Auf dem Buttermarkt in Fulda waren noch einige Personen am Samstagabend unterwegs.
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Am Samstagabend hatten die Leute in Fulda noch einmal die Möglichkeit in Bars und Kneipen zu gehen.

Straßen teilweise verwaist

Letztes Wochenende vor Corona-Lockdown: Was war im Nachtleben in Fuldas Innenstadt los?

  • vonMarius Scherf
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Am letzten Samstagabend vor dem Lockdown machten sich die Fuldaer schick. Die Bars und Restaurants waren gut besucht. Einmal noch ausgehen, doch der Beigeschmack war bitter. Richtig Stimmung mochte nicht mehr aufkommen, stellte Marius Scherf fest.

Fulda - Giovanni Mattera vom Bondi schlägt das Reservierungsbuch auf – die Seite für diesen Abend ist dicht beschrieben. Der Italiener in der Friedrichstraße in Fulda ist ausgebucht. Die Spezialitätenkarte lockt mit Fisch – frisch angeliefert. „Die Gäste möchten wohl noch einmal den Abend genießen“, sagt Mattera. Teller um Teller mit hübsch angerichteten Gerichten verlässt die Küche. Der Rotwein und das Kerzenlicht lockern die Atmosphäre. Lachen und Tuscheln und gedämpfte Musik.

Es ist der letzte Tag eines langen und verregneten Oktobers. Am Nachmittag hat die Sonne geschienen. Hinter den Glasscheiben der Restaurants sind in den frühen Abendstunden nur volle Tische zu sehen – so auch im Mediterran Delikate am Gemüsemarkt in Fulda. Inhaber Gürkan Caliskan: „Alleine heute Abend musste ich schon 20 Leute abweisen, weil auch wir ausgebucht sind.“ Über seine Gäste sagt er: „Es herrscht Abschiedsstimmung.“

Vor dem Corona-Lockdown: In Fuldas Restaurants, Bars und Kneipen ist einiges los

Draußen schlendern auffällig viele ältere Menschen durch die Straßen. „Natürlich genießen wir unseren Abend, noch dürfen wir das ja“, sagt eine elegant angezogene Frau.

Im „Bermudadreick”, Fuldas Kneipenhotspot, lässt sich um diese Jahreszeit eigentlich keine große Außengastronomie mehr finden, das Leben spielt sich in den Bars ab. Doch das Getümmel vor der Barock Bar überrascht und stellt an diesem Abend eine der Ausnahmen dar. Hier herrscht auch draußen voller Betrieb. Das Publikum ist jung, einige sind geschminkt – es ist Halloween und passenderweise Vollmond. Eine gute Nacht, um feiern zu gehen?

Die Gäste bleiben unter sich - Vor dem Corona-Lockdown noch einmal entspannt ausgehen

Sarah Pfeffer studiert im ersten Semester an der Hochschule Fulda. Ihren Start hat sie sich anders vorgestellt. Normalerweise findet zu Semesterbeginn in der Barockstadt eine große Kneipentour statt. Doch die musste wegen Corona ausfallen. Letzte Woche habe man sich mit ein paar Leuten getroffen und sich über die Tische zugerufen. Stimmung sei keine aufgekommen. Heute ist sie mit einer Freundin unterwegs. Ein, zwei Drinks, entspanntes Beisammensein. „Ich bin erstaunt, wie viel hier heute los ist,“ sagt sie.

Am Tisch nebenan sitzen zwei Mädchen. „Wir wollten uns sowieso heute treffen“, sagt eine der beiden. Groß gefeiert werde heute nicht mehr. Die Gäste scheinen eher, wie bereits in den vollen Restaurants, noch einmal ausgehen zu wollen vor dem Corona-Lockdown – ganz entspannt. Man bleibt unter sich.

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Bedienung hat vor dem Corona-Lockdown alle Hände voll zu tun und kommt sich „vor wie die Security“

Eine der Bedienungen hat dennoch alle Hände voll zu tun, die Gäste zu ermahnen, sich an die Abstandsregeln zu halten. „Ich komme mir vor wie die Security“, sagt sie. Von den offiziellen Gesetzeshütern ist an diesem Abend wenig zu sehen – nicht einen Ordnungspolizisten trifft man auf den Straßen. Kontrollen hat es am Tag zuvor gegeben, etwa im Markt2. „Die liefen aber ohne besondere Vorkommnisse“, sagt Barmann Dominik Meissner. In der Bar, in der eher ein älteres Publikum verkehre, sei es aber auch logisch, dass man sich an die Regeln halte, meint er.

Am Buttermarkt hatte man sich vor der Heimat getroffen. Ansonsten schien die Stadt verwaist zu sein.

Zurück ins „Bermudadreieck“. „Wodka Soda“ ruft einer Yannik Rauer, der im Goldenen Rad in Fulda bedient, hinterher. Er wirkt gestresst. „Gestern war bei uns gar nichts los und heute sind sogar die paar Tische, die wir draußen aufgestellt haben, besetzt.“ Es ist 21 Uhr. Noch zwei Stunden dürfen die Kneipen Alkohol ausschenken. Viele der Besucher wirken schon sehr angetrunken. „Klar, die fangen auch früher an“, sagt Rauer.

DJ Daniel Kraus wünscht zum Abschied einen „frohen Lockdown“

Ruhiger geht es in der Windmühle nebenan zu. Musik ist kaum zu hören, die Leute tuscheln. Doch auch hier seien momentan alle Plätze belegt, sagt die Barkeeperin. Kein Einlass. Dennoch sei nichts los, findet sie. „Normalerweise stehen die Leute Schlange und warten auf einen Platz.“ Vor der Kultkneipe sitzt ein Pärchen und genießt ein letztes Bier, eine Zigarre liegt auf dem Tisch. „Wir wollen mit unserem Besuch die Gastroszene unterstützen“, sagt Ursula Fehrenbach.

Zwischen „Bermudadreieck“ und Buttermarkt, wo sonst so viele Feierwütige in Fulda hin und her wandern, herrscht Stille, vor dem Dönerladen auf halber Strecke, ein beliebter Treffpunkt, wenn der Heißhunger sich ankündigt, ist niemand zu sehen.

„Der Tenor ist nach dem Motto: bis in vier Wochen“, findet Daniel Kraus, Stamm-DJ im Löwen. Er sitzt mit Freunden vor der Kneipe, drinnen ist wenig los. Die meisten Besucher haben sich in der letzten Stunde vor 23 Uhr schon verabschiedet. „Viele Wirte werden pleite gehen“, glaubt Kraus, und ob die Bars im Dezember öffnen dürfen, bezweifelt er. Der Winter werde deprimierend. Einen „frohen Lockdown“ wünscht er noch. Fast wie zu Weihnachten klingt das, wenn es nur nicht so fatalistisch wäre.

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