Wasserwerfer und Schlagstöcke

Corona in Hessen: Empörung nach Gewalt bei Demo - Kasseler Oberbürgermeister nimmt Polizei in Schutz

Die Corona-Lage in Hessen spitzt sich weiter zu. Die Inzidenz stieg. Bei einer Demonstration gegen Corona-Maßnahmen in Kassel kam es am Samstag zu massiven Auseinandersetzungen zwischen den Demonstranten und der Polizei. Das Auschwitz Komitee warnt nach der Demo vor Gefahren für die Demokratie.

  • Corona in Hessen: In Kassel starteten Maßnahmen-Gegner am Samstag einen nicht genehmigten Demonstrationszug. Es kam zu massiven Auseinandersetzungen und Gewalt.
  • Nach Kritik an der Polizei kündigte Innenminister Peter Beuth (CDU) an, dass der Polizei-Einsatz in Kassel gründlich nachbereitet wird.
  • Den allgemeinen News-Ticker für die Corona-Situation in Hessen finden Sie hier.

Update vom 22. März, 8.17 Uhr: Das Internationale Auschwitz Komitee hat nach der Demonstration von mehr als 20.000 Menschen gegen Corona-Auflagen in Kassel vor Gefahren für die Demokratie gewarnt. „Gerade nach der Demonstration in Kassel wird deutlich, dass in Deutschland die Demokratie durch die Querdenkerbewegung und ihre krude Mischung aus Verschwörungstheorien und Staatsverachtung sowie durch gemeinsames Agieren mit antisemitischen und rechtsextremen Bewegungen unter Druck gerät“, sagte der Exekutiv-Vizepräsident des Komitees, Christoph Heubner, am Sonntag.

Die ideologische Verbohrtheit, die Aggressivität und die Gewaltbereitschaft innerhalb dieser Bewegung würden offensichtlich zunehmen. Sie würden für die Gesellschaft zu einer Gefahr, zumal die Polizei offensichtlich diese Bewegung in ihrem bürgerlichen Erscheinungsbild nicht hinreichend ernst nehme und trotz gerichtlicher Vorgaben Milde und Rücksicht walten lasse.

+++ 17.31 Uhr: Nach der Demonstration von mehr als 20.000 Menschen mit gewalttätigen Auseinandersetzungen in Kassel hat Oberbürgermeister Christian Geselle die Polizei in Schutz genommen. „Der Polizei vor Ort ist aus meiner Sicht kein Vorwurf zu machen“, erklärte der SPD-Politiker am Sonntag.

Eine endgültige Bilanz bedürfe jedoch noch einer gründlichen Aufarbeitung. Diese sei bereits eingeleitet. Die Stadt sei am Samstag von Querdenkern und Trittbrettfahrern regelrecht überflutet worden. Nahezu die gesamte Menschenmasse sei aus dem gesamten Bundesgebiet und auch aus dem Ausland in die Stadt gekommen.

Oberbürgermeister sagt nach Corona-Demo in Kassel: Polizei ist „kein Vorwurf zu machen“

„Es entsetzt mich, dass Infektionsschutz, demokratische Ausübung der Versammlungsfreiheit und auch menschlicher Anstand in großen Teilen schlicht nicht vorhanden waren“, sagte Geselle. Das empfinde er als Schlag ins Gesicht derjenigen, die Leid und Entbehrungen in der Krise ertragen mussten, uns mit ihrer harten Arbeit durch die Krise helfen und damit letztlich als Schlag ins Gesicht seiner Stadt. „Das macht mich wütend und fassungslos.“

Update vom 21. März, 13.05 Uhr: Hessens Innenminister Peter Beuth (CDU) hat nach der Demonstration von 20.000 Menschen gegen die staatlichen Corona-Auflagen in Kassel eine gründliche Nachbereitung des Polizeieinsatzes angekündigt. Die genehmigte Demonstration habe von der Polizei begleitet werden müssen, sagte der Minister am Sonntag.

„Kurz nach dem Einsatz lässt sich festhalten, dass Eskalationsversuche sowie Gewalt gegen die Einsatzkräfte nicht hingenommen und entschlossen unterbunden wurden“, erklärte Beuth Angesichts von fast 75.000 Corona-Toten in Deutschland könne diese Menschenmasse in Kassel nur Kopfschütteln auslösen.

