Zwei Frauen sehen sich ein Kleid an.
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Freude im Modehaus Schneider: Die Kunden und Kundinnen sind wieder in die Innenstadt zurückgekehrt.

Touristen im Kreis Fulda fehlen

Handel schöpft nach Corona-Lockdown Hoffnung - aber Rabattaktionen tun dennoch weh

  • Sabrina Mehler
    VonSabrina Mehler
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In den Innenstädten im Kreis Fulda ist das Leben nach langem Lockdown zurückgekehrt. Die Einzelhändler blicken mit vorsichtigem Optimismus in die Zukunft. Doch ganz ohne Sorge sind sie nicht: Noch immer fehlen die Touristen, und die Inzidenz steigt auch schon wieder an. 

Fulda - Die strengen Corona-Einschränkungen mitsamt Testpflicht und Begrenzung der Kundenzahl in den Läden sind weggefallen, die Inzidenz im Kreis Fulda ist niedrig und das Wetter schön: Nach dem Ende des Lockdowns sind die Einkaufsstraßen wieder gefüllt. Die Rückkehr der Menschen in die Innenstädte macht sich auch im stationären Einzelhandel bemerkbar.

„Seit Juli geht es steil bergauf. Es floriert im Kleidersegment“, sagt Marlies Piechotka von Crea Time in der Friedrichstraße in Fulda, die während der Pandemie mit Aktionen wie schwarz verhängten Schaufenstern auf das Leid der Händler aufmerksam gemacht hatte. Nun schöpft sie wieder Hoffnung. „Denn wer jetzt verreist, der möchte vorher neue Sommerkleider kaufen.“

Fulda: Nach Corona-Lockdown sind Innenstädte gefüllt - Handel schöpft Hoffnung

Hinzu komme die Öffnung der Gaststätten, durch die die Innenstadt aufblühe. Nach den neuen Corona-Regeln in Hessen, entfällt jetzt sogar die Testpflicht in der Innengastronomie. „Und meine Kunden sind begeistert, dass sie endlich wieder unter Menschen sein können“, berichtet Piechotka, die die Vorteile eines Geschäftes vor Ort gegenüber dem Internethandel hervorhebt: „Im Laden gibt es eine Einheit von sehen, fühlen und anziehen. Online geht das nicht.“

Doch auch Piechotka plagen Sorgen, nachdem ihr Geschäft sich im Frühjahr „in einem tiefen Loch“ befunden habe. „Ich traue dem Ganzen noch nicht“, sagt die Geschäftsfrau und erinnert an die Delta-Variante des Virus. Sollte ein weiterer Corona-Lockdown notwendig werden, dann werde sie nicht so weiter machen können wie bisher: „Dann müsste ich mich verkleinern.“ Mit den Bestellungen für die neue Saison habe sie sich deshalb zurückgehalten. Viele Waren, die aus der Frühjahrssaison liegen geblieben sind, habe sie jetzt in Kartons verpackt und an die Entwicklungsorganisation Oxfam gespendet.

Nach Corona-Lockdown im Kreis Fulda: Handel erholt sich - Kunden kehren zurück

Eine Erholung des Handels beobachtet auch Josef Wirth vom gleichnamigen Möbelhaus in Hünfeld: „Die vergangenen Wochen waren richtig gut.“ Nachdem die Inzidenz in Fulda im Mai an fünf aufeinanderfolgenden Werktagen unter 50 lag, war Click & Meet wieder möglich. Auch in Hünfeld seien Terminkunden gekommen, die rein nach Bedarf gekauft hätten. Jetzt würden sich die Menschen wieder umschauen, informieren und beraten lassen.

Wirth hofft, dass sich die Umsätze auf dem Niveau von 2019 einpendeln werden. Dass die Geschäfte im Herbst noch einmal schließen könnten, glaubt er nicht. „Wenn die Leute ein bisschen Eigenverantwortung zeigen – und das tun sie in unserer Region –, dann wird das nicht notwendig sein.“ (Lesen Sie hier: Stadt und City-Marketing wollen Hünfelder Innenstadt beleben: Das sind die Ideen)

Video: Neustart in Gastronomie und Handel läuft noch verhalten

„Die Kunden sind zurück, und auch die Zahl der Touristen steigt wieder“, sagt Cordula Bollbuck, Geschäftsleiterin im Modehaus Schneider, erfreut. Doch wie in Vor-Corona-Zeiten sei es nicht: „Wir verzeichnen eine fehlende Frequenz im zweistelligen Prozentbereich im Vergleich zum Jahr vor der Pandemie. Das ist viel.“ Deshalb gibt es zurzeit eine Rabattaktion für die Sommerware – um in den Lagern Platz für die Herbst- und Winterkleidung zu schaffen. Die Preisnachlässe seien schön für die Kunden, „aber uns tun sie weh“.

Momentan bemerkt Bollbuck ein verändertes Kaufverhalten: Statt nur Ohrringen und einem Oberteil für die Videokonferenz im Home Office kleiden sich die Kunden wieder komplett ein. Und weil wieder geheiratet wird, ist der Bedarf nach schicker Kleidung groß. Doch auch sie sagt: „Wenn ich mir die Zahlen der Menschen anschaue, die noch nicht geimpft sind, erfüllt mich das mit Sorge.“

Fulda: Steigende Infektionszahlen nach Sommerurlaub? Händler bleiben skeptisch

Sie befürchtet steigende Infektionszahlen, wenn die Fuldaer aus dem Urlaub zurückkehren und hat deshalb – auch zum Schutz der Beschäftigten – zwei Wünsche: „Wir freuen uns, wenn sich immer mehr geimpfte Kunden ins Shopping-Getümmel stürzen. Und ich wünsche mir ein Konzept von Stadt und Landkreis für den Fall steigender Inzidenz.“

„Relativ zufrieden“ zeigt sich Torsten Rützel, Geschäftsleiter bei Herrenmode Köhler in Fulda: „Wir haben uns den Umständen entsprechend gut erholt.“ Die Frequenz sei zufriedenstellend, „aber es könnte noch einen Tick besser sein, wenn wir mehr Touristen hätten.“ Doch Großveranstaltungen wie der Musicalsommer fielen diesmal aus. Bei seinen Kunden beobachtet er, dass sie es genießen, wieder vor Ort einkaufen gehen zu können – und nicht per Klick im Internet. „Unsere Kunden möchten die Waren sehen, anfassen und ein echtes Einkaufserlebnis haben.“

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