Die Coronakrise stellte die Schweinebauern vor große Probleme.
+
Die Coronakrise stellte die Schweinebauern vor große Probleme.

Corona macht Druck

Schweinehalter leiden unter den Schlachthof-Schließungen: „Ich arbeite, habe aber keine Einnahmen“

  • Sarah Malkmus
    vonSarah Malkmus
    schließen

Kaum ein Beruf leidet nicht unter der anhaltenden Corona-Pandemie. Bei Schweinehaltern und Ferkelerzeugern etwa fängt das Problem mit der Schließung von Schlachthöfen an – und setzt sich mit fehlenden Erträgen fort.

Region - Wenn Valentin Birkenbach aus Niederbieber abends die Nachrichten einschaltet, ist er frustriert. Denn dann geht es – wie bereits seit Monaten – um das Thema Corona. Die Auswirkungen der Krise spürt er deutlich. In Niederbieber hat der 32-Jährige einen landwirtschaftlichen Betrieb mit 1500 Mastplätzen für Schweine und 30 Milchkühe. Die Schweine machen sein Hauptgeschäft aus. Und genau hier liegt dieser Tage das Problem: „Die Schweine können nicht abgeholt werden“, erzählt er. Der Grund: Corona-Fälle in der Fleischindustrie, insbesondere auf Schlachthöfen, häuften sich. In der Folge würden diese schließen oder nur eingeschränkt arbeiten, Arbeitskräfte, die die Schweine schlachten, fehlten.

Wegen Corona sind Schlachthöfe geschlossen - Schweinehalter der Region leiden

Insgesamt seien es in Deutschland rund 600.000 Schweine, die durch die Pandemie in den Ställen bleiben. Die unmittelbare Folge für die Landwirte: Die Tiere müssen weiter gefüttert werden, kosten weiter Geld, gewinnen an Masse und liegen schließlich über dem Schlachtgewicht. Das wiederum habe zur Folge, dass Birkenbach wegen Abzügen weniger Geld verdient. „Das ideale Schlachtgewicht liegt bei etwa 95 Kilogramm“, erzählt der 32-Jährige. Bis etwa 107 Kilogramm zahle der Schlachter noch ohne Abzüge an den Landwirt. Mit 135 Kilogramm lägen einige seiner Tiere jedoch deutlich über der Grenze. Er schätzt, dass er mit diesem Gewicht pro Schwein etwa zwei Euro Gewinn macht. Gut sei das nicht, in anderen Jahren verdiene er 15 bis 20 Euro pro Tier. Er resümiert: „Ich arbeite, habe aber keine Einnahmen.“ Er hatte schon vor dem Jahreswechsel prophezeit, Ende 2020 nichts verdient zu haben.

Ein weiteres Problem würde durch die sogenannte Afrikanische Schweinepest (ASP) aus China entstehen. „Als die ASP in China bekannt wurde, haben wir in Deutschland davon noch profitiert, da mehr Fleisch aus dem Ausland bezogen wurde“, sagt der 32-Jährige. Der Spitzenbetrag lag zu diesem Zeitpunkt bei etwa zwei Euro pro Kilogramm. Nun sei die Schweinepest vor einigen Monaten jedoch in Deutschland angekommen. Das verändere die Situation dramatisch. Der aktuelle Preis liege bei 1,18 Euro pro Kilogramm. „Das ist sehr schlecht“, sagt der Niederbieberer. In Hessen sei die Schweinepest bisher noch nicht angekommen. Sollte dies der Fall sein, befürchte Birkenbach Konsequenzen – etwa Lieferstopps und verschärfte Hygienemaßnahmen.

Schlachthöfe

Deutsche Schlachthöfe haben sich zunehmend zu Corona-Brennpunkten entwickelt. In mehreren Schlachthöfen ist das Coronavirus ausgebrochen. Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) ist überzeugt, dass die Unterbringung der Arbeiter – viele aus Ost- und Südosteuropa, viele bei Subunternehmern beschäftigt – die Verbreitung des Virus begünstigt. Referatsleiter Thomas Bernhard sagt: „Sie wohnen zu eng aufeinander.“ Zu kleine Wohnungen, zu viele Leute darin, zu wenig Sanitärräume – „ein Riesenproblem“. 

Ein weiterer Faktor für die Verbreitung sollen die kalten Temperaturen in den Zerlegebereichen sein. Klar ist: Temperatur und Luftfeuchtigkeit haben Einfluss darauf, wie rasch Tröpfchen verdunsten. Zudem wird Sars-CoV-2 nach derzeitigem Kenntnisstand auch über Aerosole – winzige Tröpfchenkerne aus Flüssigkeit und Partikeln wie Viren – übertragen. Wie infektiös diese unter Kühlhausbedingungen sind, lässt sich aber noch nicht sagen.

Michael Faust hat einen Ferkelerzeugerbetrieb in Großenlüder und bekommt im Drei-Wochen-Takt 700 neue Ferkel, die er weiterverkauft. Würden Mäster – wie etwa Birkenbach – ihre Tiere nicht los, kauften sie jedoch auch keine neuen hinzu. Dort beginnen die Probleme für den 32-Jährigen. Insgesamt – so schätzt der Großenlüderer – habe er durch die Krise 15 Prozent Überschuss an Ferkeln. Eine gewisse Zeit könne er das schultern, auf Dauer gehe das jedoch nicht. Denn früher oder später hielten sich zu viele Tiere auf dem selben Raum auf. Dann könne man als Landwirt dem Tierschutz nicht mehr gerecht werden.

Video: Nach Corona-Ausbruch in Vilshofen soll Schlachthof wieder Betrieb aufnehmen

Außerdem denke er auch an die Gastronomie, die durch die Krise stark leide. Dadurch würde weniger Fleisch verarbeitet, der Bedarf sei nicht mehr so hoch. „Da bleibt so einiges auf der Strecke“, sagt er. Auch der Preiseinbruch sei ein Problem: Während er in guten Zeiten ein Ferkel bei Erzeugungskosten von 60 Euro für 80 bis 100 Euro verkauft habe, bekomme er nun bei gleichen Erzeugungskosten 38 Euro für ein Ferkel.

Sebastian Schramm, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Fulda-Hünfeld, bestätigt das Problem: „Wenn es durch die Krise eine landwirtschaftliche Sparte getroffen hat, dann die der Schweinehalter.“ Andere Bereiche der Landwirtschaft – etwa die Milchviehbetriebe oder der Ackerbau – würden weitestgehend von der Krise unberührt bleiben.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema