In den Krankenhäusern wie hier in Schlüchtern gelten strenge Schutzmaßnahmen.
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In den Krankenhäusern wie hier in Schlüchtern gelten strenge Schutzmaßnahmen.

Ein Überblick

Corona-Lage in Krankenhäusern in der Region Fulda sehr angespannt: So viele Covid-Patienten wie nie zuvor

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Die Intensivstationen der Krankenhäuser in ganz Deutschland sind stark ausgelastet. Auch in der Region Fulda sind viele Betten belegt – oft auch von jüngeren Covid-Patienten. Ein Überblick über die Lage in Klinikum, Herz-Jesu-Krankenhaus, den Main-Kinzig-Kliniken und der Helios-Klinik.

Die Lage im Klinikum Fulda: Die Intensivstationen im Klinikum in Fulda sind durchgängig zwischen 90 und 100 Prozent ausgelastet. Der Anteil der Covid-Patienten beträgt etwa 35 Prozent, aktuell 16 Personen. „Wir behandeln derzeit im Klinikum so viele Covid-Patienten wie zu keinem anderen Zeitpunkt der Pandemie“, erklärt das Krankenhaus. Auf der Normalstation werden gerade 23 Patienten wegen einer Coronavirus-Infektion behandelt.

Ob die steigenden Zahlen dem Klinikum Sorge bereiten? „Die dritte Welle der Pandemie hat bereits zu vielen neuen Infektionen geführt. Auch wenn die Covid-Patienten im Durchschnitt jünger sind als noch vor drei Monaten, wird das zu einer weiteren Belastung der Krankenhäuser führen, in Fulda, Hessen und in ganz Deutschland. Diese Entwicklung bereitet uns Sorge“, erklärt das Krankenhaus. Wie merkur.de berichtet, hatte der Virologe Christian Drosten auf Twitter auf die dramatische Lage auf den deutschen Intensivstationen* aufmerksam gemacht und geschrieben: „Dies ist ein Notruf“.

Corona-Lage in Kliniken der Region ist angespannt: So viele Covid-Patienten wie nie zuvor

Zu den Krankheitsverläufen der Patienten erklärt das Klinikum: „Im Trend sehen wir weniger Covid-Patienten, die älter als 80 Jahre sind. Die Menschen, die wir derzeit behandeln, sind im Durchschnitt tatsächlich jünger.“ Inwieweit sich das auf die Krankheitsverläufe und die Verweildauer auswirken wird, sei aber noch nicht seriös abzuschätzen. (Lesen Sie hier: „Brücken-Lockdown“ - Das sagt Virologe Hendrik Streeck zum Laschet-Vorstoß)

Wie reagiert das Klinikum, wenn alle Intensivbetten des Krankenhauses belegt sind - wo werden die Patienten dann versorgt? „Da die Situation in ganz Deutschland angespannt ist, sind Verlegungen nur in Einzelfällen möglich“, erklärt das Klinikum Fulda. Eine Ausweitung der Kapazitäten sei in allen hessischen Versorgungsregionen denkbar, allerdings fehle dafür das qualifizierte Personal. „Dennoch wird eine stationäre Behandlung keinem Patienten vorenthalten werden.“

Welche Erfahrung das Klinikum mit Mutationen gemacht hat, erklärt das Krankenhaus: „Mittlerweile werden fast alle neuen Covid-Fälle durch die britische Variante verursacht, die erheblich ansteckender als das ursprüngliche Virus ist und nach aktuellen Erkenntnissen zu schwereren Verläufen und auch zu mehr Todesfällen führt.“ Aber dass die Patienten auch schwieriger zu behandeln sind, hat das Krankenhaus das bei seinen Patienten erfreulicherweise noch nicht festgestellt.

„Covid-Patienten sind jünger und schwerer erkrankt“

Die Lage im Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda: Generell ist die Auslastung im Herz-Jesu-Krankenhaus sehr gut. Im Vergleich zum Vorjahr – als die Pandemie sich noch nicht bemerkbar machte – liegen die Zahlen etwas darunter. „Aktuell werden acht Covid-Patienten auf der Normalstation und zwei schwere Fälle auf der Intensivstation behandelt, außerdem haben wir einige Verdachtsfälle“, erklärt das Krankenhaus.

„Wir bereiten uns auf mehr Covid-19-Patienten vor“, so das Krankenhaus. „Wir sind in der dritten Welle, die eine unglaubliche Dynamik mit sich bringt. Darum ist es extrem wichtig, gerade jetzt die geltenden Regeln einzuhalten.“

Wie sich die Krankheitsverläufe der Patienten darstellen? „Die Covid-Patienten sind wesentlich jünger und auch schwerer erkrankt“, beobachtet das Krankenhaus. „Es zeigen sich Organschädigungen und Langzeitfolgen. Wir haben bislang eine Infektion nach einer Impfung beobachtet und auch eine Re-Infektion nach bereits überstandener Corona-Erkrankung. In beiden Fällen waren die Verläufe jedoch nicht heftig.“

