Ein Mitarbeiter behandelt im besonders geschützten Teil der Intensivstation des Universitätsklinikums Greifswald einen Covid-19-Patienten.
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Das Klinikum Fulda verzeichnet im Corona-Jahr 2020 Erlösrückgänge im zweistelligen Millionenbereich.

Pauschale für Krankenhäuser

Corona-Bonus kommt nicht an: Erlös des Klinikums Fulda geht um zweistelligen Millionen-Betrag zurück

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Die Regelung zu den Ausgleichszahlungen für freigehaltene Betten in Krankenhäusern sind bis 11. April verlängert worden. Eine Studie im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums hat Erlöse und Leistungen der Krankenhäuser von Januar bis September 2020 untersucht. Das Ergebnis lässt aufhorchen.

Region - Von den sogenannten Freihaltepauschalen haben vor allem psychosomatische Kliniken profitiert. Große Häuser, die oft einen hohen Anteil an Corona-Patienten behandelt haben, hingegen weniger. Das geht aus den Ergebnissen einer Studie der TU Berlin und des RWI – Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung hervor, die im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt wurde.

Das Klinikum Fulda als koordinierendes Krankenhaus in der Corona-Pandemie verzeichnet 2020 Erlösrückgänge im zweistelligen Millionenbereich. Zwar werden die Verluste durch die Zahlungen des Bundes zum Teil kompensiert. Dennoch schließt das Jahr 2020 mit einem negativen Ergebnis ab, wie Barbara Froese, Pressesprecherin des Klinikums, erklärt. (Lesen Sie hier: Vogelsberg: Krankenhaus-Chef nach Vorfall auf Parkplatz gefeuert)

Corona-Bonus kommt nicht an: Erlös von Klinikum Fulda geht um Millionen zurück

Auch die Main-Kinzig-Kliniken rechnen mit einem Defizit: „Nach dem aktuellen Wirtschaftsplan sind das für 2021 rund 4,5 Millionen Euro“, sagt Alexandra Pröhl, Pressesprecherin der Main-Kinzig-Kliniken. Für das Corona-Jahr 2020 lägen die Zahlen noch nicht vor. Laut Studie hat sich die Erlössituation in den Krankenhäusern zwischen Januar und Ende September 2020 insgesamt um 8,8 Milliarden Euro verschlechtert. Neun Milliarden wurden allerdings durch die Freihaltepauschalen kompensiert.

Nach Beginn der Corona-Pandemie, bis zum 12. Juli, erhielten Kliniken vom Bund für jedes nicht belegte Bett einen Ausgleich von 560 Euro – für einige Krankenhäuser war das lukrativer, als wenn sie das Bett belegt hätten. „Wir haben bei den psychiatrischen Kliniken durch die Freihaltepauschale eine Vergütung für ein freies Bett von 560 Euro pro Tag gehabt. Aber im Durchschnitt erhalten psychiatrische Kliniken so etwa 300 Euro pro Tag, wenn sie Patienten behandeln“, sagte Professor Boris Augurzky vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, der an der Studie mitgewirkt hat, gegenüber der Sendung „Plusminus“.

So sei es mitunter zu mehr Erlösen trotz weniger Patienten gekommen. Die Bruttoerlöse der somatischen Krankenhäuser wären ohne die Kompensation des Bundes um knapp 6,7 Milliarden Euro gesunken. Die Zahlungen hätten dazu geführt, dass sich die Nettoerlöse der somatischen Kliniken im Vergleich zum Vorjahr um 2,4 Prozent verbessert haben. Ab Mitte Juli wurde stärker differenziert, die Beträge von 360 bis 760 wurden gestaffelt.

Inzwischen ist nicht mehr von Freihaltepauschalen, sondern von Ausgleichszahlungen die Rede. Der Bundestag hat im November einen Rettungsschirm für die Krankenhäuser beschlossen. Ursprünglich sollten die Zahlungen Ende Februar auslaufen. Die Regelung wurde aber bis 11. April verlängert. Voraussetzungen, um eine Zahlung zu erhalten, sind: Das Krankenhaus muss eine Notfallversorgung der Stufe 2 oder 3 erbringen und in einem Landkreis liegen, in dem die Corona-Inzidenz über 70 liegt sowie die Intensivkapazität weniger als 25 Prozent beträgt.

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Das Herz-Jesu-Krankenhaus erhält 324 Euro pro freigehaltenem Bett. „Das genügt nicht, um die Fixkosten in unseren Krankenhäusern zu decken“, stellt Michael Sammet, Geschäftsführer des Krankenhauses, heraus. In den vier Krankenhäusern der Vinzenz Gruppe in Hessen lagen die Belegungsrückgänge im Januar – je nach Standort – zwischen 15 und 40 Prozent im Vergleich zum Januar des Vorjahres. Das Ausmaß der Erlöseausfälle und der Mehrkosten könne noch nicht abgeschätzt werden. Das Herz-Jesu-Krankenhaus habe aber „solide gewirtschaftet“.

Sammet befürchtet massive Kosteneinsparungen in vielen Krankenhäusern, um wirtschaftlich überhaupt überleben zu können. Die Unterstützung des Bundes würde zwar in die richtige Richtung gehen, „jedoch werden nicht in ausreichendem Maße die Krankenhäuser unterstützt, die einen hohen Anteil an der Versorgung von Corona-Patienten leisten“.

Die Behandlung von Corona-Patienten bedeute Mehrkosten, Mehraufwand und würde den übrigen Krankenhausbetrieb massiv beeinträchtigen. „Für 2021 wird es für viele Kliniken von existenzieller Bedeutung sein, dass es einen Gesamtjahresausgleich auf Basis der Erlöse vor der Pandemie geben wird“, sagt Michael Sammet.

Wie die finanzielle Situation im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach und in der Helios-Klinik in Hünfeld aussieht, lesen Sie in der Print-Ausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.

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