Das Alsfelder Krankenhaus wird in den kommenden Jahren für 75 Millionen saniert.
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Die Corona-Pandemie übt auf die Krankenhäuser in Osthessen massiven Druck auf. (Symbolfoto)

Personalmangel schlägt durch

Corona setzt Krankenhäuser in Osthessen massiv unter Druck - Wenn Mitarbeiter fehlen, bleiben Betten frei

  • Daniela Petersen
    vonDaniela Petersen
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Sie sind da, wo die Pandemie ihre ganze Härte zeigt – in den Krankenhäusern. Dort behandeln Pfleger, Krankenschwestern, Ärzte und Therapeuten seit Monaten Corona-Patienten. Mitunter infizieren sich aber auch die Mitarbeiter mit dem Virus. Das stellt die Häuser vor Herausforderungen.

Region - „In den letzten Wochen, vor allem im Dezember, war die Personalsituation äußerst angespannt. Seit Mitte November waren rund neun Prozent unserer Mitarbeiter positiv auf das Coronavirus getestet worden“, erklärt Alexandra Pröhl, Pressesprecherin der Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern und Gelnhausen. Dadurch habe es immer mal wieder die Situation gegeben, dass freie Betten vorübergehend nicht belegt werden konnten.

Das kommt zum Beispiel auch am Herz-Jesu-Krankenhaus Fulda und am Klinikum Fulda vor. „Schon unter normalen Bedingungen der Pflegepersonal-Untergrenzen-Verordnung ist es nicht immer einfach, die Stationen und Bereiche personell funktionsfähig zu halten“, sagt Barbara Froese, Pressesprecherin des Klinikums Fulda. Wenn dann noch hinzukomme, dass Mitarbeiter wegen Corona in Quarantäne müssen, verschärfe sich diese Problematik.

Corona in Osthessen stellt Krankenhäuser massiv unter Druck - Personalmangel schlägt voll durch

Um das Tagesgeschäft am Laufen zu halten, sei es in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt und unter strikter Einhaltung der Hygienemaßnahmen möglich, dass positiv Getestete zum Dienst erscheinen dürfen. „Allerdings müssen die Kollegen symptomfrei sein und dürfen auch nur bei Covid-Patienten eingesetzt werden“, erklärt Froese. In der gesamten Zeit sei es zwei- oder dreimal vorgekommen, dass ein Mitarbeiter mit einem positiven Corona-Test zum Dienst gekommen sei, ohne negativ „freigetestet“ worden zu sein. „Wie gesagt, das geschah in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt, und die Mitarbeiter wurden auch nur bei Covid-Patienten eingesetzt“, betont Froese.

Beim Herz-Jesu-Krankenhaus, der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld, den Main-Kinzig-Kliniken und auch im Eichhof-Krankenhaus in Lauterbach war das – nach deren Aussage – bisher nicht nötig. „Es besteht auch die einhellige Meinung im gesamten Leitungsteam inklusive des Vorstands, dass wir vorher das normale Routineprogramm und alles Verschiebbare komplett herunterfahren würden“, erklärt Tobias Plücker, Chefarzt und Pressesprecher der Eichhof-Stiftung in Lauterbach. Die Corona-Krise stelle die Einrichtungen des Gesundheitssystems vor Herausforderungen. „Die Personaldecke ist inzwischen sehr ausgedünnt. Krankheitsbedingte Ausfälle sind ohnehin immer schwer zu kompensieren. Die Isolationen dauern mindestens zehn Tage, oft länger. Das führt dazu, dass wir aktuell in den Dienstplänen der Pflege von Tag zu Tag planen“, sagt Plücker.

Zahlen (Stand 25. Januar)

240 Mitarbeiter wurden an den Main-Kinzig-Kliniken in Schlüchtern und Gelnhausen bislang, seit Beginn der Pandemie, positiv auf Corona getestet. Dort arbeiten 2500 Menschen.

120 Mitarbeiter wurden seit Beginn der Pandemie positiv auf Corona getestet. Insgesamt arbeiten am Klinikum 3000 Menschen.

20 Mitarbeiter wurden in der Helios St. Elisabeth Klinik Hünfeld seit Mitte November positiv auf Corona getestet. Insgesamt arbeiten dort 310 Menschen.

41 Mitarbeiter wurden am Herz-Jesu-Krankenhaus bislang positiv auf Corona getestet. Insgesamt arbeiten dort 1000 Menschen.

16 Mitarbeiter wurden am Eichhof-Krankenhaus Lauterbach bislang positiv auf Corona getestet. Dort arbeiten 980 Menschen.

Die Flexibilität und Bereitschaft der Mitarbeiter sei da: „Doch wir merken, dass die Corona-Pandemie zu einigen Erschöpfungsproblemen führt.“ Mitarbeiter in Quarantäne, die Kontaktpersonen von Infizierten sind, könnten in Absprache mit dem Gesundheitsamt und unter strengen Auflagen mit regelmäßigen Tests weiterhin zum Dienst kommen. „Davon machen wir durchaus Gebrauch“, sagt Plücker.

Video: Das Corona-Testcenter am Klinikum Fulda wurde umgebaut

Auch im Herz-Jesu-Krankenhaus gibt es das. „Wir sind froh, dass die Mitarbeiter, die in Quarantäne sind, keine Symptome haben und negativ getestet sind, anbieten, wieder zur Arbeit zu kommen“, erklärt Michael Sammet, Geschäftsführer des Herz-Jesu-Krankenhauses Fulda. Durch die Ausfälle durch Corona sei es „ganz klar“ eine Herausforderung, die Dienste zu besetzen.

In der Helios-Klinik in Hünfeld war es personell und aufgrund vieler Patienten vor allem in der ersten Januarwoche eng. „Für einen kurzen Zeitraum entstand eine angespannte Situation, die uns veranlasst hat, planbare Operationen zu verschieben“, sagt Pressesprecherin Gudrun Käsmann. Inzwischen habe sich die Lage aber wieder entspannt.

In den Main-Kinzig-Kliniken wurde das übliche Programm heruntergefahren, seit Mitte November werden vorrangig Corona-, Akut-und Notfall-Patienten versorgt. „Patienten, die eine absolut dringliche Behandlung benötigen, werden aber selbstverständlich aufgenommen“, betont Pressesprecherin Pröhl. Bei dieser Entscheidung gehe es nicht nur um Belegkapazitäten: „Wir brauchen nicht nur freie Betten, sondern auch ausreichend Mitarbeiter, die die Patienten versorgen.“

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