Angela Merkel und Michael Müller erleben einen langen Gipfel-Abend im Kanzleramt.
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Angela Merkel und Michael Müller erleben einen langen Gipfel-Abend im Kanzleramt.

Bund und Länder beschließen

Corona-Lockdown: Maßnahmen über Dezember verlängert - Lockerungen erst an Weihnachten

  • Volker Nies
    vonVolker Nies
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Welche Regelungen werden an Weihnachten und Silvester im Jahr der Corona-Pandemie gelten? Darüber haben Bund und Länder am Mittwoch ausführlich beraten.

+++ 20.48 Uhr: Die strengen Corona-Kontakbeschränkungen sollen über Weihnachten gelockert werden. Nach den Angaben aus Länderkreisen sollen vom 23. Dezember an Treffen im engsten Familien- oder Freundeskreis möglich sein. Dabei dürfen sich maximal zehn Personen treffen. Kinder bis 14 Jahre sollen hiervon ausgenommen sein. Diese Ausnahmeregelung sollen längstens bis zum 1. Januar gelten.

Auch über das Silvester-Feuerwerk haben Bund und Länder gesprochen: Um Gruppenbildungen zu vermeiden, soll die Verwendung von Pyrotechnik auf belebten Plätzen und Straßen untersagt werden. Es wird zwar empfohlen, auf Böllerei zu verzichten, ein Verbot gibt es allerdings nicht.

Bund und Länder beschließen Corona-Maßnahmen: Das gilt an Weihnachten und Silvester

Das Thema Schulen war ebenfalls Teil der Beratungen. Es gab Vorschläge zum Beginn der Weihnachtsferien und zur Ausweitung der Maskenpflicht. Einen Beschluss gab es am Mittwoch allerdings nicht.

Bereits seit Anfang November sind Gastronomie, Freizeit- und Kultureinrichtungen geschlossen. Die Novemberhilfen für vom Teil-Lockdown betroffene Firmen sollen im Dezember fortgeführt werden. Unklar ist, ob Restaurants und Hotels über die Feiertage und über den Jahreswechsel wieder öffnen dürfen.

Der Groß- und Einzelhandel bleiben weiterhin geöffnet. Es wird aber strengere Auflagen für größere Geschäfte geben. In Geschäften mit einer Verkaufsfläche von bis zu 800 Quadratmetern soll sich höchstens eine Person pro 10 Quadratmetern Verkaufsfläche befinden. In größeren Geschäften mit einer Verkaufsfläche ab 801 Quadratmetern insgesamt wie Kaufhäusern ist folgendes geplant: Bis zu einer Fläche von 800 Quadratmetern soll sich höchstens eine Person pro 10 Quadratmetern befinden - auf der 800 Quadratmeter übersteigenden Fläche höchstens eine Person pro 20 Quadratmetern.

Zudem soll die Maskenpflicht im Groß- und Einzelhandel erweitert werden. Sie soll künftig vor Einzelhandelgeschäften und auf Parkplätzen gelten.

Osthessens Landkreise lehnen weitere Corona-Maßnahmen ab

25. November, 12.56 Uhr: Region - In kurzen Interviews äußern sich führende Vertreter des Kreises Fulda, des Main-Kinzig-Kreises und des Vogelsbergs zum Thema Corona-Maßnahmen. Sie erklären auch, was sie sich von den Bund-Länder-Beratungen am Mittwoch erhoffen.

