Ist es richtig, Schulen während des erneuten Lockdowns nicht zu schließen? (Symbolfoto)
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Ist es richtig, Schulen während des erneuten Lockdowns nicht zu schließen? (Symbolfoto)

Schulleiter aus Fulda sprechen offen

Erneuter Corona-Lockdown: Was eine erneute Schließung von Schulen und Kitas bedeuten würde

Während Restaurants, Fitnessstudios und Museen wieder schließen mussten, geht der Betrieb in Schulen und Kindergärten weiter. Gegenüber unserer Zeitung haben sich Schulleiter aus Osthessen dazu geäußert.

  • Der zweite Corona-Lockdown tritt ab Montag, 2. November in Kraft.
  • Alle Entwicklungen behalten Sie mit unseren Corona-Tickern für Hessen und Fulda im Blick.
  • Deutschlandweit bleiben die Schulen und Kindergärten offen - so auch in Fulda. Wie sich die Schulleiter der Region dazu äußern, lesen Sie im folgenden Artikel.

Reinhard Schwab - Landesvorsitzender des Hessischen Philologenverbandes 

Reinhard Schwab, Landesvorsitzender des Hessischen Philologenverbandes

„Das Offenhalten der Schulen sollte grundsätzlich erstes Ziel sein, denn der Bildungsauftrag und dessen Notwendigkeit dürfen nicht gefährdet werden“, sagt der aus Fulda kommende Schwab, der bis zum Sommer Lehrer an der Freiherr-Vom-Stein-Schule war. Gleichwohl müsse man dafür Sorge tragen, dass die Gefahrenlage für alle in der Schule Tätigen so gering wie möglich ist. Da biete sich eine Ausdünnung der großen Lerngruppen an, um „abstandskonform“ unterrichten zu können.

„Strenge Hygienemaßnahmen, generelles Maskentragen sowie ausreichendes Lüften müssen natürlich hinzukommen.“ In den Schulen habe man sich schon länger vom Normalbetrieb verabschiedet, so Schwab weiter. Der administrative Aufwand durch Corona beeinträchtige massiv das Kerngeschäft der Lehrkräfte.

Problematisch sei zudem die außerordentliche Belastung der Lehrkräfte, „die in vollem Umfang den strapazierten Präsenzunterricht, z.B. durch das Maskentragen, schultern müssen und gleichzeitig die zunehmende Zahl an häuslichen Distanzschülern, ,Quarantäneschülern‘, zu versorgen haben.“

Besonders kritisch sei es, wenn es im Bereich der digitalen Technik hapert. „Die Pandemie lehrt uns, dass das Bildungssystem für außerordentliche Situationen nicht gut gerüstet ist“, so Schwabs Bilanz.

Schulleiter äußern sich zum Corona-Lockdown: Ist es richtig, Fuldas Schulen nicht zu schließen?

André Müller - Stellvertretender Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Fulda

André Müller, Stellvertretender Schulleiter des Freiherr-vom-Stein-Gymnasiums in Fulda

„Die Erfahrungen mit dem ersten Lockdown haben gezeigt, dass die wirtschaftlichen Folgen nur dann in einem erträglichen Maß gehalten werden können, wenn die Kitas und Schulen geöffnet bleiben“, sagt Müller. Besonders für Familien mit zwei berufstätigen Elternteilen sei das enorm wichtig.

