Ein Mädchen nimmt von zu Hause aus am Fernunterricht teil.
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Können zu Hause die Lernziele optimal erreicht werden? Stadtelternbeirat und Eltern in Fulda sind skeptisch. (Symbolbild)

Große Umstellung

Corona-Krise: Stadtelternbeirat Fulda und Eltern liefern erste Bilanz aus dem Homeschooling-Alltag

  • Hartmut Zimmermann
    vonHartmut Zimmermann
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Von heute auf morgen umschalten auf Unterricht per Computer: Homeschooling fordert alle Beteiligten in hohem Maße. Selten haben Eltern, Schüler und Lehrer so viel Neues lernen müssen. Momentaufnahmen einer Umstellung.

  • Der Umstieg von Präsenzunterricht auf Homeschooling hat Eltern, Schüler und Lehrer vor großer Herausforderungen gestellt
  • Langsam macht sich bei Schülern allerdings der „Schulentzug" bemerkbar
  • Laut Stadtelternbeirat könnte Homeschooling benachteiligte Schüler noch weiter zurückwerfen

Fulda - „Für uns ist das extrem stressig.“ So beschreibt Julia Leibold aus Künzell die Homeschooling-Situation aus Sicht ihrer Familie. Die 37-Jährige und ihr Mann Dominik betreuen die beiden Töchter Ylvie (8) und Finja (6) derzeit zuhause. Weil beide Eltern voll berufstätig sind – Julia Leibold mit einer 20-Stunden-Stelle – muss alles genau getaktet werden.

„Ich konnte glücklicherweise gleich auf Homeoffice umstellen“, berichtet sie. Aber obwohl sie auch sonst einen Teil ihrer Arbeit von zu Hause aus erledigt, fiel die Umstellung schwer: „Das Arbeiten allein zu Hause ist natürlich viel entspannter als in einer Situation, in der die Kinder da sind und parallel betreut, unterhalten, ermahnt oder getröstet werden müssen.“

Die Aufgaben für die Töchter kommen per Mail und auch mal als Kopie-Päckchen, die man bei der Elternbeiratsvorsitzenden abholt. Das habe alles ganz gut geklappt, berichtet Julia Leibold – sogar das Diktat, das nach einer online übermittelten Audio-Datei zu schreiben war. Zum Korrigieren bekam die Lehrerin den Text per Handy-Foto. Das Besprechen der Arbeit nutzte die Lehrerin für einen kurzen Besuch.

Fuldaer Schüler leiden unter „Schulentzug“

Doch so viel ist klar: Die Motivation der Grundschülerinnen lässt nach – vielleicht im gleichen Maße, in dem die Sehnsucht nach den Klassenkameraden wächst. Jetzt, so Julia Leibold, komme immer öfter die Frage: „Wann geht die Schule endlich los?“

Rückmeldungen wie diese will der Fuldaer Stadtelternbeirat in einer Umfrage sammeln. Dessen Vorsitzende, Claudia Beck, hat aus eigenem Erleben Erfahrungen aus drei Schulformen. Ihre Kinder (7, 12 und 16 Jahre) werden von ihr und ihrem Mann zu Hause betreut. Ihre erste Bilanz: „Das geht mal besser, mal schlechter.“ Und dass mit Dauer des „Schulentzugs“ die Motivation zum Lernen nachlässt, kann sie nur bestätigen.

Stadtelternbeirat Fulda: Einige Schüler geraten ins Hintertreffen

Grundsätzlich befürchtet die Stadtelternbeirätin, dass benachteiligte Schüler noch mehr ins Hintertreffen geraten: „Weil es in vielen Familien sicherlich keine vernünftige technische Ausrüstung gibt und manche Eltern es zudem einfach nicht leisten können, ihre Kinder beim Lernen so zu unterstützen, wie es nötig wäre, wird die Schere zwischen denen, die es allein schaffen und denen, die Hilfe bräuchten, noch weiter aufgehen.“ Gerade in Brennpunktschulen sei jetzt Unterstützung notwendig.

„Mit der plötzlichen Umstellung auf den digitalen Unterricht haben die Schulen und alle Beteiligten ganz, ganz viele Erfahrungen gesammelt. Die dürfen nicht verpuffen, sondern müssen in die Unterrichtskultur einfließen“, zieht Harald Persch, der stellvertretende Leiter des Staatlichen Schulamts Fulda, eine erste Bilanz. Auch im Kultusministerium treibe man die Thematik energisch voran. So sei nun sichergestellt, dass alle Lehrkräfte vom Beginn des neuen Schuljahrs an eine dienstliche E-Mail-Anschrift bekommen und nutzen können. Sehr positiv habe sich die Nutzung des „Schulportals Hessen“ entwickelt, das eine vielfältig einsetzbare Plattform sei. Hier werde die Schulung der Lehrkräfte durch Angebote wie Webinare eine wichtige Rolle spielen.

Trotz Corona-Zeiten: Präsenzunterricht wichtig

Lob für das Engagement der Lehrerschaft kommt von Schulamtsdirektorin Dr. Regina Urbaniak: Aus sehr spontanen Anfängen sei inzwischen auch eine gewisse Routine erwachsen. Nicht zuletzt die älteren Pädagogen hätten sich dieser Herausforderung mit Erfolg gestellt. Wichtig seien auch Sprechstunden-Angebote, in denen Schüler und Eltern die Möglichkeit bekämen, auch in Corona-Zeiten mit Fragen Kontakt zu Schule und Lehrerschaft zu halten.

Schule müsse in der nächsten Zeit zwischen den Polen des Gesundheitsschutzes auf der einen und des Bildungs- und Erziehungsauftrags auf der anderen Seite arbeiten, betont Persch. Dabei sei der Präsenzunterricht von großer Bedeutung: „Man muss ja auch wahrnehmen können, wie es den Schülerinnen und Schülern geht.“

Die Aussagen der Schulen zu der Thematik lesen Sie in der Freitagsausgabe der Fuldaer Zeitung.

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