Ab Montag muss man nicht mehr nur durch die Fensterscheibe eines Ladens schauen, mit einem Termin darf man auch wieder hineingehen - das ist das Konzept von „Click and Meet“.
+
Ab Montag muss man nicht mehr nur durch die Fensterscheibe eines Ladens schauen, mit einem Termin darf man auch wieder hineingehen - das ist das Konzept von „Click and Meet“.

„Click and Meet“

Corona-Lockerungen: Vorfreude, aber auch Skepsis bei den Händlern in Fulda - Regelung ist „bescheuert“

Geschäft auswählen, Termin vereinbaren und dann im Laden einkaufen gehen: „Click and Meet“. So lautet das Konzept, das Bund und Länder bei ihren Gesprächen über Lockerungen ins Spiel gebracht haben. Unsere Umfrage zeigt: Viele Geschäfte wollen „Click and Meet“ anbieten. 

Fulda - „Für uns lohnt sich das. Es ist eine gute Möglichkeit, unseren Trauring-Kunden ein Angebot zu machen“, sagt Christian Adolph, Inhaber bei Juwelier Bott in Fulda. Online auf der Webseite oder per Telefon könnten sich Kunden anmelden, um einen Termin zu vereinbaren. „Das wird auch schon fleißig genutzt. Viele haben darauf gewartet. Wir haben zwar auch Videoberatungen angeboten, aber das ist doch noch etwas anderes als wenn man persönlich vorbeikommen kann“, sagt Adolph. (Lesen Sie hier: Corona-Lockerungen in Hessen ab Montag)

Ähnlich positiv sehen einige Möbelhändler diese Möglichkeit in der Corona-Pandemie: „Wir freuen uns darüber. Selbstverständlich bieten wir das an“, erklärt Laura Dandik von Möbelpunkt Thalau. Für ihr Geschäft sei das eine „optimale Lösung“. Auch XXXLutz Buhl und KüchenProfi in Fulda sowie Möbel Wirth in Hünfeld werden „Click and Meet“ anbieten. Möbel-Wirth-Chef Josef Wirth gibt zu bedenken, dass Geschäfte, die eher Kleinigkeiten anbieten, davon wahrscheinlich nicht profitieren. (Lesen Sie hier: Corona-Lockerungen: Gastronomie und Handel in Fulda sind enttäuscht

Corona-Lockerungen: Läden in Fulda dürfen wieder öffnen - Vorfreude, aber auch Skepsis bei den Händlern

Es sei definitiv kein Ersatz im Corona-Lockdown, aber besser als gar nichts, erklärt Rainer Hau, Inhaber von DSBO in Fulda. Der Schreibwarenhändler erklärt, dass das Unternehmen einen enormen Umsatzverlust beklagt. „Da freuen wir uns, dass wir zumindest teilweise aufmachen können“, sagt Hau. Auch bei DSBO könnten Kunden telefonisch oder online einen Termin vereinbaren. (Lesen Sie hier: „Click and Meet“ bei Ikea, H&M* und anderen Geschäften: Shopping-Termine jetzt buchbar)

Elektrohändler wie EFM, Media Markt oder Expert Klein werden ebenfalls „Click and Meet“ anbieten. „Es wird ein Kontaktformular geben. Entweder die Kunden buchen sich online selbst einen Termin oder sie rufen bei uns an“, erklärt Julius Müller, Geschäftsführer von EFM. Sven Fladung, stellvertretender Marktleiter von Expert Klein, kann nicht verstehen, weshalb Kunden im Elektroladen – anders als im Supermarkt – vorher einen Termin machen müssen. „Aber wir sind glücklich, Kunden einlassen zu dürfen“, sagt er.

Händler kritisieren „Click and Meet“: Regelung nicht optimal, weil trotzdem Personal gestellt werden müsse

Bei Kleidergeschäften ist das Stimmungsbild gemischt. Der Herrenausstatter Köhler in Fulda ermöglicht den Kunden ab Montag, telefonisch Termine zu vereinbaren. Dabei würden zwei Termine pro Stunde vergeben, der Kunde könne aber auch mit einer Begleitung erscheinen. So wären maximal vier Kunden gleichzeitig im Laden. „Für den Kunden ist das ein angenehmes Einkaufserlebnis“, erklärt Geschäftsführer Torsten Rützel. Schließlich seien wenige andere Kunden im Laden, eine intensive persönliche Beratung sicher. „Ob sich das für die Händler wirtschaftlich lohnt, bleibt abzuwarten“, sagt Rützel.

„Wir werden ,Click and Meet‘ anbieten, lassen uns aber mal überraschen“, sagt Alexandra Peter, Mitarbeiterin bei Mode Vogt in Hünfeld. Die Regelung sei nicht optimal, weil das Personal trotzdem gestellt werden müsse. Beim Modehaus Erna Schneider können Einkaufstermine ebenfalls vereinbart werden. „Die Kunden melden sich bei uns und sagen, wie lange sie ungefähr brauchen“, erklärt Mitarbeiterin Anna Schnorr von Grawert. Es sei wichtig, dass die Kunden die Ware ansehen können.

Video: Das sind die neuen Corona-Regeln

Eine Woche testen und dann weitersehen möchte Holger Enick vom Modehaus Fink in Fulda: „Ich denke, für Läden in unserer Größenordnung ist es in Ordnung. Bei uns können sechs Leute zur gleichen Zeit in den Laden. Wir haben keine Zeitlimits gesetzt, damit die Kunden einen entspannten Einkauf erleben.“ Die Regelung selbst nennt er aber „bescheuert“.

Auch im Einkaufszentrum Emaillierwerk werden Läden für „Click-and-Meet-Kunden“ öffnen. „Ein Großteil der Mieter werden das wahrnehmen. Von Deichmann, Kik und Reno weiß ich es sicher. Die Nachfrage ist da“, sagt Irene Hammermeister vom Centermanagement.

Auch das Rofu-Kinderland im Justus-Liebig-Center in Petersberg zieht mit: „Bislang haben wir noch keine Anfrage. Ich bin noch zwiegespalten. Wir möchten den Kunden ein tolles Erlebnis bieten, aber in 45 Minuten ist das schwierig. Wir lassen uns überraschen“, sagt Marktleiterin Karin Wunsch. (dan, dk, lwe, lor) *ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema