impfzentrum weiterhin die Institution fürs Impfen bleiben, sodass nur ein kleinerer Teil in den Praxen geimpft wird.

*merkur.de, fr.de und echo24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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