Bei der Mülltrennung werden häufig vermeidbare Fehler gemacht. (Symbolfoto)
+
Bei der Mülltrennung werden häufig vermeidbare Fehler gemacht. (Symbolfoto)

Experte berichtet

Mehr Abfall wegen Corona im Kreis Fulda: Diese Fehler werden bei der Mülltrennung gemacht

  • Daniel Krenzer
    VonDaniel Krenzer
    schließen

Wie ist es um die Mülltrennung in der Region bestellt? Was läuft gut, was müsste deutlich besser werden? Claus-Dieter Blachnik, Fachdienstleiter der Abfallwirtschaft des Landkreises Fulda, gibt einen Einblick.

Fulda - „Viele Menschen in der Region trennen ihren Müll gut und gewissenhaft“, ist sich Vize-Landrat Frederik Schmitt (CDU) sicher. Trotzdem gibt es zu viele Fehlwürfe. „Schwierig wird es vor allem bei Mehrfamilienhäusern. Der Vermieter hat es in der Regel schwer, den Verursacher falscher Mülltrennung ausfindig zu machen“, berichtet Claus-Dieter Blachnik, Fachdienstleiter der Abfallwirtschaft des Landkreises Fulda. Damit auch Anwohner, die kein Deutsch sprechen, die geltenden Regeln verstehen, gebe der Landkreis Informationen in verschiedenen Sprachen heraus.

Das Aufkommen des Hausmülls ist im Landkreis Fulda während der Corona-Pandemie spürbar gestiegen. Waren es in den Vorjahren stetig um die 33.000 Tonnen jährlich, so fielen 2020 mehr als 35.000 Tonnen Hausmüll an. 417,2 Millionen Tonnen Abfall sind in Deutschland im Jahr 2018 insgesamt angefallen.

Corona: Mehr Müll in der Pandemie - Diese Fehler werden bei der Trennung gemacht

Abfälle aus Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen sind laut Landkreis von 2019 auf 2020 deutlich gestiegen – und zwar von 8055 auf 9692 Tonnen. Das überrascht zunächst, hatten doch im Lockdown viele Betriebe geschlossen. Blachnik weiß, woran das liegt: „Auslöser sind hier vor allem statistische Zuordnungen. In dieser Menge sind beispielsweise Bauabfälle enthalten, die nicht nur von Baufirmen, sondern auch von privaten Baustellen und Bauherren angeliefert wurden“, erklärt er. Außerdem sei in dieser Zahl die Menge aus der Nachsortierung der Sperrmüllsammlung der Stadt Fulda enthalten.

Claus-Dieter Blachnik ist Fachdienstleiter der Abfallwirtschaft des Landkreises Fulda. (Archivfoto)

„Aber auch die gewerblichen Abfälle im engeren Sinne sind leicht gestiegen, und zwar von rund 1300 auf 1700 Tonnen“, sagt Blachnik. Dies resultiere vor allem aus dem verstärkten Umsatz im Lebensmittelhandel und dem Baustoff- und Möbelhandel mit entsprechend höheren Restabfallmengen. „Die Pandemie hat für einige Branchen ganz erhebliche Einbrüche, für andere aber auch ganz erhebliche Zuwächse zur Folge gehabt“, stellt Blachnik fest.

Claus-Dieter Blachnik zeigt dutzendweise Fotos von Mülltonnen, in denen alles Mögliche drin ist, was nach einer wilden Mischung aussieht: Zigarettenstummel, Tapeten, große Plastiksäcke. Und dann noch ein Foto von einer ganzen Abfuhrladung, in der man vor lauter Plastik nicht sieht, was es eigentlich sein soll: Biomüll.

„So sah das vor nicht allzu langer Zeit noch aus, aber so durfte es nicht weitergehen“, berichtet er. Viele Haushalte habe man angeschrieben und auf Fehlwürfe im Biomüll aufmerksam gemacht – mit Erfolg. Blachnik zeigt ein Foto, das auf den ersten Blick wie ein Haufen Erde aussieht. „So sieht das Ergebnis einer Biomüll-Abfuhr heute aus“, stellt er fest. Auf den zweiten Blick zeigen sich aber einzelne Plastikfetzen in der braunen Masse. Perfekt ist das immer noch nicht. Hier lesen Sie, welche Fehler Sie bei der Mülltrennung vermeiden können.

Probleme bei Mülltrennung in Fulda: „Niemand will Erde mit lauter Plastikfetzen kaufen“

„Damit eine nachhaltige Weiterverwertung gut funktioniert, ist es wichtig, dass möglichst alle mitmachen“, sagt der für die Abfallwirtschaft verantwortliche Erste Kreisbeigeordnete Frederik Schmitt (CDU). Dass vor allem kein Plastik in den Biomüll gehört, betont Blachnik – und das gelte auch für Kunststoffe, die als biologisch abbaubar deklariert sind und gerne als Tüten verwendet werden: „Die verrotten einfach nicht schnell genug für das, was mit dem Biomüll dann passiert. Und sie lassen sich schlichtweg nicht von herkömmlichem Plastik auseinanderhalten.“ Und so können dann mitunter ganze Abfuhrladungen nicht weiterverwendet werden.

