Bis zum Ferienbeginn wird der Präsenzunterricht in Schulen abgeschafft.
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Bis zum Ferienbeginn wird der Präsenzunterricht in Schulen abgeschafft.

Digitale Alternativen

Schulen im Landkreis Fulda: Keine Präsenzpflicht im Corona-Lockdown - Das sagen die Schulleiter

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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„Maske auf statt Schule zu“: Mit diesem Slogan wirbt das Land Hessen für die Coronamaßnahmen. Und auch im harten Lockdown bleiben die Schulen prinzipiell offen – allerdings entfällt die Präsenzpflicht. Bis Ferienbeginn am Freitag sollen die Schüler möglichst digital unterrichtet werden. Wie gehen die Schulen damit um? 

Fulda - Distanz-, Wechsel-, oder Präsenzunterricht: Die Schulen in Hessen haben sich in den vergangenen Monaten mit ganz unterschiedlichen Lernformen auseinandersetzen müssen. Doch seit Beginn des Schuljahres wurde an der Präsenzpflicht festgehalten. Jetzt, drei Tage vor den Ferien, wird sich das wegen der neuen Corona-Maßnahmen ändern: „Schüler und Schülerinnen sollen ab Mittwoch – wann immer es möglich ist – zuhause betreut werden. Die Schüler nehmen dann im Rahmen des schulischen Angebots am Distanzlernen teil“, heißt es in einer Information des hessischen Kultusministeriums.

„Das ist eine sehr politische Äußerung, die für die Schulen wenig hilfreich ist“, kritisiert Markus Bente, Schulleiter der Wigbertschule in Hünfeld. Er hätte sich eine klare Aussage gewünscht. Denn: Wenn es den Eltern nicht möglich ist, ihre Kinder zuhause zu betreuen, dann können sie sie in die Schule schicken. Für einen geregelten Distanzunterricht sei diese Lösung, bei der ein Teil der Schüler zuhause, der andere Teil in der Schule ist, schwierig, erklärt Bente. „Wir haben hier begrenztes Personal, die Kollegen können sich ja nicht teilen.“ Theoretisch könnte der Präsenzunterricht zwar gefilmt werden, aber auch das sei herausfordernd, weil der Lehrer dann stets beide Lerngruppen – die Kinder zuhause und die Kinder im Klassenraum – im Blick haben muss.

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Schulen im Landkreis Fulda: Keine Präsenzpflicht im Corona-Lockdown - Das sagen Schulleiter

Wie viele Schüler letztlich in den drei Tagen vor den Ferien ins Wigbert-Gymnasium kommen, stehe erst Dienstagmittag fest: „Bis dahin haben wir den Eltern Zeit gegeben, sich zu entscheiden“, erklärt Bente. Er geht davon aus, dass die meisten Schüler zuhause bleiben. Auch die zwei Klassenarbeiten, die in dieser Zeit in einer zehnten Klasse noch anstehen, werden erst einmal auf Eis gelegt. „Vorziehen können wir sie nicht, weil so etwas fünf Unterrichtstage vorher angekündigt werden muss“, sagt Bente und ergänzt, dass seine Schule so kurz vor den Ferien normalerweise keine Klausuren mehr ansetzt.

An der Kinzig-Schule in Schlüchtern wurde gestern noch eine Arbeit im Leistungskurs Englisch geschrieben. Vier Stunden lang – mit Maske: „Daran haben sich die Schüler notgedrungen gewöhnt, aber unter diesen Herausforderungen ist das eine enorme Belastung“, sagt Oberstudienrat Günther Fecht. Ab morgen werden die Schüler online unterrichtet.

Das gilt jetzt

Am Dienstag findet noch einmal ganz normaler Präsenzunterricht statt.

Ab morgen ist die Präsenzpflicht für Schüler im Unterricht aufgehoben. Es wird geraten, zuhause zu bleiben. Die Schüler nehmen in den drei Tagen vor den Ferien am Distanzunterricht teil.