Innenminister Beuth: Einsatz in Kassel wird gründlich nachbereitet   

„Wer diese tödliche Krankheit noch immer leugnet und sich in Menschenansammlungen ohne Maske zusammentut, ist nicht nur ignorant, sondern verlängert diese Pandemie und riskiert das Leben vieler Älterer, Schwacher und Kranker“, sagte Beuth. Jegliche Straftaten würden konsequent angezeigt.

Nach der Demonstration gab es massive Kritik am Polizeieinsatz. So kritisierte der CDU-Innenpolitiker Thorsten Frei das Verhalten der Demonstranten, aber auch das zurückhaltende Auftreten der Polizei. Man erlebe es nun zum wiederholten Male, dass Querdenker sich nicht an Auflagen halten und gezielt die Eskalation suchen. „Der Staat darf nicht zurückweichen und die Polizei muss konsequent dagegen vorgehen“, sagte der stellvertretende Vorsitzende der Unions-Bundestagsfraktion der „Welt“.

Kritik gab es auch aus anderen Parteien und Verbänden (siehe beispielsweise auch Updates in diesem Artikel vom 21. März, 20.14 und 20.16 Uhr):

Corona-Demo in Kassel: Polizei setzt Schlagstock, Pfefferspray und Wasserwerfer ein

+++ 22.12 Uhr: Das Polizeipräsidium Nordhessen teilte gegen 21 Uhr mit, dass nach derzeitigem Kenntnisstand „bei allen Beteiligten heute bislang keine ernsthaften Verletzungen bekannt geworden“ sind. Die Polizei berichtete rückblickend, dass schon vor dem offiziellen Versammlungsbeginn sich zügig mehrere Tausend Menschen in der Kasseler Innenstadt gesammelt hätten.

„Dort fanden zu dieser Zeit bereits weitere Versammlungen statt, die Protest gegen die Versammlung auf der Schwanenwiese zum Ausdruck brachten. In der Anfangsphase kam es zu einer sehr dynamischen und unübersichtlichen Lage, bei der größere Personengruppen versuchten, gewaltsam polizeiliche Absperrungen zu durchbrechen. Dabei wurden die eingesetzten Beamtinnen und Beamten einer Absperrung mit Flaschen und Regenschirmen beworfen.

„Durch den Einsatz des Schlagstocks, von Pfefferspray und des Wasserwerfers“ habe die Polizei „ein Durchbrechen größerer Gruppen letztlich verhindert“. Gegen 21 Uhr teilte die Polizei via Twitter mit: „Die Innenstadt hat sich geleert. Alle Sperrungen sind aufgehoben. Nach und nach werden auch die Straßenbahnen wieder fahrplanmäßig fahren können.“

+++ 20.28 Uhr: Die Bundespolizei bilanzierte hingegen zufrieden nach den Einsätzen bei der Corona-Demo in Kassel. Die An- und Abreise sei „weitestgehend unproblematisch“ verlaufen. Rund 1500 Personen seien mit Zügen nach Kassel an- und abgereist. Insgesamt mussten Bundespolizisten, die im Verlaufe des Tages auch die Polizei in der Innenstadt unterstützten, nach eigenen Angaben bei rund 80 Personen die Maskenpflicht durchsetzen.

Corona-Demo in Kassel: Teilnehmer stehen bei einer Kundgebung unter dem Motto „Freie Bürger Kassel - Grundrechte und Demokratie“ vor dem Staatstheater.

„Nur wenige waren uneinsichtig“, bemerkte ein Sprecher der Bundespolizei in Kassel, die auch von Bundespolizeiabteilung Hünfeld unterstützt wurde. Gegen sechs Personen sei ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet worden. Nach Ankunft eines Zuges aus Frankfurt im Kasseler Hauptbahnhof sei es zu einem Zwischenfall gekommen. Um sich den polizeilichen Maßnahmen zu entziehen, seien 14 Personen in das Gleis gesprungen.

Corona-Demo in Kassel: Auch Bundespolizeiabteilung Hünfeld im Einsatz

„Ein 62-Jähriger aus München flüchtete über die Gleise in Richtung Rangierbahnhof, konnte aber schnell von Bundespolizisten aus dem Gefahrenbereich geholt werden“, führte der Sprecher aus. „Verletzt wurde dabei niemand. Der Bahnverkehr war wegen des Vorfalles kurzzeitig gesperrt. Die Bundespolizeiinspektion Kassel leitete ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein. Hinzu kam noch ein Strafverfahren wegen Beleidigung.“

+++ 20.16 Uhr: Die Polizei in Kassel äußerte sich auch nochmal per Twitter: „Im Netz kursieren Bilder und Videos, welche das Einschreiten von Einsatzkräften kritisch darstellen und die Polizei bei vermeintlichen Solidaritätsbekundungen zeigen. Wir nehmen das sehr ernst und werden die Sachverhalte intensiv aufarbeiten.“ In den sozialen Medien hatte ein Video für Empörung gesorgt.

