Erster Haarschnitt um 0 Uhr

Nach Corona-Lockdown öffnen die Friseure in Fulda und der Region wieder - „Heute ist unser Glückstag“

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  • Lena Quandt
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Zehn Wochen lang mussten die Friseure eine Corona-Pause einlegen und ihre Salons schließen. Doch seit Mitternacht werden wieder Köpfe shampooniert und Nacken ausrasiert.

Fulda - Mitte Dezember die Friseure in Deutschland ihre Scheren beiseite gelegt: Im Zuge des Corona-Lockdowns mussten sie ihre Salons schließen. Von vielen Seiten wurde das beklagt: Die Friseure selbst forderten eine Öffnung - aber auch die Kunden sehnten sich nach einem Haarschnitt, wie Jutta Ressel, Geschäftsführerin der Cutting Crew in Fulda erzählt.

Heute - nach zehn Wochen Schließung - öffnen die Friseure wieder. „Der Terminkalender ist voll“, sagt Jutta Ressel. Kunden und Mitarbeiter würden sich sehr darüber freuen: „Wir sind total happy. Heute ist unser Glückstag.“

Nach Corona-Lockdown öffnen die Friseure in Fulda und der Region wieder - „Heute ist unser Glückstag“

Manch ein Friseur öffnete seinen Salon bereits um Mitternacht. So auch der Barbier ala Turka in Fulda. Als erster Kunde ließ sich Thomas Schafranek, stellvertretender Chefredakteur unserer Zeitung, um genau 0.01 Uhr die Haare schneiden: „Mir ging die lange Matte unglaublich auf die Nerven. Konnte mir fast schon nen Zopf flechten.“

Kundschaft erwartet der Inhaber des Barbier ala Turka, Bilal Baspinar (38), genug: „Wir haben die ganze Nacht Termine.“ Er hätte „vorgeschlafen“ und schneide so lange, „bis heute Abend kein Kunde mehr kommt“. Mehr als drei Stunden Schlaf braucht er nicht, nach der langen Zeit will er nur eins: „Arbeiten, arbeiten, arbeiten.“

„Ich bin begeistert, gleich am ersten Tag hier sitzen zu dürfen“, freut sich Ulrike Stuckhardt. Im Friseurstudio Reiter in Horas lässt sie sich pünktlich um 9 Uhr ihre Haare färbern, waschen und schneiden. „Angst habe ich nicht, die Hygienevorgaben galten ja schon im Winter“, ergänzt die Dame aus Bad Hersfeld.

Fotostrecke: Nach Corona-Lockdown öffnen die Friseure in Fulda und der Region wieder

Inhaber des Friseurstudio Reiter in Horas, Wolfgang Reiter, mit seiner Tochter und Friseurin Kristin Reiter.
Inhaber des Friseurstudio Reiter in Horas, Wolfgang Reiter, mit seiner Tochter und Friseurin Kristin Reiter. © Michel Ickler
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach der Corona-Pause haben Friseure in der Region schon in der Nacht ihre Salons geöffnet. © Jacqueline Kleinhans
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region schon in der Nacht zum 1. März ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region schon in der Nacht zum 1. März ihre Salons wieder geöffnet. © Jacqueline Kleinhans
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet.
Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region ihre Salons wieder geöffnet. © Jonas Wenzel

Beim Betreten des Ladens wird sie freundlich am Empfang begrüßt. Eine Friseurin bittet Stuckhardt ihre Hände zu desinfizieren und ihre Daten zur Kontaktverfolgung preiszugeben. „Wir haben zwar alle Daten im Terminbuch, die Liste müssen wir trotzdem führen“, erklärt Kristin Reiter.

Wie Stuckhardt trägt auch Reiter eine medizinische Maske. Jede Mitarbeiterin erhält mehrere Masken pro Tag, die sie wechseln können. Nach einem kurzen Gespräch begleitet Reiter ihre Kundin an ihren Platz. Die Waschbecken sind mit Plexiglasscheiben abgetrennt, dass sie genutzt werden können. Von den 22 Plätzen im Salon dürfen aufgrund der Abstandsregeln 11 genutzt werden. „Durch die Regeln können wir nur die Hälfte an Kunden bedienen. Daher haben wir unsere Öffnungszeiten erweitert“, erklärt sie. Die ersten zwei Wochen hat der Friseursalon Reiter an sechs Tagen geöffnet, zudem arbeiten die Teilzeitkräfte statt drei fünf Tage.

Nach Corona-Pause öffnen die Friseure wieder: „Ich bin begeistert“

„Wir sind die kommenden drei Wochen ausgebucht“, freut sich Inhaber Wolfgang Reiter. In den vergangenen Wochen habe sein Team alle Anrufe und E-Mails bearbeitet, dass jeder Kunde seinen Termin erhält. „Neben den hohen Hygieneauflagen haben wir zudem Luftfilter gekauft und in den Filialen installiert.“

Die Freuden über die Öffnung sei enorm – auch mit Blick auf die Umsätze. „In den vergangenen Wochen musste ich viel Privatvermögen in die Salons stecken. Jetzt können wir hoffentlich wieder positiv in die Zukunft schauen“, verdeutlicht der Inhaber. „Die Hoffnung ist jetzt, wieder seinen eigenen Lebensunterhalt bestreiten zu können“, sagt der Geschäftsführer des Landesinnungsverband des Friseurhandwerks in Hessen, René Hain. 10 bis 20 Prozent der Unternehmen hätten angegeben, ohne Hilfen insolvent zu gehen. (Lesen Sie hier: Das Wichtigste zum Friseur-Besuch in Hessen*)

Nach Schließung im Corona-Lockdown haben Friseure in der Region schon in der Nacht zum 1. März ihre Salons wieder geöffnet.

Auch für Auszubildende war der Lockdown eine harte Zeit. „Trotzdem haben wir es geschafft, dass sie trotz der Schließung weitertrainieren konnten“, sagt Kristin Reiter, die für die Azubis verantwortlich ist. Die fünf Lehrlinge haben Aufgaben für zu Hause erhalten und konnten im Salon an Übungsköpfen trainieren. Jetzt bietet sich ihnen wieder die Chance, auch praktisch weiterzuarbeiten und Kunden wie Ulrike Stuckhardt glücklich zu machen. Nach ihrem Termin ist sie zufrieden und gut frisiert gen Heimat gefahren. „Ich hatte im Lockdown nichts unternommen, da ein Selbstexperiment wohl schief gegangen wäre. Umso mehr freue ich mich jetzt über den neuen Haarschnitt.“

Das „Haarstudio Nicole“ von Nicole Pietsch aus Oberzell, Friseurmeisterin und Vorstandsmitglied der Friseurinnung im östlichen Main-Kinzig-Kreis, hat seit heute Morgen auch wieder geöffnet. Diesem Moment hat Pietsch gleichermaßen mit Vorfreude und gemischten Gefühlen entgegengesehen. „Die Ersparnisse sind aufgebraucht. An einen dritten Lockdown möchte ich gar nicht denken“, sagt sie. Nun steht die Ladentüre wieder für Kunden offen. Aufgrund der Abstands- und Hygieneregeln können Pietsch und Kollegin Sonja Maly weniger Kunden als früher bedienen. Statt bis zu 30 am Tag sind es jetzt circa 18. Beide hoffen, dass sie nicht mehr schließen müssen. „Wir lassen uns überraschen“, sagen sie mit Blick auf die kommenden Wochen. *fnp.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Jacqueline Kleinhans

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