Auch wenn die überwiegende Zahl der Neuinfektionen nicht ihren Ursprung im schulischen Bereich haben, werden laut Müller zunehmend Fälle von außen in die Schulen getragen. „Vor diesem Hintergrund lassen sich Kinder und Lehrkräfte auf die Erschwernis ein, Unterricht nur noch mit Mund-Nasen-Bedeckung zu haben.“ 

Bianka Roth - Kommissarische Schulleiterin der Von-Galen-Schule in Eichenzell

Bianka Roth, Kommissarische Schulleiterin der Von-Galen-Schule in Eichenzell

„Dass die Schulen geöffnet bleiben und der Unterricht aufrechterhalten wird, ist immens wichtig. Zum einen, weil der persönliche Kontakt zu den Lehrkräften bestehen bleibt, zum anderen aber natürlich auch das soziale Miteinander unter den Schülern. Vor allem liegt nun eine klare Regelung vor, die wir umsetzen können. Beispielsweise sind wir an der Von-Galen-Schule gerade dabei, den ausfallenden Sportunterricht zu ersetzen – möglichst durch Hauptfächer.“

Steffen Flicker - Schulleiter des Fuldaer Marianums  

Steffen Flicker, Schulleiter des Fuldaer Marianums

Die Entscheidung, den Schulunterricht aufrecht zu erhalten, hält Flicker für angemessen. „Fragt man die Schülerinnen und Schüler, die Eltern und das Kollegium, so findet diese Entscheidung weitgehend Zustimmung“, sagt er. Natürlich seien manche Einschränkungen lästig, aber die Maskenpflicht an Schulen sei am Marianum kein strittiges Thema.

„Alle wissen, dass wir uns in einer besonderen Situation befinden.“ Nun seien Solidarität, Rücksichtsnahme und gegenseitiges Verständnis gefragt. Die Vermittlung dieser Werte gehöre ohnehin seit Bestehen des Marianums zum Grundkonzept der Schule.

Karsten Günder - Schulleiter der Kinzig-Schule Schlüchtern

Karsten Günder, Schulleiter der Kinzig-Schule Schlüchtern

„Unsere Kolleginnen und Kollegen sind durch die vielen zusätzlichen Anforderungen und Aufgaben an ihrem Limit“, erklärt Günder. Der Lockdown im März habe viele junge Menschen, insbesondere aus bildungsfernen und sozial schwierigen Verhältnissen, abgehängt.

„Eine erneute Schulschließung hätte gravierende Folgen, gerade für diese benachteiligte Gruppe.“ Sollte sich Schule als ein Hotspot der Pandemie zeigen, werde die Politik konsequent handeln müssen, so Günder. „Wir bereiten uns bestmöglich auf eine weitere Phase der Schulschließung vor.“ 

Markus Bente - Schulleiter des Wigbert-Gymnasiums Hünfeld 

Markus Bente, Schulleiter des Wigbert-Gymnasiums Hünfeld

„Ich finde es richtig, den Schulbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagt Bente. „Unter den gegebenen Hygiene-Auflagen“ habe man eine gute Möglichkeit, Risiken zu minimieren und Fälle zu isolieren. „Distanzunterricht hieße zwangsläufig, auch die Eltern wieder zu binden, was zu einer unangemessenen Verschärfung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Probleme führen würde.“ Darüber hinaus sei Distanzunterricht niemals vollwertiger Ersatz für den Präsenzunterricht. Die Maskenpflicht sei „eine akzeptable Lösung für eine absehbare Zeit“.

Dr. Lothar Jordan - Leiter des Bildungsunternehmens Dr. Jordan in Fulda 

Dr. Lothar Jordan, Leiter des Bildungsunternehmens Dr. Jordan in Fulda

Grundsätzlich sei die weitere Öffnung von Schulen und Kitas nicht zu beanstanden, sagt Jordan. Denn eine Funktion der Schule werde in der Krise deutlich: die Wichtigkeit des sozialen Gefüges. „Alle freuen sich auf die Schule.“ Aber: „Klar, stimmt Vieles nicht: Großveranstaltungen werden verboten, nur, die Schule ist eine Großveranstaltung“, so Jordan weiter.

„Und mit Mundschutz arbeiten ist vielleicht annehmbar, aber nicht als Schüler sechs bis acht Unterrichtsstunden.“ Die Lösung liegt für ihn im „Hybrid-Lernen mit ,Live-Stream‘. Darauf sind wir absolut vorbereitet.“

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