Nach Corona-Demo in Kassel: SPD kritisiert Einsatzkonzept der Polizei   

Auf dem Video war zu sehen war, wie Polizisten eine Fahrradsperre von Gegendemonstranten abräumten. Die Beamten stellten in einem weiteren Tweet klar: „Unsere Neutralität ist insbesondere bei Einsätzen anlässlich von Demonstrationen sehr wichtig. Verhalten, das gegen das Neutralitätsgebot der Polizei verstößt oder Zweifel daran aufkommen lässt, ist für uns nicht akzeptabel.“

+++ 20.14 Uhr: Nach den Ausschreitungen bei den Protesten gegen die Corona-Politik am Samstag in Kassel gibt es seitens der SPD Kritik am Vorgehen der Polizei (siehe auch Update von 16.07 Uhr). Es sei „ein absolut unverständliches Zurückweichen des Staates“, dass Tausende von Corona-Leugnern ohne Masken und ohne Abstand durch die Innenstadt von Kassel ziehen konnten, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Landtagsfraktion, Günter Rudolph. Das Einsatzkonzept der Polizei sei offenkundig gescheitert. 

Corona-Demo in Kassel: Einsatzkräfte der Polizei halten bei einer Kundgebung unter dem Motto „Freie Bürger Kassel - Grundrechte und Demokratie“ Teilnehmer zurück.

+++ 19.05 Uhr: Die Bischöfin der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Beate Hofmann, hat die Ausschreitungen bei den Protesten gegen die Corona-Politik in Kassel verurteilt. „Freie Meinungsäußerung ist ein hohes Gut, für dessen Wahrung wir uns einsetzen. Aber ein Verhalten auf einer Demo, das Corona-Regeln nicht beachtet und mutwillig Ansteckungsrisiken in Kauf nimmt, ist kein sinnvoller Ausdruck der freien Meinungsäußerung, sondern höchst fahrlässig und verantwortungslos.“

Bischöfin zu Demo in Kassel: Corona-Regel-Verstoß gefährdet Leben   

Denn dadurch würden Inzidenzwerte weiter hochgetrieben und die Einschränkungen andauern. „Die Missachtung der Corona-Regeln gefährdet Menschenleben.“ Zusammenhalt sei das Gebot der Stunde: „Zusammenhalt heißt aus unserer Sicht, die Corona-Regeln noch so lange auszuhalten, bis genug Impfstoff für alle da ist und miteinander die sozialen Folgen zu bewältigen. Zusammenhalt heißt nicht, sich über Regeln hinwegzusetzen, die zwar einschränken, aber auch Gesundheit und Leben schützen.“

+++ 17.20 Uhr: Am späten Nachmittag korrigierte die Polizei die Teilnehmerzahl. Nicht etwa 10.000, sondern mehr als 20.000 Menschen demonstrierten nach Schätzung der Beamten am Samstag in Kassel gegen die Corona-Eindämmungsmaßnahmen. Dabei wurden massiv die gerichtlich bestätigten Auflagen der Stadt missachtet, die eigentlich nur 6000 Teilnehmer auf einem Doppelplatz in der Peripherie zugelassen hatte. 

Corona in Hessen: 20.000 bei Demo gegen Corona-Auflagen in Kassel

Augenzeugen schätzten die Teilnehmerzahl sogar auf bis zu 30.000. „Die komplette Innenstadt ist voll.“ Auf dem zentralen Friedrichsplatz entwickelte sich bei Sonnenschein zwischenzeitlich fast schon Picknick-Atmosphäre ohne viel Abstand, wie Augenzeugen mitteilen. Die Menschen ignorieren die Aufforderungen der Polizei, sich zum genehmigten Versammlungsort der Corona-Demo zu begeben*, berichtete mannheim24.de.