Eltern können selbst entscheiden, ob ihre Kinder zum Unterricht in die Schule kommen oder nicht. Volljährige Schüler können das für sich selbst entscheiden. In den Schulen soll es eine Notbetreuung geben.

Die Entscheidung gilt für alle drei Tage, ein Hin-und Her-Wechseln zwischen Präsenz- und Distanzunterricht ist nicht möglich.

Klassenarbeiten sollen an den drei Tagen nicht stattfinden. Eine Ausnahme gilt für Klausuren, die für den Schulabschluss 2021 unaufschiebbar sind.

Der erste Schultag nach den Weihnachtsferien ist – Stand jetzt – der 11. Januar.

Richard-Müller-Schule in Fulda: Schulleiterin fehlt Differenzierung in Sachen Präsenzpflicht

So ist das auch an der Richard-Müller-Schule in Fulda geplant. Die Berufsschule hat rund 2400 Schüler. Immer wieder gab es dort in der Vergangenheit Corona-Fälle. „Die Annahme, dass die Schulen kein Hotspot für Corona sind, würde ich auf jeden Fall mit einem Fragezeichen versehen. Wir haben ständig zwei bis drei Klassen, die betroffen sind“, sagt Schulleiterin Claudia Hümmler-Hille. Sie vertritt damit eine andere Sichtweise als Hessens Kultusminister Lorz. Die Entscheidung weg vom Präsenzunterricht hält sie für überfällig: „Es ist psychologisch auch schwierig, den Schülern zu erklären, dass sie zwar einerseits mit 20, 30 Leuten im Klassenraum sitzen sollen, andererseits aber Kontakte vermeiden müssen.“

Sie glaubt, dass ein Wechselunterricht, bei dem die Klassen geteilt werden, besser sei. „Ich glaube, dass es dann weniger Fälle geben würde“, sagt Hümmler-Hille. In der Richard-Müller-Schule sind die Lernenden ab 16 Jahre alt. Kurz vor den Ferien werden die Inhalte nun digital vermittelt. Die Schulleiterin geht nicht davon aus, dass eine Notbetreuung nötig ist und ab Mittwoch irgendjemand zur Schule kommen wird. Überhaupt findet sie, dass das Ministerium in der ganzen Diskussion hätte differenzieren sollen: „Man kann eine Grundschule nicht mit einer Berufsschule vergleichen“, betont sie.

Rektor der Domschule Fulda schätzt: „30 Prozent der Schüler werden weiter Präsenzunterricht haben“

Das sagt das Schulamt

„Die neuen Regeln sind wichtig für die Schulen, um Sicherheit zu bekommen“, sagt Jörg Demuth, seit Ende November neuer Leiter des Staatlichen Schulamts für den Landkreis Fulda. Die hessische Landesregierung habe damit eine sinnvolle Regelung gefunden. „Bei diesem Infektionsgeschehen musste es jetzt schnell gehen.“ Allerdings wisse Demuth auch, dass für die jüngeren Schüler vielleicht nicht so schnell eine Betreuungslösung zuhause gefunden werden könne, dem trage diese Entscheidung mit der Möglichkeit zur Notbetreuung Rechnung. 

Die Fuldaer Domschule ist eine Grund-, Haupt- und Realschule. Hier wird es vermutlich auf jeden Fall Kinder geben, die in den drei Tagen vor Ferienbeginn nicht zuhause betreut werden können. „Ich gehe davon aus, dass 30 Prozent der Schüler weiterhin Präsenzunterricht haben werden“, sagt Rektor Harald Frühauf. Seine Schule sei aber vorbereitet, Lerninhalte digital zu unterrichten. „Das haben wir heftig geübt. Die Abschlussklassen haben auch ein Tablet erhalten, um sich auf die Prüfungen Mitte Januar vorzubereiten.“

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