Schlachthof Fulda
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Das Arbeiten in Schlachthöfen ist hart. Die schlechten Wohnbedingungen der Mitarbeiter begünstigen die Covid-19-Verbreitung. Wir haben beim Schlachthof Fulda nachgefragt.

Nach Coronavirus-Ausbruch in mehreren Betrieben

Kleinbetrieb mit wenigen Mitarbeitern - Fuldaer Schlachthof ist kein Corona-Brennpunkt

  • Walter Kreuzer
    vonWalter Kreuzer
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Schleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg – deutsche Schlachthöfe entwickeln sich zunehmend zu Corona-Brennpunkten. Wir haben beim Schlachthof Fulda nachgefragt, dem größten in Osthessen.

  • In einigen Schlachtbetrieben in das Coronavirus ausgebrochen.
  • Unterkünfte osteuropäischer Leiharbeiter stehen in der Kritik.
  • Am Schlachthof Fulda ist das laut Angaben der Betreiber wohl nicht zu erwarten.

Fulda - In den von Coronaausbrüchen betroffenen Betrieben sind jeweils eine vierstellige Zahl Mitarbeiter beschäftigt. Viele davon stammen aus Ost- oder Südosteuropa, wohnen in Sammelunterkünften und werden gemeinsam zum Arbeitsplatz und zurück zur Wohnung gebracht.

Der hiesige Schlachthof – betrieben von der Erzeugerschlachthof Kurhessen AG – beschäftigt nur drei Personen, wie Vorstand Sven Euen auf Anfrage mitteilt. Neben ihm gibt es mit Peter Schmitt ein weiteres Vorstandsmitglied, einen Betriebsleiter sowie eine Reinigungskraft.

Laut Handelsregister handelt es sich um einen Schlachthof für „Vieh aus der Region Kurhessen mit angeschlossener Zerlegung und Vertrieb“. Er hat den „Status des Öffentlichkeitscharakters“ und steht somit auch für Lohnschlachtungen von Metzgern und Direktvermarktern offen.

Coronavirus in Schlachtbetrieben: „Diese Problematik haben wir nicht“

Mit Blick auf die Situation in einigen großen Fleischfabriken betont Sven Euen: „Diese Problematik haben wir nicht. Das ist das Schöne, wenn man regional arbeitet – auch wenn das Fleisch dann etwas teurer ist.“ Im hiesigen Schlachthof ist als Mieter die Fuldaer Kopfschlächter GmbH tätig. Konkret handelt es sich um zwölf Personen – die meisten davon Metzger. Euen: „Einige haben zudem eine eigene Metzgerei, Gast- oder Landwirtschaft. Es sind fast ausschließlich gelernte Leute. Das ist der gravierende Unterschied.“

Vorstand Sven Euen vom Erzeuger-Schlachthof Kurhessen setzt auf regionale Qualität.

Wenn die Schweine oder Rinder geschlachtet sind, kommt die Landwirtschaftliche Vieh- und Fleischvermarktung Fulda-Hünfeld eG mit Sitz im Hünfelder Stadtteil Nüst – und Räumen im Schlachthof – ins Spiel. Das Unternehmen entstand 1990 durch den Zusammenschluss von 1930 und 1933 in Fulda und in Hünfeld gegründeten bäuerlichen Erzeugergemeinschaften für Schlachtvieh. Heute ist „Vieh und Fleisch“ nach eigenen Angaben „mit über 40 Mitarbeitern, mehr als 620 Mitgliedern und über 30 Millionen Euro Jahresumsatz der größte Schlachtrindervermarkter in Hessen“.

Schlachthof Fulda: Hälfte der Mitarbeiter mit Zerlegung der geschlachteten Tiere beschäftigt

Etwa die Hälfte der Mitarbeiter, erläutert Geschäftsführer Thomas Hoenig, sind im Fuldaer Schlachthof mit der Zerlegung der geschlachteten Tiere beschäftigt. „Wir sind zum Glück wenigstens ein Mischbetrieb mit Vieh- und Fleischhandel“, begründet Hoenig die Systemrelevanz seines Unternehmens. Dieses kauft „im Umkreis von etwa 50 Kilometer“ das Vieh an, bringt es zum Schlachthof und übernimmt das geschlachtete Tier in zwei Hälften, um das Fleisch zu zerlegen – und zu verkaufen.

Lesen Sie hier: So läuft der Schlachtprozess im Schlachthof Fulda ab. Der Fuldaer Schlachthof hat für die regionale Fleischbranche einen enormen Stellenwert. Tiertransporter müssen hingegen manches Mal weite Strecken zurücklegen. Und: Der Landkreis Fulda verzeichnet starken Rückgang: Zahl der Schlachtungen sinkt rapide

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