Am Nachmittag ging es dann etwas friedlicher zu: Die Demonstranten auf dem zentralen Friedrichsplatz waren bunt gemischt: Familien, Querdenker, Selbstständige, Verschwörungstheoretiker, Hippies und Impfgegner. Wer genau zu welchem Lager gehörte, war nur zu erahnen: Regenbogen-Fahnen wehten neben Flaggen verschiedenster Länder, „Merkel muss weg“-Transparente standen neben „Gegen-Rassismus“-Schildern. 

+++ 16.07 Uhr: Mitunter wird auch aus der Politik heftige Kritik am Polizeieinsatz und den verantwortlichen Entscheidungsträgern geübt. Der Bundestagsabgeordnete Timon Gremmels (SPD) twitterte beispielsweise, dass er zwischen der Arbeit der Polizei im Einsatz vor Ort und der politischen Verantwortung von Polizeipräsident und Innenminister Peter Beuth (CDU) unterscheide. Es seien aber „offenkundig zu wenig Kräfte“ vor Ort.

Corona in Hessen: Massive Auseinandersetzungen bei Demonstration in Kassel  

+++ 14.54 Uhr: Die Polizei schätzte am Nachmittag die Zahl der Teilnehmer bei der Corona-Demo in Kassel auf rund 10.000 im gesamten Innenstadtbereich. Immer wieder kam es bei dem Umzug zu Auseinandersetzungen mit Gegendemonstranten, und an einer Polizeisperre auch zu massiven Prügeln und Schubsereien. Journalisten wurden angegangen und beschimpft. Einzelne Menschen wurden festgenommen.

Die Polizei in Kassel (beziehungsweise die Versammlungsbehörde) bewertete nach eigenen Angaben die Ansammlung von mehreren tausend Personen am Friedrichsplatz als verbotene Versammlung Über Lautsprecherdurchsagen erfolgte die Auflösungsverfügung. An der Kreuzung am Altmarkt setzte die Polizei Wasserwerfer ein. „Dort kam es zu Flaschenwürfen und es wurde versucht, Absperrungen zu durchbrechen“, berichtete die Polizei.

+++ 13.48 Uhr: Wie die HNA berichtete, wurde bei Corona-Demo auf der Schwanenwiese in Kassel Anwalt Reiner Füllmich von den Besuchern wie ein Popstar gefeiert*. Applaus bekommt er für seinen Satz, in Deutschland gebe es „ein faschistisch-totalitäres System“ (lesen Sie auch hier: Virologe Christian Drosten widerlegt Corona-These von Anwalt Füllmich).

+++ 13:36 Uhr: Die Polizei in Kassel teilte auf Twitter mit, dass Wasserwerfer bereit stehen, und Beamte in einem Hubschrauber sich einen Überblick verschaffen. „Es kam ebenfalls zu mehreren Angriffen auf Einsatzkräfte. Solche Angriffe tolerieren wir nicht. Friedlicher Protest sieht anders aus.“ Der Straßenbahnverkehr in der Innenstadt in Kassel ist derzeit laut der Polizei komplett eingestellt.

Teilnehmer einer Corona-Kundgebung demonstrieren unter dem Motto „Freie Bürger Kassel - Grundrechte und Demokratie“ - die meisten tragen keinen Mund-Nasen-Schutz.

+++ 13:19 Uhr: Unter den 26 hessischen Regionen weisen dem RKI zufolge am Samstag 14 Städte und Kreise eine Inzidenz von mehr als 100 auf. Am niedrigsten war die Inzidenz in Darmstadt (57,5). Es folgen der Landkreis Kassel (58,7) und der Schwalm-Eder-Kreis (62,3).

Auf den Intensivstationen hessischer Krankenhäuser lagen nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 295 Covid-19-Patienten, 144 von ihnen wurden beatmet (Stand Samstag, 9.19 Uhr). Insgesamt 1703 von 1957 verfügbaren Intensivbetten waren belegt. Der Anteil von Corona-Erkrankten an den belegten Intensivbetten betrug 15 Prozent.

+++ 13.12 Uhr: Laut Polizei waren am Samstag in Kassel mehrere tausend Menschen in der Innenstadt unterwegs und missachteten bei einem nicht angemeldeten Corona-Demonstrationszug die Anweisungen der Behörden. Es kam zu Festnahmen und dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken, als die sogenannten Querdenker versuchten, eine Polizeikette zu durchbrechen. Es kam auch zu Rangeleien mit Gegendemonstranten. 

+++ 12.45 Uhr: Zu einer Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen und entsprechende Gegenaktionen sind am Samstag viele hundert Menschen in die Kasseler Innenstadt gekommen. An dem vom Hessischen Verwaltungsgerichtshof genehmigten Kundgebungsort fanden sich zunächst nur wenige Menschen ein, wie die Polizei berichtete.

