Der Auspuff eines Autos stößt Abgase in die Luft. (Symbolbild)
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Wie hoch ist der Einfluss der Verkehrsreduzierung auf die Luftqualität? (Symbolbild)

Region Fulda

Sorgt die Corona-Krise für bessere Luft?

  • vonAlina Hoßfeld
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Durch die Ausgangsbeschränkungen gibt es weniger Verkehr, Flugzeuge bleiben am Boden und Kraftwerke sowie Fabriken stehen still. Die Stickstoffdioxid-Konzentration über europäischen Großstädten geht zurück. Auch die Stickstoffdioxid-Belastung in Fulda hat sich dadurch verbessert. Doch ist die Luft jetzt sauberer?

  • Seit Corona-Beschränkungen hat sich die Luftqualität in Fulda verbessert
  • Werte von Stickstoffoxid und Feinstaub haben dank Verkehrsreduzierung abgenommen
  • Wind und Vergleichszeitraum spielen bei der Messung eine entscheidende Rolle

Fulda - „Die Verbesserung der Luftqualität, insbesondere in Bezug auf Stickstoffdioxid, lässt sich auch anhand der Messungen in Fulda nachvollziehen“, erklärt Stefan Jacobi vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG). Dies lasse sich seit Einführung der Einschränkungen zur Eindämmung des Coronavirus feststellen.

Die Einschränkungen hätten unter anderem zu einer erheblichen Verkehrsreduzierung geführt. Dadurch sei die Konzentration der Schadstoffe in der Luft erheblich zurückgegangen.

Rückgang von Stickstoffdioxid und Feinstaub

Zu den Schadstoffen in der Luft, die an den Messstationen des HLNUG neben meteorologischen Werten gemessen werden, gehören unter anderem Stickstoffdioxid und Feinstaub – beide sind durch die Verkehrsreduzierung zurückgegangen. „Die Konzentration des Feinstaubs ist in der Luft jedoch nicht so stark zurückgegangen wie das Stickstoffdioxid. Das liegt aber daran, dass der Verkehr als Feinstaubquelle eine geringere Rolle spielt. Das Verkehrsaufkommen trägt mehr zur Emission von Stickstoffdioxid bei“, erklärt Jacobi.

Stickstoffdioxid entsteht unter anderem durch Abgase von Kraft- und Luftfahrzeugen sowie bei der Verbrennung fossiler Energieträger wie Gas oder Kohle. Feinstaub entsteht durch Verbrennungsprozesse unter anderem in Fahrzeugen und Kraftwerken.

Geringe Konzentration durch Wind

Um die jeweilige Konzentration dieser Schadstoffe an den Messstationen zu vergleichen, könne man jedoch nicht einfach beliebige Tage vor und während der Einschränkungen vergleichen. „Die Konzentration in der Außenluft hängt nicht nur von den Emissionen – also der Freisetzung – der Schadstoffe ab. Emissionen führen dazu, dass Schadstoffe in der Luft vorhanden sind. Die Wetterverhältnisse sind aber für die Konzentration in der Luft entscheidend“, erklärt Jacobi.

Das bedeutet vereinfacht: Ist es beispielsweise windig, ist die Konzentration geringer, da sich die Schadstoffe verteilen. Herrscht kein Wind, ist die Konzentration an Schadstoffen höher.

50 Prozent Rückgang an Fuldaer Messstelle

Um eine aussagekräftige Auswertung zu erhalten, wurden daher vom HLNUG Tage seit Einführung der Einschränkungen mit Tagen vor den Einschränkungen rückwirkend für ein halbes Jahr unter der Voraussetzung vergleichbarer Wetterverhältnisse verglichen. „Das heißt in diesem Fall konkret, dass es Tage mit stetigem Nordostwind waren. Diese Strömungsbedingungen haben die Zeit zwischen Mitte und Ende März dominiert“, erklärt Jacobi.

