Schülerinnen und Schüler der vierten Klasse der Robert-Schumann-Grundschule in Wiesbaden stehen vor dem Unterricht auf dem Schulhof.
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Der Deutsche Lehrerverband Hessen sieht den geplanten Vollbetrieb an den Grundschulen ab dem 22. Juni 2020 kritisch.

Grundschul-Vollbetrieb

Kritik des Lehrerverbandes: „Es sollten zumindest Rahmenbedingungen geschaffen werden, die den Anschein von Sicherheit erwecken“

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Der Deutsche Lehrerverband Hessen (dlh) steht dem geplanten Vollbetrieb an hessischen Grundschulen ab dem 22. Juni 2020 kritisch gegenüber. Der dlh, auch Vize-Landesvorsitzende Kerstin Jonas aus Fulda, fordert bei diesem Schritt der Corona-Lockerungsmaßnahmen mehr Sicherheit.

Fulda - „Der Wegfall jeglicher Abstandsregeln ist gerade für Lehrkräfte, die selbst zur Risikogruppe gehören oder mit Personen der Risikogruppe im Haushalt leben, beängstigend. Denn von Maßnahmen, die den Lehrkräften zum Schutz vor einer Infektion bereitgestellt werden, ist bisher nichts zu sehen“, sagt die Landesvorsitzende Annabel Fee.

Die Rede sei aktuell nur von einem kompletten Hochfahren des Präsenzunterrichts in den beiden Wochen vor den Sommerferien. „Schülerinnen und Schüler sowie Lehrkräfte werden als Versuchskaninchen missbraucht, an denen man testet, ob die Infektionsrate durch einen normalen Schulbetrieb steigt“, führt Fee weiter aus. In den Ferien soll dann Unterricht angeboten werden, um die Defizite aufzuholen.

Zweifel an Virologen-Theorie

Sie äußert Zweifel an der Theorie einiger Virologen, Kinder seien weniger von einer Ansteckung gefährdet: „Bewiesen ist diese Vermutung nicht.“ Wünschenswert wäre es laut Fee gewesen, wenn es einen klaren Schnitt gegeben hätte und der Vollbetrieb erst nach den Sommerferien und einer weiteren Beobachtung der Pandemie-Entwicklung erfolgt wäre.

Vize-Landesvorsitzende Kerstin Jonas aus Fulda fordert bei der Corona-Lockerung mehr Sicherheit.

Ihre Stellvertreterin Kerstin Jonas aus Fulda sieht vor allem das Kultusministerium und die Schulträger in der Pflicht, zumindest dafür zu sorgen, dass die Reinigungsquote während des „Testlaufs“ deutlich erhöht werde. „Eine einmalige Reinigung pro Tag mit Flächendesinfektion erscheint nicht ausreichend und grob fahrlässig.“

Angst vor großer Infektionswelle

Kerstin Jonas weiter: „Es gibt weder Spuckschutz noch wirksame Masken für Lehrkräfte, die zwar gerne für die Schülerinnen und Schüler da sein möchten, jedoch Angst vor einer Ansteckung haben.“ Angst lähme und sei kein guter Berater in einer solchen Zeit.

„Dem Dienstherrn sollte daran gelegen sein, zumindest Rahmenbedingungen zu schaffen, die den Anschein von Sicherheit für die Bediensteten erwecken“, meint Jonas. „Mit einer großen Infektionswelle und langfristigen Ausfällen unter den Lehrkräften – gerade an den Grundschulen – ist nichts gewonnen. Es gibt keine verfügbaren Grundschullehrkräfte, die nur darauf warten, eingestellt zu werden!“

Testphase wissenschaftlich auswerten

Der dlh fordert laut Mitteilung dreimal täglich eine Reinigung der Räume durch professionelles Personal sowie das Stellen von FFP2-Masken und Spuckschutz für alle Lehrkräfte, die der Risikogruppe angehören und trotzdem arbeiten möchten oder die mit Angehörigen der Risikogruppe leben.

Außerdem fordert der dlh eine verbindliche Testung aller Lehrkräfte und Grundschüler vor Beginn der zweiwöchigen Testphase sowie am Ende der Zeit, damit der „Schulversuch“ zumindest wissenschaftlich ausgewertet werden kann. Der dlh appelliere an das Kultusministerium und die Landesregierung, alles zu tun, um den Arbeitsplatz Schule für alle Lehrkräfte sicher und transparent zu gestalten.

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