Umso mehr Maßnahmen-Gegner versammelten sich auf dem zentralen Friedrichsplatz und starteten einen nicht genehmigten Demonstrationszug durch die Innenstadt. Viele trugen keinen Mund-Nase-Schutz. Augenzeugen berichteten von ersten Handgemengen mit Gegendemonstranten.

Die Polizei schritt zunächst nicht ein. Sie ist mit einem Großaufgebot im Einsatz. Die hessischen Kräfte erhalten Unterstützung aus Nordrhein-Westfalen, Thüringen und Rheinland-Pfalz. Auch die Bundespolizei und ein Hubschrauber sind im Einsatz.

+++ 07.10 Uhr: Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet am Samstag 1449 Corona-Neuinfektion in Hessen (Stand 3.41 Uhr). Bei nun 7095 Coronavirus-Fällen in den vergangenen sieben Tagen steigt die Inzidenz auf 112,8 (Vortag: 106,0). Seit Beginn der Pandemie haben sich im Hessen 204.713 Menschen mit Covid-19 infiziert. 6142 Menschen sind gestorben.

Im Landkreis Fulda stieg die Corona-Inzidenz am Samstag auf 160,4 (Vortag: 153,3). In Hessen ist damit die Sieben-Tages-Inzidenz aktuell nur im Landkreis Hersfeld-Rotenburg (200,5), in Offenbach (187,3) und im Lahn-Dill-Kreis (177,6) höher als im Landkreis Fulda.

Corona in Hessen: Gericht erlaubt Demonstration in Kassel unter Auflagen

Update vom 20. März, 06.46 Uhr: Eine Demonstration gegen die Corona-Maßnahmen an diesem Samstag (20.3.) in Kassel ist unter Auflagen erlaubt. Der Hessische Verwaltungsgerichtshof in Kassel bestätigte am Freitag zwar einige von der Stadtverwaltung erlassene Versammlungsverbote. So bleibt etwa eine Kundgebung in der Karlsaue mit späterem Demonstrationszug durch die Innenstadt verboten.

Teilnehmer einer Corona-Kundgebung unter dem Motto „Freie Bürger Kassel - Grundrechte und Demokratie“ stehen mit einer Deutschlandfahne vor dem Fridericianum.

Der Veranstalter hatte dazu unter dem Motto „Freie Bürger Kassel – Grundrechte und Demokratie“ bis zu 17.500 Teilnehmer angemeldet. Demonstriert werden darf aber bei einer anderen Kundgebung auf dem Messegelände Schwanenwiese mit bis zu 5000 Teilnehmern und dem angrenzenden Platz der Deutschen Einheit mit maximal 1000 Menschen. Es gelten weitere Auflagen wie das Tragen einer medizinischen Maske als auch ein Mindestabstand von 1,50 Meter zwischen den einzelnen Teilnehmern.

„Für die Einhaltung dieser Vorgaben habe der Veranstalter unter anderem durch den Einsatz von Ordnern und Hinweise in den sozialen Netzwerken Sorge zu tragen“, erklärte das oberste hessische Verwaltungsgericht (Az: 2 B 587/21 und 2 B 588/21). Die nordhessische Stadt hatte die Versammlungen wegen der zuletzt steigenden Zahl von Corona-Infektionen verboten.

Es sei außerdem davon auszugehen, dass vor allem Mitglieder der sogenannten Querdenker-Szene kämen, weshalb nach Erfahrungen in Kassel und anderswo nicht auszuschließen sei, dass coronabedingte Auflagen missachtet würden, hatte die Stadt argumentiert. Das Verwaltungsgericht Kassel hatte die Verbote für beide Versammlungen gekippt.

Ob am Samstag tatsächlich so viele Demonstrationsteilnehmer kommen werden wie angemeldet sind, ist unklar. Das Polizeipräsidium Kassel hat angekündigt, sich auf einen größeren Einsatz vorzubereiten.

