Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uniklinik in Bonn, spricht während einer Pressekonferenz der Landesregierung.
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Hendrik Streeck forscht an der Uniklinik Bonn.

Kollegen distanzieren sich

Nach Corona-Lockdown-Kritik: Mediziner Hendrik Streeck gerät zwischen die Fronten

Der Mediziner von der Uniklinik Bonn Hendrik Streeck ist zwischen die Corona-Fronten geraten. Nachdem er den Lockdown kritisierte, distanzieren sich andere Virologen von Streecks Thesen.

Berlin/Bonn - Von verschiedenen Seiten kocht Kritik an den Beschränkungen in Deutschland wegen der Corona-Pandemie hoch. Zuletzt hatten sich auch Experten gegen den erneuten Lockdown ausgesprochen. Die Virologen Hendrik Streeck, der sich im Bezug auf Covid-19 Fehler eingesteht, und Jonas Schmidt-Chanasit haben an einem Positionspapier der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mitgewirkt.

Dieses Positionspapier, das Hendrik Streeck und Jonas Schmidt-Chansit in der vergangenen Woche vorgestellt hatten, spricht sich unter anderem gegen einen pauschalen Corona-Lockdown aus. Stattdessen müsse man die Risikogruppen gezielter schützen, heißt es darin.

Corona: Gesellschaft für Virologie distanziert sich von Hendrik Streecks Thesen

Einige Mediziner-Verbände, die zunächst als Unterstützer aufgeführt wurden, distanzierten sich von den Corona-Thesen des Papiers. Die Gesellschaft für Virologie (GfV) kritisiert, dass in dem Positionspapier der Anschein erweckt werde, es handle sich um die gesammelte Meinung von Wissenschaftlern und Ärzten. Dies gelte für die Mehrzahl der Virologinnen und Virologen „ganz sicher nicht“. 

Die GfV schreibt in einer aktuellen Stellungnahme, dass sie die derzeit geltenden Corona-Maßnahmen in Deutschland für „erforderlich und notwendig“ hält. Unterzeichnet haben sie eine Vielzahl von Virologinnen und Virologen, darunter Christian Drosten von der Berliner Charité.

Video: Corona-Welle mit „brutaler Gewalt“ - Virologe Christian Drosten erläutert Worst-Case-Scenario

„Wir distanzieren uns von der Art und Weise, wie verschiedene Vorschläge zur Eindämmung der Corona-Pandemie vorgebracht werden und auch von einigen Inhalten“, so die GfV. Die Darstellung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung wird explizit in der Stellungnahme erwähnt.

Auch der Vorsitzende des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery, wertet Kritik an den aktuellen Corona-Maßnahmen als Meinung einer Minderheit: Da seien ein paar Leute vorgeprescht und hätten ein Papier produziert, „das viele Fragen stellt, aber alle Antworten offenlässt“, sagte Montgomery kürzlich im Deutschlandfunk.

Corona-Maßnahmen: Streeck sieht sich als „Brückenbauer“ zwischen Befürwortern und Kritikern

Hendrik Streeck, der Corona-Verschwörungstheorien den Kampf angesagt hat, sieht sich als „Brückenbauer“ zwischen Befürwortern und Kritikern der Corona-Beschränkungen: „Ich habe immer gesagt, dass es sich um ein ernstzunehmendes Virus handelt“, sagte der Virologe der Rhein-Zeitung. „Wir sollten es aber auch nicht überdramatisieren.“

Einen Ausweg aus wiederkehrenden Lockdowns sieht Hendrik Streeck weiterhin im Schutz von Corona-Risikogruppen. „Wenn wir den jetzigen Lockdown nutzen, um den Schutz von Risikogruppen als höchste Priorität zu definieren, und mit Maßnahmen hinterlegen und keine Probleme mehr mit einer möglichen Überlastung von Intensivstationen haben, brauchen wir keine solchen drastischen Maßnahmen mehr.“ (lio, dpa)

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