Friseursalons dürfen ab März wieder öffnen. (Symbolfoto)
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Friseursalons dürfen ab März wieder öffnen. (Symbolfoto)

Lockdown-Verlängerung

Branchen in Fulda reagieren auf Corona-Regeln: Friseure erleichtert - Gastronomen und Einzelhändler enttäuscht

Die Branchen im Kreis Fulda reagieren gemischt auf die neuen Corona-Maßnahmen. Während die Friseure erleichtert sind, macht sich bei den Gastronomen und Einzelhändlern Enttäuschung breit.

Fulda - Bis auf Schulen, Kitas und Friseursalons bleibt der Corona-Lockdown bis mindestens 7. März bestehen. Viele Lockerungen sollen nun erst ab einer Inzidenz unter 35 in Kraft treten – im Kreis Fulda wurde dieser Wert zuletzt im Oktober erreicht (Erfahren Sie hier, wo die Inzidenz im Kreis Fulda aktuell liegt). Wie reagieren Friseure und Geschäftsleute aus der Region auf die Entscheidungen? Ein Stimmungsbild:

Corona-Lockdown wieder verlängert: In Fulda sind nur die Friseure erleichtert

Manfred Hohmann, Inhaber von HairSzenario in Hilders: „Wir sind froh und dankbar, dass wir wieder öffnen dürfen. Wir setzen gerade die Verordnungen der Berufsgenossenschaft um. So müssen wir die Terminvergabe sehr stark entzerren, um die Zehn-Quadratmeter-Regel einzuhalten, die pro Person gilt, also die Mitarbeiter einschließt. Die Folge ist, dass wir die Öffnungszeiten verlängern, den Ruhetag streichen und in Schichten arbeiten, um möglichst jeden Terminwunsch entgegennehmen zu können. Wir werden uns strikt an das Corona-Hygienekonzept halten. Da dies bei Schwarzarbeit nicht so sein dürfte, denke ich, dass die Friseursalons nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung sind.“ Manfred Hohmann hatte sich mit dem Coronavirus infiziert und sich über Leugner aufgeregt.

Timo Zimmermann, Vorstandssprecher der Friseur-Innung Fulda: „Wir alle sind erleichtert, dass wir unsere Arbeit endlich wieder aufnehmen können. Wir sind froh, dass uns die Politik damit eine Perspektive aufzeigt und wir eine der ersten Branchen sind, die wieder starten darf. Nachweislich hat es von Oktober bis Dezember 2020 in Hessen keinen einzigen Corona-Fall gegeben, der seinen Ursprung in einem Friseursalon hatte. Wir arbeiten in einem absolut sicheren Umfeld und leisten damit einen Beitrag zur Pandemiebekämpfung.“

Katja Bode, Inhaberin des Salon Ambiente in Schlitz (Vogelsbergkreis): „Wir sind erleichtert, dass es weitergeht. Natürlich hatten wir auf den 15. Februar gehofft. Allerdings bleibt uns jetzt Zeit, um alles gut vorzubereiten und die Kunden, die im Corona-Lockdown einen Termin hatten, anzurufen, um neue Termine zu vereinbaren. Meine Mitarbeiter sind hoch motiviert und auch bereit, freiwillig Mehrarbeit zu leisten. Trotzdem werden wir nicht alle Terminwünsche in der ersten Woche erfüllen können.“

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Steffen Ackermann, Vorsitzender des Dehoga Fulda Stadt und Landkreis: „Die Stimmung im Hotel- und Gastgewerbe ist enorm schlecht. Ich habe damit gerechnet, dass vor Ostern nicht viel passieren wird. Es ist aber sehr enttäuschend, dass unsere Branche bei den Beratungen nur eine Randnotiz ist“, sagt der 40-Jährige. Ihm fehle dabei die Wertschätzung. „Es entsteht der Eindruck, dass man uns vernachlässigen kann. Es fällt einem zunehmend schwer, sich zu motivierten, weil wir keine Öffnungsperspektive haben. All die Betriebe in der Eventbranche, im Catering oder der Getränke-orientierten Gastro, die teilweise seit März geschlossen haben, haben nichts zu tun.“

Josef Wirth, Inhaber des Geschäftes Möbel Wirth in Hünfeld: „Ich habe anhand der Zahlen aus den Vorjahren ausgerechnet, wie hoch der Umsatzausfall ist. Wir liegen bei einem Verlust von deutlich mehr als einer Million Euro. Ich weiß nicht, wie ich da entschädigt werde“, sagt Wirth. Er habe ein Corona-Hygienekonzept. Bei einer Verkaufsfläche von 3500 Quadratmetern hätten die Kunden viel Platz. „Die Maßnahmen sind in unserem Fall völlig ungerechtfertigt. Außerdem kann ich nicht nachvollziehen, warum plötzlich eine Inzidenz von 35 gilt. Wenn es dabei um die Kapazitäten zur Rückverfolgung geht, da könnte auch die Bundeswehr mit eingreifen“, sagt der 66-Jährige.

Reginald Bukel, Vorsitzender des City-Marketings Fulda: „Es ist eine bittere Pille, die wir zu schlucken bekommen haben. Außer bei den Friseuren ändert sich nichts“, betont der 47-Jährige. Der einzige Lichtblick sei, dass es nun nach Wochen möglich sei, die Überbrückungshilfe 3 zu beantragen. „Auch wurde ein Weg aufgezeigt, dass die Geschäfte ab einem Inzidenzwert von 35 öffnen können. Ich habe nie damit gerechnet, dass bereits bei einem Wert von 50 Öffnungen beschlossen werden.“

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