Corona in Hessen: Kultusminister Lorz spricht von „besonnenem Mittelweg“

+++ 15.56 Uhr: Der hessische Kultusminister Alexander Lorz (CDU) hat Verständnis für Enttäuschung nach den gekippten Lockerungen an den Schulen geäußert. Er könne die Enttäuschung von allen Beteiligten nachvollziehen, die sich auf Präsenztage vorbereitet und gefreut hätten, sagte Lorz am Freitag dem Sender hr-Info. „Es ist auch ein schmerzlicher Tag für mich als Kultusminister.“

Gleichzeitig warb Lorz um Verständnis für die Entscheidung des Corona-Kabinetts, dass angesichts gestiegener Corona-Neuinfektionen Schüler ab der 7. Klasse nicht - wie zunächst angedacht - vom 22. März an für mindestens einen Präsenztag pro Woche in die Schule kommen können: Es sei immer eine schwierige Abwägung, sagte Lorz mit Blick auf den Pandemie-Verlauf. „Wir versuchen immer einen vernünftigen, einen besonnen Mittelweg zu steuern und das erfordert im Prinzip jeden Tag eine neue Abwägung.“

Für die weiteren Planungen und Vorbereitungen werde es in den kommenden Wochen entscheidend sein, „dass wir diesen Dreiklang aus Impfen, Testen und Öffnen hinbekommen“. Der Minister erwartete, dass bis April Millionen Selbsttests verfügbar sein werden, „so dass wir dann auch die Schülerinnen und Schüler zu einer regelmäßigen, koordinierten Testung bringen können“. Er sei zuversichtlich, dass man nach den Osterferien eine andere Situation haben werde.

SPD-Fraktionschefin Nancy Faeser forderte den Kultusminister auf, noch vor den Osterferien eine klare und verlässliche Aussage dazu zu treffen, wie es nach den Ferien in den hessischen Schulen weitergehen soll. Die Schüler, ihre Eltern und die Lehrkräfte hätten ein Recht auf Planbarkeit und Verlässlichkeit anstelle des kurzfristigen Hin-und-Her der vergangenen Wochen und Monate, mahnte Faeser.

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) hatte am Vortag nach der Beratung des Corona-Kabinetts mitgeteilt, dass Hessen grundsätzlich an seinen Planungen für die Schulen festhalte: „Wenn es das Infektionsgeschehen zulässt, sollen ab dem 19. April landesweit die Jahrgangsstufen 1 bis 4 an fünf Tagen in der Woche und die Jahrgangsstufen ab Klasse 5 im Wechselmodell unterrichtet werden.“

Sozialminister Kai Klose (Grüne) teilte mit, dass es in Hessen mittlerweile knapp 400 Teststellen gibt, bei denen sich Bürger kostenlos auf das Coronavirus testen lassen können. Auf einer extra dafür eingerichteten Online-Seite des Sozialministeriums könnten die Teststellen mit ihren Öffnungszeiten nach Postleitzahlen gesucht werden.

Corona in Hessen: Knapp 1400 neue Fälle - Inzidenz steigt weiter an

Update vom 19. März, 9.44 Uhr: Die Corona-Zahlen in Hessen steigen weiter. Innerhalb eines Tages wurden 1399 Covid-19-Neuinfektionen registriert, wie aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) vom Freitag hervorgeht (Stand 3.33 Uhr). Die 7-Tage-Inzidenz stieg auf 106,0 nach 100,2 am Vortag. Die Behörden meldeten weitere elf Todesfälle, insgesamt starben seit Beginn der Pandemie 6119 Hessen an oder mit dem Coronavirus. Die Gesamtzahl der Infektionen lag bei 203.264.

Die Inzidenz in Hessen steigt laut dem RKI weiter an. Es droht die Notbremse, die Lockerungen zurücknimmt. (Symbolbild)

Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) sorgt sich ob der steigenden Corona-Inzidenz in Hessen. „Die Zahlen zeigen uns: Eine mögliche dritte Corona-Welle ist deutlich unterwegs“, sagte Bouffier nach einer Sitzung des hessischen Corona-Kabinetts am Donnerstag.

Corona in Hessen: Volker Bouffier sorgt sich wegen steigender Zahlen

Update vom 18. März, 11.37 Uhr: Die Zahl der Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Hessen binnen sieben Tagen hat die Marke von 100 erreicht. Das geht aus am Donnerstagmorgen veröffentlichten Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) hervor. Am Tag zuvor hatte der Wert bei 93,4 gelegen.

Eine Corona-Inzidenz von unter 100 war als Voraussetzung für Lockerungen genannt worden, wie sie etwa in Schulen ab kommender Woche vorgesehen waren. Der Kreis Fulda und der Main-Kinzig-Kreis hatten aufgrund der steigenden Coronavirus-Fälle bereits mitgeteilt, dass der Wechselunterricht ab Klasse 7 nicht wie geplant am 22. März starten kann.

