Kabarettist Bene Reinisch aus Fulda war im Corona-Lockdown produktiv.
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Kabarettist Bene Reinisch aus Fulda hat im Corona-Lockdown ein neues Format entwickelt.

Neues Format

Im Corona-Lockdown zieht Kabarettist Bene Reinisch (29) aus Fulda wieder zu Hause ein

  • Anke Zimmer
    vonAnke Zimmer
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Sein Programm „Die Bürde des Menschen“ feierte im Sommer 2020 Vorpremiere in Fulda im Museumshof. Eigentlich wollte Bene Reinisch (29) damit auf den Bühnen durchstarten. Dann kam der zweite Corona-Lockdown, den er genutzt hat, wie der Kabarettist im Interview mit unserer Zeitung verrät.

Fulda - Bene Reinisch, Kabarettist aus Fulda, erzählt im Interview, was er während des Corona-Lockdowns gemacht hat und wie er seine Zukunft als Künstler sieht.

Herr Reinisch, Sie sind nach Hamburg gegangen, wurden aber zuletzt wieder in Fulda gesehen...
Ja. Ich bin vorerst wieder in der Heimat. Natürlich um meine Fixkosten zu minimieren. Es ist ein Glück, dass ich übergangsweise wieder zuhause einziehen konnte. Deswegen geht es mir entsprechend gut.
Mussten Sie dennoch Corona-Hilfen in Anspruch nehmen?
Ich habe Mittel beantragen können, November- und Dezemberhilfen wurden bewilligt, außerdem gab es ein Kulturstipendium für mich. Das hat mir natürlich alles geholfen.
Was haben Sie während des Lockdowns getan?
Die Zeit habe ich genutzt.  Denn ich konnte konzentriert an meinem Programm arbeiten. Es sieht jetzt komplett anders aus als noch im Sommer 2020. Außerdem bin ich nun bei „magenta artists“, einer großen Agentur, unter Vertrag und kann deswegen positiv in die Zukunft blicken. Darüber hinaus habe ich ein neues Format entwickelt.

Produktiv im Corona-Lockdown: Kabarettist Bene Reinisch aus Fulda mit neuem Format

Erzählen Sie!
Es heißt „Irgendwas mit Meinung“.
Was genau verbirgt sich dahinter?
Es sind Videos, etwa zweieinhalb Minuten lang, die online abrufbar sind. Darin werfe ich einen kritisch-kabarettistischen Blick auf ein aktuelles Thema. Wir haben das Format fünf Wochen lang getestet. In den Pilotfolgen ging es beispielsweise um Homeschooling, Woelki – ich bewege mich auf der politisch-gesellschaftlichen Ebene. Abrufbar sind die Clips über Facebook, Instagram, YouTube ...
Als wir im letzten Sommer miteinander sprachen, standen Sie solchen Online-Geschichten eher skeptisch gegenüber.
Das bezog sich auf Show-Formate im Internet. Da klickt man auf eine Taste, und Applaus läuft vom Band ab, oder irgendwelche Emojis tauchen auf. Das ist ähnlich wie bei Auftritten im Autokino, bei denen man vom Publikum auch nichts sieht. Das ist nichts für mich. Bei den Videos, die ich mache, bin ich nicht auf die Reaktionen der Zuschauer angewiesen. Das ist derzeit meine Möglichkeit, mich auszudrücken, meine Meinung zu sagen.

Kabarettist Bene Reinisch aus Fulda nutzt den Corona-Lockdown

Die Themen sind aber die aus Ihrem Bühnenprogramm, etwa Bildung und Kirche.
Ja, aber nicht nur, denn es geht ja vor allem um aktuelle Themen, zu denen ich „irgendwas mit Meinung“ sagen will (lacht).
Wie hätten Ihr Herbst und Winter ohne Lockdown ausgesehen? „Die Bürde des Menschen“ sollte schließlich durchstarten, oder?
Wir mussten leider alle Termine dazu absagen. Schwierig ist, dass momentan auch keine neuen Termine gemacht werden. Veranstalter sitzen momentan alle im Homeoffice und fragen sich, warum sie Termine festlegen sollen, wenn man sie dann sowieso wieder verschieben muss. Aber wie gesagt: Die Auszeit war das Beste, was mir passieren konnte. Bei den beiden Shows in Fulda im Museumshof konnte ich ja vieles antesten, was ich nun verbessert habe. Ich fühle mich inzwischen mit dem Programm wesentlich wohler und sicherer.
Die Zeit kann man aber nur dann so nutzen, wenn man finanziell nicht unter Druck gerät und etwa einen anderen Job annehmen muss.
Ich kenne genügend Künstler, die nicht den Luxus haben wie ich, wieder zuhause einziehen zu können. Denen stellen sich ganz große Probleme. Und wenn Kulturhilfen nicht ankommen, müssen sie gucken, was sie machen.

Video: Bedenken gegen Corona-Impfpass - Kritiker befürchten soziale Ausgrenzung

Sie sagten vorhin, dass Sie hingegen recht zuversichtlich in die Zukunft blicken.
Ja, vor allem wegen der Agentur, bei der ich jetzt bin. Wenn es mit Veranstaltungen wieder losgeht, wird sich mein Terminkalender wohl schnell füllen. Das zu wissen, ist Luxus. Ansonsten sehe ich alles realistisch und denke, dass es 2022 wieder weitergehen wird. Einigermaßen ...
Keine Chance in diesem Sommer für Veranstaltungen etwa Open-Air und vor einem eher kleinen Publikum?
Mit einem guten, funktionierenden Hygienekonzept sollte das natürlich machbar sein. Doch das hängt von den Corona-Zahlen ab und den Entscheidungen, die auf der politischen Ebene getroffen werden.
Was halten Sie von der theoretischen Überlegung, nur geimpfte Menschen oder Menschen mit einem aktuellen, negativen Testergebnis bei Veranstaltungen zuzulassen?
Zunächst: Ich bin Pro-Impfen. Darum an dieser Stelle ein Gruß an alle Corona-Leugner! Die Priorisierung beim Impfen ergibt zudem meiner Meinung nach Sinn. Ich finde es in dem Zusammenhang aber schwierig, wenn man bei Shows nur Geimpfte zulassen würde, einfach weil sich momentan noch nicht jeder impfen lassen kann. Das mit dem aktuellen Schnelltest könnte aber eine gute Sache sein.
Was kommt unterm Strich raus?
Krise hin oder her, und wirtschaftlich ist es natürlich schwer. Aber künstlerisch hat es mir sehr gut getan, diese Corona-Auszeit nehmen zu können. Ich konnte die Chance gut nutzen.

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