Die Kollage zeigt einen Bäcker, einen Metzger und eine Frau, die im Hotel die Betten macht.
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Freie Ausbildungsstellen gibt es in vielen Branchen.

Zahl der Bewerber sinkt

Auswirkung der Corona-Krise: Betriebe im Landkreis suchen weniger Auszubildende

  • Sabrina Mehler
    vonSabrina Mehler
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Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres sind im Landkreis Fulda noch rund 1000 Ausbildungsstellen unbesetzt. Dabei bilden die Betriebe der Region diesmal weniger aus als in den Vorjahren – vermutlich eine Auswirkung der Corona-Krise.

  • Auswirkung der Corona-Krise: Betriebe im Landkreis Fulda suchen weniger Auszubildende.
  • Gleichzeitig ist die Zahl an Bewerbern im Landkreis Fulda gesunken.
  • Auf jeden Ausbildungssuchenden kommen aktuell mehr als 2,9 offene Stellen in den Betrieben.

Fulda - Die Betriebe im Landkreis Fulda haben weniger Ausbildungsplätze bei der Arbeitsagentur gemeldet. Im Zeitraum von Oktober 2019 bis Ende Juni 2020 waren es nur 2413 Stellen und damit rund zehn Prozent weniger als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, berichtet Horst Kramer, stellvertretender Geschäftsführer der Agentur für Arbeit.

„Der Rückgang ist sicher auf die Auswirkungen der Krise zurückzuführen“, glaubt er, erklärt aber dennoch: „Trotz der gravierenden Auswirkungen der Pandemie auf die heimische Wirtschaft scheint die Ausbildungsbereitschaft der Betriebe ungebrochen. Bisher verzeichnen wir keine Stornierungswelle.“

Betriebe suchen in der Corona-Krise weniger Auszubildende - gleichzeitig sinkt die Zahl der Bewerber

Gleichzeitig ist die Zahl der jungen Menschen gesunken, die eine Ausbildung anstreben: um 5,4 Prozent auf 1259. Das führt Kramer zum einen darauf zurück, dass es in diesem Jahr weniger Schulabgänger gab, aber auch auf eine stärkere Nachfrage nach weiterführenden Schulen. Damit gibt es auch in diesem Jahr weitaus mehr Stellen als Bewerberinnen und Bewerber: „Momentan kommen auf jeden Ausbildungssuchenden mehr als 2,9 offene Stellen. Dies entspricht genau der Relation wie vor einem Jahr.“

Sogar im zuletzt arg in Bedrängnis geratenen Hotel- und Gaststättengewerbe werden Auszubildende in Küche und Service gesucht, erklärt Horst Kramer, Vize-Chef der Arbeitsagentur. 

Aktuell seien noch rund 1000 Ausbildungsplätze im Kreis unbesetzt. Das bereitet Kramer Sorge: „weil das die fehlenden Fachkräfte von morgen sind“. Auf der anderen Seite suchten 349 junge Leute noch nach einem Ausbildungsplatz oder einer schulischen Alternative.

Rückgang an Ausbildungsplätzen im Landkreis Fulda ist in der Corona-Krise in jeder Branche zu spüren

„Der Rückgang an Ausbildungsplätzen ist branchenübergreifend zu spüren“, teilt Armin Gerbeth mit, Leiter Bildung bei der Industrie- und Handelskammer Fulda, die etwas mehr als die Hälfte der Ausbildungsverhältnisse im Kreis in den Bereichen Dienstleistung, Industrie und Handel begleitet.

