Gundolf Hofmann aus Flieden-Rückers leidet an den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung.
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Gundolf Hofmann aus Flieden-Rückers leidet an den Langzeitfolgen einer Corona-Erkrankung.

Immer wieder Albträume

Long-Covid-Patient Gundolf Hofmann über die Angst vor dem Ersticken

  • Daniela Petersen
    VonDaniela Petersen
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Long Covid: Man hört es immer wieder und kann sich nur schwer vorstellen, was das genau sein soll. Wer mit Gundolf Hofmann aus Flieden-Rückers spricht, der bekommt ein ziemlich genaues Bild davon: Es ist ein Leiden, bei dem die Patienten einfach nicht mehr zu ihrer früheren Form zurückfinden.

Fulda - Er ist Schiedsrichter und muss ein Spiel in Holland pfeifen. Er ist auf dem Weg dorthin. Plötzlich liegt er ganz allein im Flugzeug und ringt nach Luft. Ruft nach Hilfe. Niemand kommt. Dann wacht er auf. Lebhaft erzählt Gundolf Hofmann aus Flieden-Rückers (Kreis Fulda) von diesem Traum, der vor allem eines zeigt: Die große Angst davor, allein zu sein und die Angst, keine Luft zu bekommen. Immer wieder hat der 62-Jährige Albträume – seit er schwer an Corona erkrankte und fünf Wochen im Koma lag. Wenn es dunkel wird, verdunkeln sich auch seine Gedanken und die Angst kriecht hervor, gibt der Depression Raum.

Doch das ist nicht das einzige, das ihn seit der Erkrankung plagt. Es sind auch körperliche Probleme, mit denen er als Long-Covid-Patient zu kämpfen hat: „Die Lunge ist immer noch angegriffen, im Oberschenkel habe ich seitdem ein Taubheitsgefühl, meine Schulter schmerzt und auch die Hand musste operiert werden, weil die Nervenstränge in Mitleidenschaft gezogen wurden“, sagt Hofmann. (Lesen Sie auch: Corona-Genesene klagt über Sechs-Monate-Regel: „Ausreichend Antikörper vorhanden“)

Long Covid: Corona-Patient spricht über Ängste, Albträume und Schmerzen

Seit dem 12. Oktober 2020 ist er krank geschrieben. Dass der Angestellte bei der Spedition Schneider und Partner jemals wieder arbeiten gehen kann, bezweifelt er. „Körperliche Arbeit fällt mir schwer. Ich habe jeden Tag Gliederschmerzen. Wenn ich mir heute vornehme, morgen den Rasen zu mähen, dann weiß man nicht, ob das klappt. Es gibt gute und schlechte Tage.“

Und dann diese Erschöpfung: „Ich kann die Uhr danach stellen, dass ich gegen Mittag müde werde, obwohl ich nichts vorher gemacht habe.“ Sein Leben habe sich seit der Erkrankung stark verändert: Er hatte zwar Bluthochdruck, war bis vor drei Jahren lange Raucher und galt demnach als Risikopatient, aber er stand mitten im Leben. „47 Jahre habe ich gearbeitet, als Lagerleiter, Spediteur, Fahrer beziehungsweise Disponent.“

Sein Martyrium ging im Oktober 2020 los mit Fieber und Müdigkeit. „Mir war gleich klar, dass das keine gewöhnliche Grippe ist.“ Er, seine Frau Larisa und seine Tochter Vladislawa machten schließlich einen Test. Doch während die beiden Frauen positiv auf Corona getestet wurden, fiel sein Ergebnis zunächst negativ aus. Als sich sein Zustand nach drei, vier Tagen eher verschlechterte, als besser wurde, ging er zu einer Ärztin, die ihn umgehend in die Notaufnahme schickte. (Mit dem Corona-Ticker für den Kreis Fulda bleiben Sie auf dem Laufenden)

Studie zu Long Covid: Patienten nach einem Jahr noch mit Spätfolgen

„An diesen Tag kann ich mich kaum noch erinnern. Im Krankenhaus wurden dann zwei PCR-Tests gemacht, die positiv ausfielen.“ Er kam auf die Intensivstation und musste fünf Wochen lang beatmet werden. Luftröhrenschnitt, Magensonde, beinahe hätten die Nieren versagt. Das volle Programm: „Ohne das Klinikum wäre ich nicht mehr am Leben“, erklärt er.

Am 3. Dezember konnte er schließlich in die Reha entlassen werden. Die Erfahrung habe sein Leben verändert: „Ich bin ruhiger geworden“, sagt Hofmann, der 35 Jahre beim SV Schweben Schiedsrichter war. Für die Zukunft hat er einen Wunsch: „Gesund zu bleiben.“ Die Angst vor Corona ist noch groß.

Fragen und Antworten zu Long Covid: Das sagt das RKI

Welche Symptome haben Long-Covid-Patienten?
Zu den häufigsten bislang in Patientenforen berichteten oder in Studien beobachteten Symptomen gehören Müdigkeit und Erschöpfung, Kopfschmerzen, Atembeschwerden, Geruchs- und Geschmacksstörungen, kognitive Beeinträchtigungen, depressive Verstimmungen, Schlaf- und Angststörungen.
Welche Menschen haben ein erhöhtes Risiko?
Personen, die schwer an Covid-19 erkrankten, leiden vermutlich häufiger an längerfristigen Symptomen. In einer Studie aus England mit 4000 Probanden konnte festgestellt werden, dass Personen, die während der Covid-19-Erkrankung an Durchfall litten, deren Geruchssinn eingeschränkt war und bei denen nur wenige Antikörper gegen SARS-CoV-2 nachgewiesen werden konnten, häufiger unter gesundheitlichen Langzeitfolgen litten. Auch zählen ein hohes Alter, Adipositas sowie Vorerkrankungen der Lunge und des Herzens zu Risikofaktoren. Frauen (unabhängig vom Alter) sind überdurchschnittlich stark von Erschöpfung betroffen.
Wie kann man Langzeitfolgen vorbeugen?
Hierzu ist noch wenig bekannt. Nach dem gegenwärtigen Kenntnisstand ist die beste Möglichkeit das Vermeiden einer Corona-Infektion durch die Einhaltung der Infektionsschutzmaßnahmen.
Was weiß man bereits über Long Covid?
Da Covid-19 als Krankheitsbild erst seit etwas mehr als einem Jahr bekannt ist, sind die Ursachen von Covid-19-Langzeitfolgen, das Risikoprofil der Betroffenen und die unterschiedlichen Symptomkomplexe und Krankheitsverläufe noch nicht vollständig erforscht. Es ist aktuell noch nicht möglich sicher abzuschätzen, wie lange längerfristige Auswirkungen von Covid-19 andauern können, wie gut sie therapierbar sind und wie groß der Anteil der Betroffenen ist, der bleibende Auswirkungen mit sich tragen wird. Besonders über die gesundheitlichen Langzeitfolgen bei Kindern und Jugendlichen ist noch wenig bekannt. 

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