Die Frequenz in der Fuldaer Innenstadt wächst – gerade bei schönem Wetter.
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Die Frequenz in der Fuldaer Innenstadt wächst – gerade bei schönem Wetter. Aber der Modehandel bleibt auf seiner Ware sitzen.

Gedämpfte Gelüste

Nach Corona-Lockdown stapelt sich unverkaufte Ware im Modehandel

  • vonMarius Scherf
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Die Corona-Krise ist für den Modehandel auch nach dem Ende des Lockdowns längst nicht vorbei. In den Läden stapelt sich unverkaufte Ware. Doch die Kauflust ist im Keller. Deshalb versuchen sich die Händler mit Rabatten zu helfen.

Wir haben die Händler in der Region Osthessen dazu befragt, wie es ihnen in der Corona-Krise ergeht.

Mode Vogt

Markus Vogt (46), Hünfeld: Ja, bei uns ist noch viel Ware da, aber wir haben keine größeren Probleme, diese loszubekommen. Auf alte Ware gibt es bei uns 30 bis 50 Prozent Rabatt. Gott sei Dank konnten Liefertermine für vorbestellte Waren bei uns gestoppt werden. Man merkt aber, dass die Leute beim Einkaufen besonnener geworden sind. Ich denke, wir im ländlich geprägten Raum haben damit weniger Probleme. Wir sind näher am Kunden und können uns auf unsere Stammkundschaft verlassen. Einkaufshäuser in den Großstädten haben wohl eher Probleme, Kundschaft anzulocken.

Köhler

Jörg Dippel (54), Fulda: Bei uns fällt die anlassgebundene Mode weg. Es wird wirklich nur das gekauft, was gebraucht wird. Hochzeiten und Events finden nicht statt. Ich gehe eher davon aus, dass dann im nächsten Frühjahr eine Hochzeitswelle kommt und dann viel nachgekauft wird. Unsere Kunden werden wieder kommen, auch weil sie das Zwischenmenschliche bei uns suchen. Unsere Händler zeigen sich kooperativ, sodass saisonabhängige gegen -unabhängige Ware getauscht werden kann. Mit Rabatten bis zu 30 Prozent versuchen wir, unsere restliche Frühjahrsware zu verkaufen.

Rhönblut

Tilo Schmitt (40), Fulda: Wir haben unseren Einkauf schon sehr frühzeitig angepasst, unsere Lager quellen daher nicht über. Rabattaktionen gibt es bei uns nicht, die helfen mir auch nicht weiter. Nach zwei Monaten Stillstand brauche ich Einnahmen, bevor ich mit zusätzlichen Rabattaktionen komme. Natürlich ist weniger Traffic im Laden. Aber auch wir haben eine Stammkundschaft, die uns treu geblieben ist. Die Region ist auch in der Zukunft gut aufgestellt. Zwar fehlen uns hier grade die Touristen, die sonst kommen, aber Innenstadt und Rhön könnten von der Krise profitieren.

moretti Beauty & More

Nadja Moretti (42), Fulda: Uns fehlen sechs Wochen an Verkauf, die unverkaufte Ware in dieser Zeit haben wir jetzt auf Lager. Unsere Ware ist immer schon ein halbes Jahr im Voraus bestellt. Das war also schon vor Corona. Jetzt haben wir zum Teil bis zu 50 Prozent Rabatt auf die Frühjahrskollektion. Die Kunden haben zwar Lust, sind aber wegen der wirtschaftlichen Situation sehr zurückhaltend. Auch fallen leider viele Events – wie das Stadtfest – aus, auf denen wir sonst verkaufen. Aber ich habe tolle Stammkunden, die mich unterstützen, deshalb blicke ich positiv in die Zukunft.

Feinsinn

Markus Schäfer, Fulda: Corona ging an niemandem vorbei. Aber wir konnten durch unsere Händler schnell reagieren und haben jetzt keine überschüssige Kleidung. Die Kunden sind noch sehr zurückhaltend beim Einkaufen. Aber es gibt auch wieder solche, die sich ganz bewusst etwas gönnen. Unser Konzept zielt darauf, Menschen beim Einkaufen Ambiente und ein exquisites Lebensgefühl zu vermitteln. Corona zeigt, dass wir noch mehr am Kunden segeln müssen, etwa durch Service und Flexibilität, wenn wir sie nicht an den Onlinehandel verlieren wollen. Ich denke, mit unserem Konzept fahren wir gut.

Ellason Fashion

Arthur Jahn, Fulda: Die Unsicherheit der Leute beim Einkaufen war schon Wochen vor dem Lockdown spürbar. Noch bevor ich meinen Laden schließen musste, konnte ich vorbestellte Ware stornieren, sodass ich jetzt nicht auf Klamottenbergen sitze. Das hängt aber auch stark vom Lieferanten ab. Zudem führen wir viele Basics, die nicht saisongebunden sind. Einen Einbruch hingegen mussten wir bei sogenannter anlassgebundener Mode feststellen: Es gibt gerade keinen Grund für die Leute, sich schick zu machen. Hochzeiten fallen aus, und Partys finden nicht statt. Um das Geschäft wieder anzukurbeln, versuchen wir uns mit Rabattaktionen zu helfen. Ein wirklich normales Saison-Geschäft erwarte ich aber erst frühstens im September. Meine Einbußen während des Lockdowns waren im sechsstelligen Bereich.

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