Im Vergleich zu den Vorjahren sei die Zahl der Ausbildungsverträge um 26,5 Prozent gesunken. Corona spiele bei den sinkenden Zahlen sicher eine Rolle, sei aber nicht der einzige Grund. „Auch die Entwicklung der Schülerzahlen sowie die Wolken am Konjunkturhimmel haben vermutlich Auswirkungen.“ Trotzdem bemühten sich die Betriebe weiterhin, auszubilden: „Den Unternehmen ist klar, dass sie heute in ihre Fachkräfte von morgen investieren müssen.“

IHK-Leiter: Für Auszubildende gebe es in der Corona-Krise trotzdem „tolle Perspektiven“

Gerbeth verdeutlicht, dass es trotz Corona in der Region Fulda „tolle Perspektiven“ gebe. Allein in der Lehrstellenbörse der IHK Fulda seien noch 153 Ausbildungsplätze im Angebot. „Eine Karriere mit Lehre ist ein Erfolgsrezept“, betont Gerbeth. Es sei aber nach wie vor so, dass die IHK für eine Ausbildung die Werbetrommel rühren müsse. Viele Eltern seien häufig davon überzeugt, dass ein Studium der bessere Weg sei; und vielen Bewerbern sei nicht bewusst, wie breit die Palette an Ausbildungsberufen sei.

„Ich habe den Eindruck, dass Corona kaum Auswirkungen auf den Ausbildungsmarkt hat“, beobachtet derweil Gabriele Leipold, Geschäftsführerin der Kreishandwerkerschaft. Exakte Zahlen werden aber wohl erst im Oktober vorliegen: „Hoffen wir, dass sich unser Eindruck dann bestätigt.“ Die Unternehmen würden trotz Corona mit dem Blick auf den Fachkräftemangel ausbilden. Auch sie unterstreicht: Die Fachkräfte von heute sind die Fachkräfte von morgen, die die scheidenden Mitarbeiter ersetzen können. Die Betriebe sehen daher zu, dass dieser Kreislauf am Leben bleibt.“

Auszubildende gesucht

Wie in den Jahren zuvor benötigen die Betriebe Nachwuchs im kaufmännischen Bereich, erklärt die Agentur für Arbeit. Ebenfalls häufig gesucht: junge Menschen, die eine Ausbildung zum Elektroniker beginnen wollen. Auch Berufskraftfahrer und -fahrerinnen sowie Zahnmedizinische Fachangestellte sind begehrt.

Exotischere Berufe“ wie Schornsteinfeger und -fegerin sowie Konditor und Konditorin sind ebenfalls im Angebot. „Sogar im zuletzt arg in Bedrängnis geratenen Hotel- und Gaststättengewerbe werden Auszubildende in Küche und Service gesucht“, erklärt Horst Kramer, Vize-Chef der Arbeitsagentur.

Auch der demografische Wandel macht sich bemerkbar: Ausbildungsstellen für Hörgeräteakustiker und -akustikerinnen, Orthopädieschuhmacher und -macherinnen sowie in der Altenpflege sind frei. Für Abiturienten und Abiturientinnen sind duale Studienplätze im Wirtschaftsingenieurwesen, Food-Management und der Immobilienwirtschaft frei.

Wer noch nicht weiß, wie es weitergeht, kann sich unter (0661) 17111 oder online bei der Berufsberatung der Arbeitsagentur melden. Auf der Webseite gibt es eine Liste mit offenen Ausbildungsstellen.

Das Interesse an einer Ausbildung im Handwerk sei in den vergangenen Jahren gestiegen: „Nicht nur die Schüler, auch die Eltern merken, dass eine klassische Ausbildung ein gutes Fundament für eine berufliche Entwicklung schaffen kann. Mit einer Ausbildung kann man so viel machen und erreichen.“ Und das Handwerk sei relativ krisensicher: „Das haben wir zuletzt gesehen. Als die Friseure wegen Corona schließen mussten, gab es einen Aufschrei.“ Und auch andere Handwerksbranchen hätten volle Auftragsbücher.

In der Corona-Krise geht die Zahl der Auszubildenden zurück, gleichzeitig steigt die Zahl der Arbeitslosen im Landkreis Fulda weiter an. Nicht nur die Betriebe in der Region sind von der Corona-Krise betroffen, sondern auch die Schweinemäster, die mit dem Coronavirus-Skandal bei Tönnies kämpfen. Gleichzeitig werden in Thüringen in der Corona-Krise händeringend Fahrlehrer gesucht.

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