Die Frage wo die Patienten versorgt werden, wenn alle Intensivbetten des Krankenhauses belegt sind, beantwortet das Herz-Jesu-Krankenhaus so: „Der Notfallplan sieht vor, mit allen Mitteln die Versorgung sicherzustellen etwa mit der Auf- oder Umrüstung einer Normalstation zu einer Covid-(Überwachungs-)Station sowie den Einsatz von Personal aus anderen Fachbereichen. Falls nötig auf Kapazitätsreserven zurückzugreifen, dies schließt auch überregionale Verlegungen ein.“

Das Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda hat bereits Erfahrungen mit Mutationen gemacht: „Bei dieser infektiöseren Virusvariante sehen wir einen deutlichen Anstieg an Infektionen innerhalb von Familien und bei jüngeren Betroffenen im Alter zwischen 25 und 60 Jahren und hierbei anscheinend schwerere, kompliziertere, längere Krankheitsverläufe.“ Bereits seit längerem teste man auf Mutationen. (Lesen Sie hier: Bürgertestzentrum am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda - Klinik und Malteser kooperieren)

Corona-Lage bereitet Main-Kinzig-Kliniken Sorge

Die Lage in den Main-Kinzig-Kliniken: Der Anstieg der Corona-Infizierten ist auch in den Main-Kinzig-Kliniken spürbar, erklärt Dieter Bartsch, Geschäftsführer der Main-Kinzig-Kliniken. Aktuell – Stand 7. April – werden in Gelnhausen 18 Covid-19-Patienten auf der Normalstation sowie 8 auf der Intensivstation versorgt. In Schlüchtern sind 8 Infizierte in Behandlung.

Ob den Kliniken das Sorge bereitet? „Ja, das bereitet uns Sorge. Wie bereits die ersten beiden Wellen stellt auch die aktuelle Situation eine enorme personelle Herausforderung dar. Von großer Bedeutung ist es, die bestmögliche Versorgung der Corona-Patienten zu gewährleisten und eine ebenso gute Versorgung aller Notfall- und Akutpatienten ohne Covid-19 sicherzustellen“, heißt es.

Der überwiegende Teil der Corona-Patienten sei von der deutlich ansteckenderen Virusmutation betroffen. Die Behandlung der Mutationen entspreche im Wesentlichen der Behandlung, die auch hinsichtlich der ursprünglichen Virusvariante erforderlich ist.

Und wo die Patienten versorgt werden, wenn das Krankenhaus ausgelastet ist? „Wir passen unsere Strukturen permanent den Erfordernissen an“, erklärt Bartsch. „In Annahme weiter steigender Infiziertenzahlen haben wir an beiden Klinikstandorten Vorbereitungen getroffen und die Kapazitäten auf der Intensivstation Gelnhausen wieder angepasst – diese entsprechen den erweiterten Kapazitäten in der zweiten Welle.“

Video: „Dies ist ein Notruf“ - Drosten warnt vor Lage auf Intensivstationen

Die Lage in der Helios St.-Elisabeth-Klinik in Hünfeld: Vor Ostern war die Intensivstation der Helios-Klinik in Hünfeld nur mit Covid-19-Patienten komplett ausgelastet. Jetzt sind es noch zwei. Durch Verlegung habe sich die Lage Ende März etwas entspannt, wie Klinikgeschäftsführer Sebastian Mock erklärt. Auf der Covid-19-Normalstation werden derzeit 18 Patienten behandelt.

„Wir hatten gerade begonnen, zusätzlich geschaffene Isolierbereiche wieder ihrer ursprünglichen Aufgabe zuzuführen. Sukzessive wollen wir wieder mehr planbare Operationen oder Untersuchungen anbieten“, erklärt Mock. Sollte die Zahl der Covid-19-Patienten wieder sprunghaft ansteigen, wird die Klinik kurzfristig und flexibel reagieren.

Wie die Krankheitsverläufe der Patienten aussehen? „Es ist festzustellen, dass die Covid-19-Patienten nun meist jünger sind. Zum Krankheitsverlauf kann man jetzt noch keine belastbare Aussage treffen, dazu ist es noch zu früh“, sagt Mock. „Was die Schutzimpfung betrifft, so hatten wir noch keinen bereits vollständig geimpften und trotzdem an Covid-19-erkrankten Patienten.“

Die Frage wo die Patienten versorgt werden, wenn alle Intensivbetten des Krankenhauses belegt sind, beantwortet die Helios-Klinik so: „Wie 2020 greift in unserem Versorgungsbereich ein abgestimmtes Vorgehen. In Telefonkonferenzen mit allen Kliniken wird die Situation wöchentlich besprochen. Im Einzelfall erfolgt täglich ein Austausch. Sind die Intensivkapazitäten einer Klinik ausgeschöpft, nehmen die benachbarten Kliniken auf.“

Zu den Mutationen erklärt die Klinik: „Fast jeder positiv Getestete hat die britische Variante. Das Virus scheint leichter übertragbar. Aber da sind wir erst am Anfang der Erkenntnisgewinnung. In der Behandlung der Patienten gibt es keine Unterschiede.“ *merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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