„Niemand will im Baumarkt Erde kaufen, in der lauter Plastikfetzen stecken“, erklärt Blachnik. Zudem können falsche Stoffe im Biomüll die Anlagen am Finkenberg beschädigen, in der zunächst aus dem Biomüll in einem hochmodernen Verfahren Biogas gewonnen wird. Aus den Resten entsteht dann Erde mit hohem Düngegehalt. „Schon recht geringe Mengen an Plastik können somit ganze Ladungen an eigentlich wertvollem Biomüll nutzlos machen. Und die Anforderungen an die Reinheit werden immer höher“, stellt Blachnik fest.

In der Gelben Tonne landen ebenfalls immer wieder Dinge, die dort eigentlich nicht hineingehören. „Die Regel ist eigentlich einfach, was reinkommt: Verpackungen“, stellt Blachnik fest. Für die Entsorgung ist allerdings nicht der Landkreis zuständig, was auf die Geschichte der Gelben Tonne zurückzuführen ist. Denn ursprünglich wurde Anfang der 1990er Jahre der „Grüne Punkt“ als duales System eingeführt, um den Handel beim Nachkommen seiner damals neu eingeführten Verwertungspflicht zu helfen.

„Eigentlich müsste jeder Händler die Verpackungen wieder zurücknehmen. Stattdessen hat jeder eine kostenlose Tonne vor die Tür gestellt bekommen“, blickt Blachnik zurück. Inzwischen wurde das Monopol aufgehoben, und es gibt mehrere Systemträger beziehungsweise duale Systeme in Deutschland. Allerdings wird ein Teil des Mülls aus den Gelben Tonnen „thermisch verwertet“ – also verbrannt.

Video: 30 Jahre Mülltrennung in Deutschland

Der Rest wird nach brauchbaren Stoffen sortiert und an Unternehmen verkauft, die mit diesen Stoffen etwas anfangen können – mitunter weltweit. „Das ist ja auch sinnvoll, die Stoffe zu demjenigen zu transportieren, der dafür die Anlage hat, die den Stoff am besten weiterverarbeiten kann“, erklärt Blachnik.

Gefühlt wird alles immer teurer – doch bei den Müllgebühren im Landkreis Fulda stimmt das nicht. Die monatlichen Gebühren für die Entsorgung von privaten Grundstücken ist seit 2012 unverändert und liegt sogar ein paar Cent unter denen aus dem Zeitraum von 1996 bis 2006. Wer damals als vierköpfige Familie alle vier Wochen seine 240-Liter-Tonne hat leeren lassen, zahlte dafür zum Beispiel monatlich 15,85 Euro – heute sind es 15,80 Euro. Der Preis beinhaltet neben der Restmülltonne die Bio-Tonne, die blaue Tonne und zwei Sperrmüll-Abfuhren pro Jahr.

So entwickeln sich die Müllgebühren im Landkreis Fulda

Zwischenzeitlich lagen diese Preise aber deutlich höher. Am teuersten war die Abfallentsorgung im Landkreis Fulda von 2008 bis 2009. Beim obigen Beispiel waren zu dieser Zeit statt 15,80 Euro heute 19,35 Euro. Das war zwar hessenweit schon vergleichsweise günstig, in zwei Schritten konnte der Kreis in den folgenden Jahren aber die Gebühren wieder senken. „Wir sind fortwährend bemüht, die vorhandene Sammel- und Entsorgungslogistik weiterzuentwickeln, die Kosten zu optimieren und günstige Marktbedingungen für verwertbare Abfälle zu erschließen“, sagte 2011 dazu der Erste Kreisbeigeordnete Heiko Wingenfeld (CDU) – heute Oberbürgermeister der Stadt Fulda.

Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) hatte 2019 bundesweit in den 100 größten Städten die Müllgebühren verglichen. In Flensburg zahlte ein Musterhaushalt wie in unserem Beispiel jährlich 123 Euro, in Leverkusen 771 Euro. Im Landkreis Fulda sind es knapp 190 Euro, also definitiv im günstigen Spektrum – auch wenn die Gebühren in der IW-Studie komplexer ermittelt wurden. Günstig ist es auch in der Stadt Fulda, wo in diesem Beispiel 202,80 Euro pro Jahr anfallen. Im Main-Kinzig-Kreis sind es bei einer vergleichbaren Konstellation 232,80 Euro, im Vogelsbergkreis 231,30 Euro. Frankfurter zahlen bei diesem Beispiel hingegen aktuell knapp 540 Euro.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema