Die Corona-Pandemie hat 2020 für die Autohändler zu einem schwierigen Jahr gemacht.
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Die Corona-Pandemie hat 2020 für die Autohändler zu einem schwierigen Jahr gemacht.

Nachfrage nach E-Autos steigt

Trotz Corona- und Lockdown-Ärger: Autohäuser in Fulda und Hünfeld sind nicht unzufrieden

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Es war ein schwieriges Jahr für den Autohandel. Die Schließung der Verkaufsräume kurz vor Ende der Zeit mit abgesenkter Mehrwertsteuer brachte zusätzlichen Ärger. Dennoch sind die osthessischen Händler nicht unzufrieden.

Kreis Fulda - Zunächst war es ein Schock: Viele Kunden wollen ihr bestelltes Neufahrzeug bis Silvester übergeben bekommen, um von der Senkung der Umsatzsteuer um drei Prozentpunkte zu profitieren. Doch dann verordnete das Land eine Schließung aller Autohäuser für die letzten zwei Wochen des Jahres.

Die osthessischen Händler reagierten schnell – und einheitlich: „Die Übergabe von Fahrzeugen ist weiter erlaubt, auch wenn es jetzt ein nüchterner, kurzer Vorgang sein muss“, sagt Kreishandwerksmeister Thorsten Krämer (52), Inhaber von Mazda-Krämer in Fulda.

Die Beratung der Kunden erfolge jetzt am Telefon und im Internet. „So kann man in jedem Autohaus jetzt ein Auto kaufen, auch wenn die Türen geschlossen sind.“ Wichtig sei, dass die Zulassungsstellen offen blieben. Krämer stellt heraus, dass auch die Werkstätten offen bleiben. „Dass in Thüringen Autohäuser komplett offen bleiben dürfen, ist allerdings ärgerlich“, sagt er.

Trotz Corona- und Lockdown-Ärger sind Autohäuser in Fulda und Hünfeld nicht unzufrieden

Aufs Jahr gesehen ging der Autoabsatz bundesweit stark zurück – um 20 Prozent im Vergleich zu 2019. Die Zahlen im Landkreis sind etwas günstiger: Hier schrumpfte der Absatz um nur 15 Prozent. Der Gebrauchtwagenmarkt war sogar relativ stabil. „Alle Kollegen haben noch Fahrzeuge auf dem Hof stehen“, sagt Krämer. „Die Mehrwertsteuersenkung hat allerdings ein bisschen was gebracht. Der Verkauf von E-Fahrzeugen erlebte einen regelrechten Schub.“

Dass die Kaufprämie von 9000 Euro für ein Elektrofahrzeug viel bewegt hat, das merken alle Händler – auch Peter N. Enders (38), Geschäftsführer des BMW-Autohauses Krah + Enders in Fulda. „Die Prämie und die günstige Besteuerung von Dienstwagen waren für viele Kunden gute Argumente. Mit dem Absatz sind wir zufrieden, aber es wird nicht allein mit Elektro gehen“, sagt Enders. Der Mehrwertsteuer-Effekt sei schwer zu messen, aber: „In Corona-Zeiten hat er vielen Kunden die Entscheidung zum Kauf erleichtert.“ Insgesamt sieht Enders ohne Groll zurück: „April und Mai brachten einen heftigen Einbruch, aber aufs Jahr gesehen sind wir mit einem blauen Auge davon gekommen. Wir sind zufrieden.“

„Wir haben schon Anfang Dezember sehr früh mächtig Gas gegeben, um die bestellten Fahrzeuge auszuliefern. Deshalb trifft uns die Schließung jetzt nicht so hart“, berichtet Helmut Sorg (79), Inhaber von Ford Sorg in Fulda. Sein Autohaus habe die Effekte der Mehrwertsteuersenkung gespürt: „Für den einen oder anderen Kunden war es eine Motivation, jetzt zuzuschlagen.“ Sorg bilanziert: „Wir haben in diesem Jahr unsere Ziele nicht erreicht. Aber unter den schwierigen Bedingungen, unter denen wir arbeiten mussten, haben wir einen guten Job gemacht. Es gab nur vier Wochen Kurzarbeit. Das zeigt, wie gut wir uns geschlagen haben.“

Elektro-Auto-Prämie und Mehrwertsteuersenkung federn Schäden ab

Auch Benjamin Scheller (36), Geschäftsführer des Autohauses Scheller in Fulda, blickt zufrieden zurück: „Die Situation jetzt ist für alle schwierig. Wir haben in diesem Jahr deutliche Einschnitte verbucht. Aber manche Branche hat es noch härter getroffen.“ Die E-Mobilität habe sich viel besser als erwartet entwickelt. „Die Prämie war für viele ein Anreiz, sich ein Elektro-Auto anzusehen. Fast jeder Kunde, der ein Elektro-Auto erlebt hat, ist danach begeistert.“ 

Den Mehrwertsteuer-Effekt habe er vor allem seit Anfang Dezember gespürt: „Gerade in den vergangenen 14 Tagen haben viele Kunden gesagt, dass sie richtig Geld sparen, wenn sie das Auto jetzt kaufen. Ob dieser Umsatz im Januar fehlt, das wird man sehen“, sagt Scheller.

Von einem Schub bei der Elektro-Mobilität berichtet Niclas Deisenroth (31), Geschäftsführer des Autohauses Deisenroth in Hünfeld: „Wir haben eine Elektroquote von maximal 20 Prozent erwartet. Jetzt ist jeder vierte Neuwagen ein Elektro- oder Hybridfahrzeug.“ Die Steuersenkung habe das Autohaus kaum gespürt, weil 80 Prozent der verkauften Neuwagen Firmen- oder Leasingfahrzeuge waren, bei denen die Umsatzsteuer keinen Effekt hat. „Bei den Gebrauchtwagen haben wir schon im Frühjahr einen Boom erlebt. Insgesamt sind wir zufrieden – auch im Vergleich zu anderen Branchen.“

Video: Kfz-Steuer und Kaufprämien - Das ändert sich 2021 für Autofahrer

Der einzige große Hersteller, der bundesweit und in Osthessen steigende Absätze gegenüber 2019 meldet, ist Mercedes. „Ja, es lief gut. Wir haben die richtigen Produkte zur richtigen Zeit mit dem richtigen Service. Unsere Produkte treffen den Zeitgeist – gerade bei der Elektromobilität“, sagt Lars Busse (51), Centermanager bei Mercedes Kunzmann in Fulda.

Die Corona-Pandemie und die Kaufprämien hätten der Elektromobilität einen Schub gegeben. „Elektro- und Hybridfahrzeuge werden uns förmlich aus der Hand gerissen. Die sechs Ladesäulen auf dem Gelände waren bisher kaum genutzt. Seit Sommer gibt es ein Gedränge darum. Ich fürchte, dass auch in der Region die Ladesäulen schon bald nicht mehr reichen werden.“

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