Zehntausende Kinder haben aufgrund der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 nicht das Schwimmen lernen können (Symbolfoto).
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Zehntausende Kinder haben aufgrund der Corona-Pandemie in den Jahren 2020 und 2021 nicht das Schwimmen lernen können (Symbolfoto).

Ausgefallene Kurse

Immer mehr Kinder sind Nichtschwimmer: Zehntausende haben wegen Corona nicht schwimmen gelernt

  • Lisa Krause
    VonLisa Krause
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Hallenbäder sind seit mehr als einem Jahr wegen Corona geschlossen. Schwimmkurse finden schon lange nicht mehr statt. Allein 2020 haben 70.000 Kinder haben nicht das Schwimmen gelernt. Die Folge: Es gibt immer mehr Nichtschwimmer unter den Kindern - auch in der Region Fulda.

Fulda - Kinder tauchen eifrig nach bunten Ringen und schwimmen stolz ihre ersten 25-Meter-Bahnen. Es wird gelacht, geplanscht und sich gegenseitig nassgespritzt. Und die Portion Pommes hinterher darf natürlich auch nicht fehlen. Lang ist es her. Corona hat den Schwimmkursen für Kinder einen Strich durch die Rechnung gemacht. 

Während bereits 2020 viele Kinder auf Schwimmunterricht verzichten mussten, sieht es auch in diesem Jahr nicht anders aus. Und das hat fatale Folgen. (Lesen Sie auch hier: Freibad-Übersicht für die Region Fulda: Diese Bäder haben trotz Corona 2021 geöffnet)

Corona: Zehntausende Kinder haben in Pandemie nicht schwimmen gelernt

Denn neben dem Spaß bricht auch das Erlernen einer wichtigen Grundkenntnis weg: Schwimmen ist überlebenswichtig. Doch die Zahl der Nichtschwimmer steigt weiter dramatisch an: In der Corona-Pandemie sind die Hallenbäder geschlossen, die Zahl der Schwimmprüfungen ist stark eingebrochen.

Und selbst bei Kindern, die kurz vor Corona noch ihre Schwimmprüfungen ablegen konnten, ist fraglich, wie sicher diese nun noch im Wasser sind. All das stellt laut der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) ein großes Problem da. Denn das Risiko zu ertrinken, steige erheblich. „Wir sprechen hier mittlerweile von mindestens einem, wenn nicht sogar schon zwei verlorenen Jahrgängen in der Schwimmausbildung“, warnt Harald Wübbena vom DLRG-Ortsverband Hünfeld.

Er weist darauf hin, dass es bereits vor der Pandemie schon nicht genügend Schwimmkurse gab. „Das liegt vor allem am Personalmangel sowie an den wenigen Wasserflächen. Aber auch der Stellenwert der Schwimmausbildung in Familien und Schulen hat sich verändert.“ Corona habe noch einmal einen draufgesetzt.

Trugschluss Schwimmflügel 

Kleine Kinder, die mit aufblasbaren Flügelchen oder Schaumstoffringen ins Wasser gehen und noch nicht schwimmen können, sind nicht vor dem Ertrinken geschützt. „Schwimmflügel und andere Dinge sind nur Spielsachen. Es ist ein Trugschluss, dass Kinder so vor dem Ertrinken geschützt sind. Damit im Wasser wirklich nichts passiert, müssen Erwachsene für eine lückenlose Aufsicht in unmittelbarer Griffnähe des Kindes sorgen“, sagt Harald Wübbena vom DLRG-Ortsverband Hünfeld.

Ralf Oberschelp von der Wasserwacht in Birstein kann dem nur zustimmen und warnt ebenfalls vor der zunehmenden Anzahl an Nichtschwimmern. „Fahrrad fahren kann man nicht verlernen. Schwimmen aber schon. Und das gilt nicht nur für Kinder, sondern auch für junge Erwachsene oder gar Erwachsene. Gerade jetzt im Sommer an freien Gewässern wird die Gefahr, etwa von Unterströmungen überrascht zu werden, stark unterschätzt.“ An den anstehenden Urlaub am Meer möchte man da gar nicht denken. 

Laut einer forsa-Umfrage sind 59 Prozent der Zehnjährigen keine sicheren Schwimmer. Eine fatale Entwicklung, findet die DLRG. Und mit dieser Meinung steht sie nicht allein da. Andere Schwimmsporttreibende Verbände sehen das ebenso. „Die Fähigkeit, schwimmen zu können, ist enorm wichtig für die Entwicklung eines Kindes. Und es liegt in der Verantwortung der Erwachsenen, dafür zu sorgen, dass Kinder das lernen“, mahnt Wübbena. Er selbst leitet zweimal in der Woche Anfänger-Schwimmkurse für Kinder. Und er freut sich schon jetzt auf den Herbst, wenn die Hallenbäder hoffentlich wieder öffnen.

Immer mehr Kinder sind Nichtschwimmer - Appell an die Eltern

Er appelliert aber auch an die Eltern. Diese könnten selbst einiges dafür tun, dass Kinder keine Angst vor Wasser entwickelten. Stichwort: Wassergewöhnung. „Das fängt schon zu Hause unter der Brause an – vorsichtig den Wasserstrahl übers Gesicht laufen lassen. Oder mal ganz untertauchen in der Badewanne – natürlich unter Aufsicht. Auch kann sich das Kind im Freibad an die Schultern des Elternteils heften und sich mitziehen lassen“, erklärt Wübbena.

All das trage dazu bei, dass das Kind ein Gefühl für das Wasser erhalte – oder eben nicht wieder verliere. Ralf Oberschelp hält es auch für möglich, dass Eltern selbst ihrem Kind das Schwimmen beibringen. „Das wurde vor 40, 50 Jahren auch schon so gemacht. Warum sollte das heute nicht mehr funktionieren? Hat ein Kind bereits Grundkenntnisse, empfehle ich aber in jedem Fall, dranzubleiben und regelmäßig zu üben.“ 

Video: Nichtschwimmer in Bayern: Anstieg befürchtet

Die Chancen, dass die Kinder, die corona-bedingt nicht schwimmen lernen konnten, nach Ende der Pandemie noch eine gute Schwimmausbildung bekämen, stünden nicht gut. Laut DLRG reichten die derzeit landesweit vorhandenen Wasserflächen noch nicht einmal aus, den dann aktuell zur Schwimmausbildung anstehenden Jahrgang vollständig ausbilden zu können. 

Das dürfe Eltern jedoch nicht abschrecken und kein Grund sein, das Thema Schwimmen von der Agenda zu nehmen. Denn das Schwimmen sollte zu den Grundfertigkeiten wie Lesen, Schreiben und Rechnen gehören.

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