Drei Personen mit Maske sitzen auf einem Bordstein
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Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt.

Das Lachen in den Augen

Hilderser Fotografin Annika Nüdling will trotz Maske Emotionen einfangen

  • vonMarius Scherf
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Was verleiht uns Menschen Ausdrucksfähigkeit? Mit der Kamera bewaffnet versucht Fotografin Annika Nüdling dem auf den Grund zu gehen und porträtiert Passanten mit Maske in den Straßen Fuldas.

  • Annika Nüdling ist Fotografin aus Hilders und porträtiert Passanten mit Maske.
  • Ihr Ziel ist es, Emotionen sichtbar zu machen.
  • Die Reaktionen auf sie sind ganz unterschiedlich.

Fulda - Über dem gelben Gebäude des Fuldaer Bahnhofs steht ein tiefblauer Himmel. Es ist einer dieser Tage, in denen bereits die laue Luft des Sommers durch die Straßen zu ziehen scheint. Auf dem Bahnhofsvorplatz tummeln sich zahlreiche Passanten. „Ich beobachte gerne Menschen“, sagt Annika Nüdling, während sie entspannt auf einer der Treppen am Platz sitzt. „Aber durch die Masken sieht man fast keine Mimik mehr, man weiß nicht, ob der Gegenüber jetzt lacht, ob er traurig ist oder wütend“, findet die 32-jährige Hobbyfotografin, die hauptberuflich Lehrerin für Biologie und Englisch in Hilders ist.

Masken während der Corona-Krise: Nüdling will Emotionen sichtbar machen

Mit ihrer Fujifilm X-T1 hat es sich Nüdling daher zur Aufgabe gemacht, Emotionen wieder sichtbarer zu machen: „Ich möchte den Menschen ein Lächeln ins Gesicht zaubern“, sagt sie. Aber funktioniert das? Bis zu 43 Muskeln sind am Erzeugen eines Lachens beteiligt. Doch was bleibt übrig, wenn ein Großteil des Gesichts verborgen bleibt? Viele Menschen um den Bahnhof tragen ihre Maske um den Hals oder gleich auf der Nase. Oftmals passt sie zum Look: Ob blau, pink oder gepunktet – sie scheint bereits Teil des eigenen Outfits geworden zu sein.

Annika Nüdling ist Fotografin aus Hilders.

Trotz Corona-Masken kleine Lachfalten

Nüdling geht auf die Menschen direkt zu. Die meisten sind zunächst überrascht von ihrer Offenheit, manche winken gleich ab, sobald sie das Wort „Foto“ hören. „Heute sehe ich nicht gut aus“, entgegnet eine auf einer Bank sitzende ältere Dame, die melancholisch an ihrer Zigarette zieht und dabei elegant die Beine übereinander schlägt. „Ne Mann“, sagt der Handwerker, der aus dem Bahnhof kommt. Ein älterer Herr mit weißem Rauschebart fühlt sich hingegen „geehrt“, fotografiert zu werden. Also einmal Maske auf und bitte lächeln – und tatsächlich; es sind die Augen, um die sich nun deutlich sichtbar kleine Lachfalten bilden. Diese fallen nun ganz besonders auf: Bei jedem anders, bei jedem speziell.

Menschen mit Masken fotografieren: „Ich mag diese kleinen individuellen Reaktionen“

„Ich mag diese kleinen individuellen Reaktionen“, sagt Nüdling. Am meisten freut sie sich über die Interaktion mit ihren „Models“ – wenn sie sich in Pose setzen, lachen, agieren. Sie versucht aber nicht nur verschiedene Gesten einzufangen, sondern auch möglichst viele verschiedene Menschen.

Die Leidenschaft fürs Fotografieren hat sie von einer Kolumbienreise, meint sie: „Seitdem liebe ich es Menschen zu fotografieren. Im Ausland wurde ich oft angelächelt. Hier wirken die Leute ernster“, fällt ihr immer wieder auf.

Hilderser Fotografin Annika Nüdling will trotz Maske Emotionen einfangen

Annika Nüdling beim Fotografieren
Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt. © Annika Nüdling
Annika Nüdling beim Fotografieren
Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt. © Annika Nüdling
Annika Nüdling beim Fotografieren
Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt. © Annika Nüdling
Annika Nüdling beim Fotografieren
Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt. © Annika Nüdling
Annika Nüdling beim Fotografieren
Die Fotos von Annika Nüdling zeigen, dass das Lachen auch mit Maske sichtbar bleibt. © Annika Nüdling

Die Masken verstärken dieses Gefühl ihrer Meinung nach noch. „Plötzlich sind alle ein ganzes Stück weit anonymer als sonst.“

Corona-Krise: Fotografieren wie New Yorker Fotografin Laura Fuchs

Ihr Fotoprojekt versucht, dem etwas entgegenzusetzen, wagt darüber hinaus den Versuch, Vielfalt und Diversität einzufangen. Denn eine Gesichtsbedeckung, zeigt sich nun, verdeckt zwar die Mimik, aber nicht die Ausdruckskraft und den Charakter seines Trägers.

Und Annika Nüdling ist nicht die Einzige, die bereits auf diese Idee kam: Die New Yorker Fotografin Laura Fuchs lichtet in der Metropole ebenfalls Menschen mit Masken ab. Mittlerweile ist sie auf die Fuldaerin aufmerksam geworden und teilt ihre Bilder nun gemeinsam mit ihren eigenen auch auf der anderen Seite der Welt.

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