Scholz & Friends sind (von links) Christian Schnorr, Maximilian Wagner, Peter Scholz, Julian Schnorr und Marcel Jahn.
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Scholz & Friends sind (von links) Christian Schnorr, Maximilian Wagner, Peter Scholz, Julian Schnorr und Marcel Jahn.

Konzert im Livestream

„Kultur hat ihren Wert“: Peter Scholz und Julian Schnorr über schwere Zeiten und neue Chancen

  • Anke Zimmer
    vonAnke Zimmer
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Die Interviews unserer Zeitung mit den Künstlern, die bei „Kultur. Findet. Stadt.“ auftreten, sollen den Kartenvorverkauf dieser Reihe im Museumshof befördern. Peter Scholz (44) und Julian Schnorr (43) haben das ab dem Tag unseres Gesprächs nicht mehr nötig. Zu besprechen gibt es dennoch Vieles.

Gibt es noch Karten für das Konzert?
Schnorr: Unser Auftritt am 13. August ist ausverkauft.
Scholz: Echt jetzt? Was machen wir dann hier?
Plaudern?
Scholz: Zum Beispiel darüber, dass wir unser Konzert live im Internet streamen.
Für umsonst?
Scholz: Ja und nein. Denn Kultur hat ihren Wert. Jeder darf freiwillig einen Betrag online spenden, der dann zu 100 Prozent der FZ-Spendenaktion „Ich brauche Deine Hilfe“ zugute kommt. Es sind gerade eine Menge Menschen in Not, auch in unserer Region. Wir sind gesund und freuen uns, mit den Konzert und den Möglichkeiten der Digitalisierung was Gutes tun zu können. Danke bei der Gelegenheit an die Firma OBCC, die das Streaming technisch unterstützt.
Schnorr: Weil viele Leute gerade finanzielle Sorgen haben, ist auch der Ticketpreis zum Konzert nicht so hoch, auch wenn wir sehr großen Aufwand betreiben. Eigentlich empfindet man es in diesen Zeiten ohnehin als schwierig, überhaupt Eintritt nehmen zu müssen, denn viele Menschen haben finanzielle Probleme und Sorgen, müssen mit Kurzarbeit zurechtkommen oder haben sogar ihren Job wegen Corona verloren.
Aber Künstler als Soloselbstständige schwimmen derzeit doch nicht im Geld...
Schnorr: Nein. Aber zunächst steht natürlich die Gesundheit im Vordergrund, und man ist heilfroh, gesund zu sein. Aber in finanzieller Hinsicht sind es ganz schwierige Zeiten, und es gibt trotz der Lockerungen momentan keine wirkliche Perspektive.
Scholz: Und die öffentliche Förderung versagt. Da werden für Künstler angeblich Hilfspakete geschnürt, und wenn jemand seinen Antrag stellt, heißt es in vielen Fällen: Tut uns leid, der Topf ist bereits leer.
Ein Alternativvorschlag?
Scholz: Ich hätte es begrüßt, wenn auf der Grundlage der Steuererklärung von 2018 und 2019 für jeden einzelnen berechnet worden wäre, was er 2020 verdient hätte, und dann wären ähnlich wie beim Kurzarbeitergeld 60 Prozent an die Betroffenen gegangen.
Haben Künstler ihre Bedürfnisse zu leise geäußert? Wenn ich daran denke, was für ein Geschrei es in Sachen Fußball gab!
Schnorr: Da ist was Wahres dran.
Scholz: Vor allem wenn man weiß, was die Spieler verdienen! Viele Künstler hingegen können nicht einmal kleine Rücklagen bilden. Es geht natürlich nicht darum, hier Gehälter gegeneinander aufzurechnen. Aber mehr Unterstützung muss zwingend sein.
Schnorr: Die Anpassungen im Fußball könnte aber vielleicht teilweise als Modell dienen, auch für andere Bereiche wie zum Beispiel Konzerte, Partys und andere kulturelle Veranstaltungen.
Viele Künstler reagieren sehr kreativ auf die Krise.
Scholz: Oh ja. Viele Sänger suchen sich neue Wege, erweitern ihr Können, auch instrumental. Auf einmal hatten sie die Zeit dazu.
Schnorr: Damit kommen wir zu unserem Konzert. Ohne Corona wären wir in dieser Formation sicher nicht zusammengekommen, denn normalerweise lässt der Alltag oft zu wenig Raum für solche spannenden Projekte. [Anm. d. Red: Die Formation, das sind: Peter Scholz (Gesang, Gitarre, Klavier), Julian Schnorr (Gitarre), Christian Schnorr (Schlagzeug), Marcel Jahn (Keyboard) und Maximilian Wagner (Bass). Hinzu kommen sehr spannende Überraschungsgäste.]
Scholz: Vor allem hätten wir nie so intensiv proben können, aber auf einmal war das Zeitfenster dafür offen. Das wird schon ein besonderes Konzert.
Schnorr: Ich bin sehr dankbar dafür, dass mein Freund Peter und unsere tollen Bandkollegen so viel Ziel und Energie investiert haben, um dieses Projekt möglich zu machen.
Scholz: Man darf nicht vergessen, dass viele Zuhörer Scholz & Friends zum Beispiel 2019 im Theaterhof erlebt haben und da keinen Eintritt zahlen mussten. Warum sollten sie nun in die Geldbörse greifen, wenn sie das Gleiche wie damals geboten bekämen?
Ich habe den Eindruck, dass gerade jetzt bei vielen Menschen das Bedürfnis da ist, Künstler in ihrer derzeitigen schwierigen Situation zu unterstützen.
Schnorr: Und bei uns Musikern ist das Bedürfnis da, wieder für ein Publikum zu spielen. Ich habe vor ein paar Tagen mit den Mambo Kingx auf der Kulturbühne Fulda gestanden.
Ein Autokino-Konzert?
Schnorr: Ja, und die Organisatoren haben das Event auf einem sehr hohen technischen Niveau umgesetzt. Das war absolut super. Bei Scholz & Friends aber liegt der Fokus woanders.
Und zwar?
Schnorr: Die Mambo Kingx sind eine Partyband, die für gute Stimmung sorgt. Das ist unsere Aufgabe, und das ist auch okay so. Aber bei Scholz & Friends haben wir uns von solchen Überlegungen frei gemacht.
Scholz: Worauf ich vor allem gespannt bin, ist die Atmosphäre am 13. August. Immerhin spielen wir vor sitzendem Publikum, müssen nicht zum Tanzen und Mitsingen animieren. Dürfen wir das eigentlich, den Leuten sagen, dass sie singen sollen?

Livestream

Das Konzert von Scholz & Friends am Donnerstag, 13. August, um 20 Uhr im Museumshof Fulda ist ausverkauft. Aber nicht verzagen: Es gibt einen Livestream. Dieser ist kostenlos und kann auf dem FZ-Portal sowie auf der Facebook-Seite der Fuldaer Zeitung verfolgt werden. Über Pay Pal gibt es die Möglichkeit, dabei für die FZ-Aktion „Ich brauche deine Hilfe“ zu spenden.

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