Hat Ihr Gesundheitsamt die Nachverfolgung noch im Griff?
Fuldas Landrat Bernd Woide und Vize-Landrat Frederik Schmitt: Die Aufgabe ist noch kraftraubender geworden. Seit Frühjahr arbeiten wir dort sieben Tage die Woche. Seit Oktober haben wir das Corona-Team verdoppelt auf jetzt 130 Mitarbeiter, davon 80 im Kontaktpersonen-Management. Ende September waren 340 Personen in Quarantäne, Ende Oktober waren es 530. Derzeit sind 782 positiv getestete Personen plus ihre Angehörigen in Quarantäne.
Pressesprecher Main-Kinzig-Kreis John K. Mewes: Ja, die Nachverfolgung jedes Einzelfalls ist noch möglich. Derzeit sind 123 Mitarbeiter in der Nachverfolgung eingesetzt. Vor einem Monat waren es 88. In der vergangenen Woche haben wir 513 Kontaktpersonen dokumentiert, Mitte Oktober waren es 912 Personen pro Woche.
Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Vize-Landrat Dr. Jens Mischak: Aktuell ja. Wir setzen zusätzliche Mitarbeiter ein: Neben abgeordneten Landes- und Bundesbediensteten haben wir weitere Mitarbeiter eingestellt und Bedienstete aus anderen Fachämtern einbezogen. Derzeit sind zwölf Personen dafür eingesetzt, vor einem Monat waren es sieben. Mitte Oktober haben wir 80 Personen pro Woche in Quarantäne geschickt, vergangene Woche waren es 339.

Einsicht in Corona-Krise wichtiger als Verbote - Osthessens Landkreise lehnen weitere Maßnahmen ab

Welche Beschlüsse erhoffen Sie heute von den Länderchefs?
Fuldas Landrat Bernd Woide und Vize-Landrat Frederik Schmitt: Die aktuellen Maßnahmen reichen, um die Steigerung der Fallzahlen abzuschwächen, nicht aber, um die Zahlen zu reduzieren. Zu lösen ist die Lage aber nicht mit strengeren Regeln. Einschränkungen mitzutragen, gelingt leichter, wenn man versteht, warum sie notwendig sind. Deswegen müssen wir erklären und für Verantwortung werben: Die Bereitschaft, sich an die Regeln zu halten, ist effektiver als schärfere Maßnahmen.
Pressesprecher Main-Kinzig-Kreis John K. Mewes: Die gestern in den Medien diskutierten Maßnahmen – insbesondere die Verlängerung des Teil-Lockdowns – halten wir für ausreichend.
Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Vize-Landrat Dr. Jens Mischak: Viele Vogelsberger Bürger halten die Abstands- und Hygieneregeln ein. Doch immer wieder führt der private Bereich zu Infektionen. Auf Dauer stoßen Verbote an ihre Grenzen. Man kann ein Land nicht dauerhaft nur mit Verboten regieren und führen. Wir brauchen die Einsicht und die Mitarbeit der Bevölkerung. Würden die schon vorhandenen Regelungen eingehalten, bräuchte man über Verschärfungen nicht zu diskutieren.

Video: Bund und Länder beschließen Corona-Kurs bis zum Jahresende

Ist Wechselunterricht für Sie eine kluge Option?
Fuldas Landrat Bernd Woide und Vize-Landrat Frederik Schmitt: Präsenzunterricht ist sehr wichtig. Das persönliche Gegenüber von Schüler und Lehrer ist für uns ein Wert an sich – gerade bei jüngeren Schülern. Ohnehin sind es ja vor allem ältere Schüler, die für Infektionen verantwortlich sind. Aber ob und wann ein Fernunterricht aus Gründen der Infektionseindämmung besser ist, ist immer eine Abwägungsfrage.
Pressesprecher Main-Kinzig-Kreis John K. Mewes: Im Main-Kinzig-Kreis gibt es den Wechselunterricht schon seit eineinhalb Wochen ab der achten Klasse. Es hat sich nichts geändert bezüglich der Quarantänemaßnahmen an Schulen. Eine kurzfristige Rückkehr zum kompletten Präsenzunterricht ist im Main-Kinzig-Kreis derzeit nicht vorgesehen.
Vogelsberger Landrat Manfred Görig und Vize-Landrat Dr. Jens Mischak: Das Infektionsgeschehen in unseren Schulen ist trotz allgemein steigender Zahlen noch überschaubar. Bleiben die Zahlen im Vogelsberg in diesem Rahmen, ist ein Wechselmodell nicht erforderlich. Der Präsenzunterricht lässt sich auch mit allen digitalen Möglichkeiten nicht 1:1 ersetzen. Es sollte deshalb möglichst lange daran festgehalten werden. Man muss aber immer die Entwicklung an der einzelnen Schule im Blick haben.

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