Die Situation auf den Intensivstationen in der Region ist angespannt.
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Die Situation auf den Intensivstationen in der Region ist angespannt.

Personal-Engpass

Situation auf den Intensivstationen wegen Corona angespannt - Patienten aus Rhein-Main-Gebiet in Fulda

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Für das Gesundheitssystem ist der Kampf gegen das Coronavirus eine Zerreißprobe. Intensivmediziner sprechen von einer nie da gewesenen Ausnahmesituation. Auch in der Region sind die Intensivstationen ausgelastet. Das Klinikum Fulda behandelt sogar Covid-19-Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet.

Region - Voll belegt – zur Hälfte mit Corona-Patienten: So lautet der Sachstand am Klinikum Fulda. Dort gibt es zwei Intensivstationen, wo 28 Betten zur Verfügung stehen. Allerdings könnte die Anzahl der Betten auf 60 bis 70 erweitert werden.

Das begrenzende Element ist das Personal, wie Professor Dr. Clemens-Alexander Greim unserer Zeitung vor zwei Wochen sagte. Schon jetzt hätten die Teilzeitkräfte auf eine komplette Stelle aufgestockt, um den Engpass zu überbrücken.

Und die Situation verschärft sich: „Die Anzahl der Covid-19-Patienten, die auf den Intensivstationen in Deutschland behandelt werden, steigt seit Wochen kontinuierlich an“, erklärt Barbara Froese, Pressesprecherin des Klinikums Fulda. In Berlin zum Beispiel sind 1132 von 1268 Intensivbetten belegt – nur 136 sind noch frei. „Das ist nicht viel.“

Corona: Situation auf den Intensivstationen in Osthessen angespannt - Patienten aus Rhein-Main-Gebiet in Fulda

Hinzu kommt die hohe Zahl der Verstorbenen. Am Mittwoch sind laut RKI innerhalb von 24 Stunden 487 Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus gemeldet worden.

Der Chef der Intensivmediziner-Vereinigung DIVI, Uwe Janssens, macht aber Hoffnung: Die Situation in den Krankenhäusern sei „unter Kontrolle“. „Wir hoffen sehr stark, und wir sehen es in den letzten Tagen auch, dass wir in eine sehr hohe Stabilisierungsphase auf deutschen Intensivstationen eintreten.“ Die Zuwächse bei den Zahlen seien nicht mehr in dem Umfang da, „das heißt, wir kommen auf ein Plateau“. Wenn es so bliebe, könnte es in 14 bis 20 Tagen einen leichten Rückgang der Belastung geben.

Hintergrund

„Um einen Coronaausbruch in Griff zu bekommen ist das primäre Ziel die Infektionsketten zu durchbrechen“, betont Alexandra Pröhl, Pressesprecherin der Main-Kinzig-Kliniken, in der es Mitte November einen Coronaausbruch gab. „Dank des entschlossenen Handelns der verantwortlichen Pflege- und Klinikleitungen konnten wir schon kurze Zeit später wieder in Schritten den Regelbetrieb aufnehmen“, erläutert Geschäftsführer Dieter Bartsch. Dabei seien Personen aus den betroffenen Bereichen isoliert und vom Dienst freigestellt worden – auch wenn sie ein negatives Testergebnis und keine Symptome hatten. Außerdem gab es Reihentests: „Situationsabhängig haben wir bis zu sechs Testungen pro Person durchgeführt.“

Video: Umbau am Corona-Testcenter am Klinikum Fulda

Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) übermittelt jeden Tag die Anzahl der jeweils betreibbaren Intensivbetten und die Anzahl der dort behandelten Patienten. Insgesamt sind 22.266 Intensivbetten in Deutschland belegt, als frei gelten 5277 Betten (Stand Mittwoch, 2. Dezember). Diese Zahl lag vor eineinhalb Wochen noch bei 6673.

Im Landkreis Fulda sind von 92 Intensivbetten derzeit 11 frei (Stand Mittwoch, 2. Dezember). Aktuell werden 19 Covid-19-Patienten intensivmedizinisch behandelt, acht davon müssen beatmet werden.

Corona: Im Rhein-Main-Gebiet teilweise keine Intensivbetten mehr frei

Im Vergleich zu Offenbach, Groß-Gerau oder Darmstadt-Dieburg sind diese Zahlen aber noch nicht besorgniserregend. Dort sind momentan nämlich gar keine Intensivbetten mehr frei. Deshalb werden Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet zum Teil auch nach Fulda gebracht, um dort behandelt zu werden.

„In den letzten zwei Wochen sind fast 30 Patienten aus dem Rhein-Main-Gebiet und dem Main-Kinzig-Kreis nach Osthessen verlegt worden. Aufgrund der schon seit langem hohen Inzidenz dort sind die Intensivstationen überlastet und überwiegend von Covid-19-Patienten belegt“, sagt Froese. Auch auf den Normalstationen würden viele Corona-Patienten versorgt werden. Im Rahmen der kollegialen Zusammenarbeit würden sich die Krankenhäuser gegenseitig unterstützen. 

Alexandra Pröhl, Pressesprecherin der Main-Kinzig-Kliniken, ergänzt, dass insbesondere Patienten, die eine schwere Lungenfunktionsstörung erleiden und eine spezielle Beatmung benötigen, in „entsprechend ausgestattete Häuser“ verlegt würden. Dazu gehöre das Klinikum Fulda.

Im Moment werden in Gelnhausen 31 Covid-Patienten auf der Normalstation und sieben Patienten auf der Intensivstation behandelt. In Schlüchtern sind zehn Patienten mit einer Coronainfektion in stationärer Behandlung. Von 80 Intensivbetten sind im Main-Kinzig-Kreis noch 11 frei.

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