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Corona-Krise trifft Modehaus Schneider: Damenmode-Kette AppelrathCüpper meldet Insolvenz an

  • vonRedaktion Fuldaer Zeitung
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Fulda - Der Kölner Damenmode-Filialist AppelrathCüpper, seit Juli 2017 Inhaber des Modehauses Schneider in Fulda, hat für das gesamte Unternehmen und alle 16 Filialen Insolvenz angemeldet. Die Kette will sich sanieren und am Markt bleiben.

Von unserem Redaktionsmitglied Volker Nies

In den Schaufenstern des Modehauses am Uniplatz und auf der Internetseite des Unternehmens findet man keinen Hinweis auf die Insolvenz, auf Anfrage bestätigt AppelrathCüpper aber: Das Insolvenzverfahren läuft. Betroffen ist auch der Standort Fulda mit seinen 70 Mitarbeitern (2018).

Umsatz fast komplett eingebrochen

Ins Wanken gebracht hat den Damemode-Filialisten die Corona-Krise mit der Schließung aller Bekleidungsgeschäfte. Das 1882 gegründete Unternehmen beantragte beim Amtsgericht Köln eine Insolvenz in Eigenverwaltung. „Nachdem wir mit einem außergewöhnlich guten Januar und Februar ins Jahr 2020 gestartet sind, hat uns die Corona-Pandemie in eine schwere Krise geführt“, sagt Unternehmenschef Lothar Schäfer. Wegen der behördlichen Schließung der 16 Filialen sei der Umsatz fast komplett eingebrochen. Nur der Online-Shop arbeite noch.

Probleme schon vor Corona

Die Lage für AppelrathCüpper war jedoch schon vor der Corona-Krise schwierig. Das Unternehmen befand sich mitten in einem Restrukturierungsprozess. In dieser Situation seien die Gespräche mit den Banken über einen zum großen Teil vom Staat verbürgten KfW-Kredit erfolglos geblieben, so dass eine Insolvenz in Eigenverwaltung die letzte Option gewesen sei, erklärt Finanzvorstand Heinrich Ollendiek.

Fuldas OB Dr. Heiko Wingenfeld (CDU) berichtet, er befinde sich bereits im Gespräch mit der Filialleitung. Er sei zuversichtlich, dass der Standort Fulda mit seinen Qualitäten auch in Zukunft überzeugen könne. „Das Haus befindet sich in einer 1a-Lage und zeichnet sich durch überaus engagiertes Personal aus. Ich danke dem Unternehmen, dass es sich klar zum Ziel gesetzt hat, die Arbeitsplätze in Fulda zu erhalten.“

Chance auf Sanierung?

Der neue IHK-Hauptgeschäftsführer Michael Konow sagt, die IHK bedauere, dass mit dem Modehaus Schneider ein Traditionsunternehmen Insolvenz angemeldet habe. „Wir hoffen sehr, dass die Arbeitsplätze und der Standort erhalten werden können.“

AppelrathCüpper hat Insolvenz beantragt, obwohl der Bundestag die Antragspflicht für von der Corona-Krise betroffene Firmen bis zum 30. September ausgesetzt hat. Die Ausnahme gilt aber nur, wenn wegen staatlicher Hilfen oder anderweitiger Finanzierungsverhandlungen noch begründete Aussichten auf Sanierung besteht. Das sah das Unternehmen offenbar nicht mehr.

Arbeitsagentur sichert drei Monatsgehälter ab

AppelrathCüpper will jetzt mit Beratern ein Sanierungskonzept erarbeiten. Dieses Konzept mündet in einen Insolvenzplan, der Entschuldung und Fortführung der Firma aufzeigen soll. Den Plan müssen die Gläubiger und das Amtsgericht Köln bestätigen.

Die Arbeitsagentur sichert die Gehälter in den ersten drei Monaten des Verfahrens über das Insolvenzgeld ab.

Erna Schneider gründete das Modehaus 1938. Ihre Tochter Karin Ahrens übernahm die Unternehmensleitung 1990. Mit 3000 Quadratmetern Verkaufsfläche in 1a-Lage entwickelte sich das Haus zum größten Damenmode-Anbieter der Region. Zum 1. Juli 2017 übernahm die Kölner Kette AppelrathCüpper (AC) das Modehaus, Inhaberin der Immobilie blieb die Familie Ahrens. AC, zunächst Teil der Douglas-Gruppe, gehört seit 2016 dem Finanzinvestor OPCapita (Großbritannien).

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