Messstationen in Fulda

Insgesamt gibt es im Landkreis Fulda drei Luftmessstationenin der Petersberger Straße, Fulda Zentral bei der Musikschule in der Buseckstraße und auf der Wasserkuppe. Die Messstationen vom HLNUG stehen an verschiedenen Standorten. Sie stehen am Ort der „höchsten Belastung“ – also häufig an viel befahrenen Straßen. Aber es gibt auch Luftmessstationen im sogenannten städtischen Hintergrund – das sind Luftmessstationen, die nicht an viel befahrenen Straßen stehen. Die Messstationen sollen eine Einhaltung der Grenzwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit sicherstellen. Unter anderem werden dort Luftverunreinigungen wie Stickstoffdioxid und Feinstaub, aber auch meteorologische Parameter wie Luftfeuchte und die Windrichtung gemessen.

Bei diesen ersten Auswertungen wurde festgestellt, dass die Stickstoffdioxid-Immissionsbelastung – also die Konzentration von Stickstoffdioxid in der Luft – nach Einführung der Maßnahmen im Mittelwert über alle hessischen verkehrsnahen Messstellen hinweg um 30 bis 40 Prozent abgenommen habe. „Speziell an der verkehrsnahen Messstelle in Fulda lag der Rückgang etwas höher, nämlich bei 50 Prozent. Die Auswertung beschränkt sich auf die verkehrsnahen Messstellen“, sagt Jacobi.

Minderung meist nur vor Ort bemerkbar

Laut Jacobi sei davon auszugehen, dass auch Gebiete, die etwas weiter entfernt von der Straße liegen, von der Reduzierung profitieren – wenn auch in geringerem Ausmaß. „Erfahrungsgemäß nimmt die Stickstoffdioxid-Konzentration mit zunehmendem Abstand von der Straße sehr schnell ab. Der Effekt einer Emissionsminderung an Straßen macht sich auch in erster Linie direkt vor Ort bemerkbar“, sagt Jacobi.

Für beide Schadstoffe gibt es Grenzwerte. Schaut man sich die Auswertung für das Jahr 2018 an – für 2019 liegt diese noch nicht vor –, wurde im Landkreis Fulda der Ein-Stunden-Grenzwert für Stickstoffdioxid nicht überschritten. Der Jahresmittelwert lag bei 39,4 (Petersberger Straße), 21,4 (Fulda Zentral) und 4,9 (Wasserkuppe) Mikrogramm pro Kubikmeter.

Die Luftmessstelle in Fulda ist eine von dreien im Landkreis.

Sauber genug für die Grenzwerte

Der Tagesmittelwert für Feinstaub wurde 2018 6-mal (Petersberger Straße) und 4-mal (Fulda Zentral) überschritten. Der Jahresmittelwert lag bei 21,3 (Petersberger Straße), 17,1 (Fulda Zentral) und 10,3 (Wasserkuppe) Mikrogramm pro Kubikmeter.

Gibt es aufgrund dieser Werte also saubere Luft in Fulda? „Ein Überschreiten des Ein-Stunden-Grenzwerts für Stickstoffdioxid und des Tagesmittelwerts für Feinstaub wird immer auf ein Jahr bezogen. In Fulda wurden die Grenzwerte nicht zu häufig im Jahr überschritten. Die Luft in Fulda ist also sauber genug, um die Grenzwerte einzuhalten. Rechtlich gesehen sind die Werte gut.

Ob die Luft sauber genug ist, hängt aber auch vom persönlichen Empfinden jedes Einzelnen ab“, erklärt Jacobi. Seit 2012 werde der Grenzwert für Feinstaub in Hessen eingehalten. „Obwohl der Grenzwert eingehalten wird, gibt es durch die Feinstaub-Konzentration in der Luft gesundheitliche Auswirkungen. Auftreten können unter anderem Atemwegsbeschwerden und Atemwegsentzündungen“, sagt Jacobi.

Luftwerte

Europaweit gibt es einen Ein-Stunden-Grenzwert für Stickstoffdioxid (NO₂) von 200 Mikrogramm pro Kubikmeter. Dieser Stundenmittelwert darf nicht öfter als 18-mal im Jahr überschritten werden. Der Grenzwert für den Jahresmittelwert liegt bei 40. Beim Feinstaub darf der Tagesmittelwert von 50 im Jahr maximal 35-mal überschritten werden. Der Grenzwert für den Jahresmittelwert liegt ebenfalls bei 40.

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