Übersetzung von Welterfolg

Online-Lesung im Corona-Lockdown (6): Eberhardt Lauer liest „Der kleine Prinz“ in Rhöner Mundart

„Der kleine Prinz“ ist für viele Menschen eine Art Lebensbegleiter. Auch für Eberhardt Lauer. Der ehemalige Bürgermeister von Hofbieber hat den Text von Antoine de Saint-Exupéry in Rhöner Mundart übersetzt und präsentiert „Es klei Prinzee“ in unserer neuen Online-Lesung.  

Fulda/Hofbieber - Was bedeutet der weltberühmte Text für Übersetzer Eberhardt Lauer? Und wieso gibt es für ihn nichts, was sich nicht in Rhöner Mundart übertragen läßt? „Es gibt immer Möglichkeiten, etwas zu umschreiben“, erklärt Eberhardt Lauer. Fasziniert hätten ihn aber immer schon die Weisheiten dieses kleinen Buches.

Online-Lesung im Corona-Lockdown (6): Eberhardt Lauer liest „Der kleine Prinz“ in Rhöner Mundart

Lauer bezeichnet es als Glück, dass er den Prinzen nun in „seinen“ Dialekt habe übersetzen dürfen. „Bitte … zeichne mir ein Schaf“ oder eben „Sei so good ... zeicher mei e Schoaf“: Mit diesem Satz beginnt nicht nur die Freundschaft zwischen einem notgelandeten Flieger und dem kleinen Prinzen. Damit beginnt auch diese märchenhafte Geschichte des gleichnamigen Buches von Antoine de Saint-Exupéry, das zu einem Welterfolg geworden ist.

Eberhardt Lauer bei der Online-Lesung. Er hat den „Kleinen Prinzen“ übersetzt.

Mit 200 Millionen verkauften Exemplaren ist es das bekannteste, meist übersetzte und meist gelesene Werk der französischen Literatur. Auch die bei Parzellers erschienene Übersetzung in den Rhöner Dialekt verkauft sich wie geschnitten Brot. Keine Frage: Es ist ein literarisches Phänomen. 

Teile der Maschine wurden erst viele Jahre später im Meer in der Nähe der Île de Riou südlich von Marseille entdeckt. Ein Phänomen nennt der französische Verlag Gallimard die Geschichte des Buches. Bei Gallimard war es Anfang April vor 75 Jahren erschienen. Wie das Traditionshaus auf seiner Homepage schreibt, waren schon kurze Zeit später, Ende Juni, die rund 10.000 Exemplare der ersten Auflage verkauft.

Hintergrund: Service

Das Buch ist im Verlag Parzellers erschienen und kostet 8,90 Euro. 

Das Erfolgsbuch des Autors und Piloten Antoine de Saint-Exupéry ist in Frankreich erstmals am 6. April 1946 erschienen. Die märchenhafte Geschichte des blonden Winzlings war das letzte Werk von Saint-Exupéry. Knapp zwei Jahre vor dem Erscheinen des Buches war er am 31. Juli 1944 im Alter von 44 Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen.

Bis 1958 seien 19 Nachdrucke der Taschenbuchversion erschienen, heißt es weiter. Ab 1980 sei das Kultbuch für Kinder dann zum Lieblingsbuch einer ganzen Nation geworden. Heute hat Gallimard den Titel als Märchen für Erwachsene, als Jugendbuch, in gebundener Form, als Taschenbuch oder als CD im Programm.

Eberhardt Lauer bei der Online-Lesung. Er hat den „Kleinen Prinzen“ übersetzt.

Für den Verleger Marc Wiltz war das Buch nie wirklich ein Kindermärchen. „Saint-Exupéry hat vielmehr eine Geschichte in Erinnerung an die Kindheit geschrieben“, sagte er in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur in Paris. Für den Autor ist der „Kleine Prinz“ ein Gleichnis, das vom menschlichen Leben handelt. 

„Der kleine Prinz“: Berühmt auch wegen der Zeichnungen von Antoine de Saint-Exupéry

Berühmt wurde das Buch aber auch wegen seiner kindlichen Zeichnungen, die vom Autor selbst stammen. Sie sind übrigens auch im „Klei Prinzee“ zu sehen. Die Idee soll aus einer Nahtod-Erfahrung heraus entstanden sein. Saint-Exupéry musste 1935 in der Wüste Sahara notlanden.

Mehrere Tage vergingen, bis ihn Beduinen retteten. Er fühlte sich „vill verlossener als be enn Schriffbrüchiche off emm Flooß medde in daäm grosse Ozean“, wie er in dem Erfolgsbuch – natürlich auf Französisch – schreibt, als er plötzlich eine kleine Stimme hörte, die zu ihm sagte: „Sei so good ... zeicher mei e Schoaf“.

Eberhardt Lauer folgt damit auf Tim Boltz, Franz Habersack, Nicola Foerg, Paul Grote und Cora Stephan. Deren Online-Lesungen sind nach wie vor abrufbar. (az)

Rubriklistenbild: © Felix Weigl

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema