Der Verkauf von Flaschenbier entlastet im Corona-Lockdown viele Brauereien. (Symbolfoto)
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Der Verkauf von Flaschenbier entlastet im Corona-Lockdown viele Brauereien. (Symbolfoto)

Hoffnung auf Außengastronomie

Flaschenbier hält osthessische Brauereien am Leben - Umsätze in der Corona-Krise stark eingebrochen

  • Leon Weiser
    vonLeon Weiser
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Die Brauereien gehören zu den Branchen, die von der Corona-Krise besonders hart getroffen sind. Weil Gaststätten geschlossen sind, ist das Fassbier-Geschäft eingebrochen. Der Verkauf von Flaschenbier entlastet das Braugewerbe.

Fulda/Hausen - Nicht nur Gastronomen und Vereine stellt die Schließung ihrer Geschäfte und Vereinsheime vor Herausforderungen. Auch für Brauereien ist die Situation in der Corona-Krise ernst, da sie Gastronomen und Vereine mit Fass- und Flaschenbier beliefern. Der Ausfall der Fastnachtszeit stellte bereits den ersten großen Einnahmeverlust des Jahres dar.

Die Corona-Lage sei jedoch weder für die Rother Bräu Braueier im unterfränkischen Hausen noch für die Hochstift Brauerei in Fulda existenzbedrohend. Das liege daran, dass bei beiden Brauereien der Anteil von Flaschenbier im Vergleich zu Fassbier größer ist. Und Flaschenbier werde in Geschäften nach wie vor verkauft.

Corona: Flaschenbier hält Brauereien im Lockdown am Leben

Bei der Brauerei Hochstift in Fulda mache der Verkauf von Flaschenbier etwa 65 Prozent des Absatzes aus, erklärt Geschäftsführer Ulrich Klesper. Momentan werde kein Fassbier produziert, aber auch Flaschenbier „wurde im Laden deutlich weniger verkauft.“ Dennoch sei die Lage auch ohne staatliche Corona-Hilfen nicht schlimm, da „wir finanziell solide und stabil aufgestellt sind. Es ist nicht existenzbedrohend“, erläutert Klesper.

Klesper zeigt sich daher solidarisch mit den Gastronomen und Selbstständigen, deren Situation ernster sei: „Für unser Geschäft sind die Gastrokunden am wichtigsten.“ In der Gastronomie werde neben Fassbier auch eine Menge Flaschenbier verkauft. (Lesen Sie hier: Stadt Fulda will Außengastronomie nach Corona-Lockdown ankurbeln)

Aber auch mit Lockerungen der Corona-Maßnahmen konnte und werde sich die Lage nicht entspannen. „Im Sommer kamen wir nicht über 50 Prozent des normalen Umsatzes hinaus. Die Beschränkungen waren spürbar“, meint Klesper. Da diese aktuell gelten, liege seine Hoffnung auf April und Mai, dass es möglich sei, die Gastronomie zu beliefern. Dennoch ist er vorsichtig: „Es wird mit angezogener Handbremse laufen. Außerdem werden wir langfristig negative Folgen des Lockdowns spüren. Wir hoffen, dass das Wetter mitspielt und die Politik mutiger wird.“ Es komme auf die Gastronomie und deren Möglichkeit an, Biergärten zu öffnen.

Auch Xaver Weydringer, Geschäftsführer der Brauerei Rother Bräu mit Sitz in der bayerischen Gemeinde Hausen hofft, dass die Gastronomie wieder öffnet (Mit dem Corona-Ticker für Hessen bleiben Sie auf dem Laufenden; hier geht es zum News-Ticker zur Corona-Lage in Fulda). Weydringer fürchtet, dass einige im November an Gastronomen verkaufte Fässer in der nächsten Zeit zurückgegeben werden. Bislang musste er aber kein Bier wegschütten. Im Gegensatz zu vielen anderen Brauern.

Video: Freibier oder Gully - Betriebe müssen Bier wegen Corona los werden

Denn: Oft musste in Deutschland das Bier in großem Stil entsorgt werden, weil das Verfallsdatum näher rückte – für die Braukultur eine bittere Pille: „Fassbier im Wert von mehreren Millionen Euro, dessen Haltbarkeitsdatum überschritten wurde oder absehbar ausläuft, muss vernichtet werden“, erklärt Holger Eichele, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Brauerbundes. Dass bei der Entsorgung in der Brauerei dem Betrieb wenigstens die Biersteuer zurückerstattet werde, sei nur „ein schwacher Trost“. Brauereien werden deshalb mitunter kreativ: Der Giesinger Bräu etwa verarbeitet das Bier zu Bierschnaps*.

Durch den Corona-Lockdown werde bei Weydringer in der Brauerei Rother Bräu nur noch Flaschenbier produziert. „Wir haben im Handel den größten Umsatz. Das Verhältnis vom Verkauf liegt bei 60 Prozent Flaschenbier zu 40 Prozent Fassbier“, sagt er. Dennoch sind seine Mitarbeiter in Kurzarbeit. Das macht sich auch an den Umsatzzahlen bemerkbar. Im Januar und Februar seien sie um 30 Prozent zurückgegangen. „Wir werden für beide Monate Hilfen beantragen. Für die anderen Monate mussten wir zum Glück nichts beantragen“, erläutert Weydringer. Der Gesamtumsatz 2020 ging im Vergleich zu 2019 um 20 Prozent zurück. *tz.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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