Eine Corona-Inzidenz von unter 100 ist die Voraussetzung für Lockerungen.

An diesem Donnerstag tagt das Corona-Kabinett, um über Konsequenzen aus den steigenden Infektionszahlen zu beraten. Den RKI-Angaben zufolge wurden 1554 Neuinfektionen in Hessen registriert, die Zahl der Todesfälle stieg um 14 auf 6108. Seit Beginn der Pandemie sind 201.865 Corona-Infektionen im Bundesland nachgewiesen worden.

+++ 18.03 Uhr: Der Corona-Lockdown wird am Donnerstag einmal mehr Thema im hessischen Landtag. Bei den Plenardebatten in Wiesbaden soll es unter anderem um die Folgen der Pandemie für die Gastronomie und die Schulen gehen. Die AfD-Fraktion fordert eine „sofortige Beendigung des Lockdowns“.

Die FDP-Fraktion sieht Versäumnisse der Landesregierung etwa beim Schutz der Menschen in Alten- und Pflegeheimen vor einer Infektion. Als weitere Themen stehen die „Lohnungleichheit zwischen den Geschlechtern“, das Wohnungsbauprogramm „Großer Frankfurter Bogen“ und Stipendienprogramme für Künstlerinnen auf der Agenda.

Update vom 17. März, 7.52 Uhr: Die Corona-Inzidenz in Hessen ist weiter gestiegen. Der Wert für die Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Mittwoch bei 93,4. Das geht aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) hervor (Stand 3.24 Uhr).

Corona in Hessen: Über 1000 Neuinfektionen binnen 24 Stunden 

Am Vortag hatte die Inzidenz 89,1 betragen. Binnen 24 Stunden wurden dem RKI zufolge landesweit 1174 neue Corona-Infektionen gemeldet. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, stieg um 35 auf insgesamt 6094. Seit Beginn der Pandemie wurden landesweit 200.311 Infektionen bestätigt.

Landesweit die höchste Inzidenz hat weiterhin Offenbach mit 167,3, gefolgt vom Lahn-Dill-Kreis (148,0), dem Landkreis Offenbach (129,8) und dem Landkreis Fulda (121). Auch die Inzidenz in Hessens größter Stadt Frankfurt stieg weiter an auf 105,8. Am niedrigsten war die Inzidenz erneut im Schwalm-Eder-Kreis mit 35,6.

Auf den Intensivstationen im Bundesland wurden nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) insgesamt 272 an Covid-19 erkrankte Menschen versorgt, davon wurden 139 beatmet (Stand 7.19 Uhr). Von den 1967 verfügbaren Intensivbetten waren demnach 1699 belegt.

+++ 18.30 Uhr: Trotz des vorläufigen Stopps von Corona-Impfungen mit dem Präparat von Astrazeneca geht Ministerpräsident Volker Bouffier bis Mai von ausreichend Corona-Impfstoff für einen großen Teil der Bevölkerung in Hessen aus. Am Montag wurden landesweit alle Impftermine für Astrazeneca in den 28 Impfzentren storniert; auch in den Impfzentren im Landkreis Fulda, dem Vogelsbergkreis und dem Main-Kinzig-Kreis. In Fulda wurden in der vergangenen Woche täglich mehr als 1000 Menschen geimpft.

Corona: Bouffier glaubt an Impferfolge bis zum Sommer

Bouffier sagte, er halte es für realistisch, dass im Sommer dann zwischen 50 und 60 Prozent der Menschen in Hessen zweimal gegen das Coronavirus geimpft sind, sagte Bouffier am Dienstag in seiner Regierungserklärung im hessischen Landtag in Wiesbaden. Deshalb sei er auch sehr zuversichtlich, dass die Menschen nach so langer Zeit im Sommer wieder in den Urlaub fahren können.

Die Bereitstellung der kostenfreien Corona-Tests für alle Bürger funktioniert in Hessen nach Angaben von Bouffier mittlerweile recht ordentlich. Auch in Osthessen gibt es inzwischen einige Testzentren für Corona-Schnelltests. Auf der Homepage des Sozialministeriums könne tagesgenau nach Postleitzahlen geschaut werden, welches Testzentrum es in der Nähe des jeweiligen Wohnorts gibt.

Update vom 16. März, 7.59 Uhr: Die Corona-Inzidenz in Hessen ist weiter gestiegen. Der Wert für die Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Dienstag bei 89,1. Das geht aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) hervor (Stand 3.42 Uhr). Am Vortag hatte die Inzidenz 88 betragen. In den Regionen wies die Stadt Offenbach mit 178,1 die höchste Inzidenz auf, insgesamt lagen sieben Kreise und Städte über einem Wert von 100. Dazu zählen auch der Landkreis Fulda (112,5) und der Main-Kinzig-Kreis (114,1). Am niedrigsten war die Inzidenz mit 36,7 im Schwalm-Eder-Kreis.

Binnen 24 Stunden wurden dem RKI zufolge landesweit 361 neue Corona-Infektionen gemeldet. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, stieg um 20 auf insgesamt 6059. Seit Beginn der Pandemie wurden landesweit 199.137 Infektionen bestätigt.

+++ 18.59 Uhr: Aufgrund einer aktuellen Empfehlung des Paul-Ehrlich-Instituts hat die Bundesregierung Coronavirus-Impfungen mit Astrazeneca vorsorglich ausgesetzt. Das Innenministerium in Hessen hat alle 28 Corona-Impfzentren angewiesen, Impfungen mit Astrazeneca umgehend einzustellen.

Corona-Pandemie belastet Tourismusbranche auch im Januar massiv   

+++ 13.20 Uhr: Die hessische Tourismusbranche ist wegen der anhaltenden Corona-Pandemie sehr schwach ins Jahr 2021 gestartet. Im Januar verbuchten die Beherbergungsbetriebe 84 Prozent weniger Gäste und 71 Prozent weniger Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum, wie das Statistische Landesamt am Montag in Wiesbaden mitteilte. Die Zahl der Gäste habe bei insgesamt 169.400 gelegen. Es seien 691.900 Übernachtungen in Hessen gezählt worden.

Die stärksten Rückgänge bei den Übernachtungszahlen mussten nach Angaben der Statistiker die Betriebe in Frankfurt (minus 83 Prozent), dem Main-Taunus-Kreis (minus 80 Prozent) sowie der Stadt Kassel (minus 78 Prozent) hinnehmen. Landesweit habe es 82 Prozent weniger Inlandsgäste und 89 Prozent weniger Gäste aus dem Ausland in Hessen gegeben. Nur 19 Prozent aller Gäste seien aus dem Ausland angereist, am häufigsten aus den USA, gefolgt von Polen und den arabischen Golfstaaten.

Erstmeldung vom 15. März, 11.02 Uhr: Fulda/Hessen - Die Sieben-Tages-Inzidenz in Hessen ist weiter gestiegen. Der Wert für die Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche lag am Montag bei 88,0. Das geht aus Daten des Berliner Robert Koch-Instituts (RKI) hervor (Stand 03.21 Uhr). Am Vortag hatte die Inzidenz 84,0 betragen.

Binnen 24 Stunden wurden dem RKI zufolge landesweit 442 neue Corona-Infektionen gemeldet. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem Virus in Verbindung gebracht werden, stieg um 4 auf insgesamt 6039. Seit Beginn der Pandemie wurden landesweit 198 778 Infektionen bestätigt.

In den Regionen wies die Stadt Offenbach mit 179,6 die höchste Inzidenz auf, insgesamt lagen acht Kreise und Städte über einem Wert von 100. Am niedrigsten war die Inzidenz mit 32,8 im Schwalm-Eder-Kreis. Im Landkreis Fulda stieg die Inzidenz im Vergleich nach den Zahlen vom Montag wieder auf 114,7.

Video: Corona regional: Das Update für Hessen

Auf den Intensivstationen in Hessen lagen nach Daten des Intensivregisters der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) 269 Covid-19-Patienten, 143 davon wurden beatmet (Stand 06.19 Uhr). Insgesamt 1662 von 1953 verfügbaren Intensivbetten waren belegt.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) bezeichnete indes die Kommunalwahl 2021 auch aufgrund der Corona-Pandemie als „eine sehr schwierige Wahl“ bezeichnet. Nicht zuletzt hätten die Ereignisse der vergangenen Tage mit den „Masken-Raffkes“ wirklich nicht geholfen, sagte er.

Auch die Corona-Erschöpfung in der Bevölkerung habe eine Rolle im Wahlkampf gespielt, der „völlig anders“ gewesen sei wie sonst, sagte Bouffier. hna.de und mannheim24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Swen Pförtner/dpa

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