Auch im Hotel- und Gaststättengewerbe gibt es freie Ausbildungsplätze
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Vor allem die Ausbildungsberufe In der Hotellerie sind von der Corona-Pandemie betroffen. Die Lage derzeit schwierig, aber nicht hoffnungslos. (Symbolfoto)

Soziales Miteinander bleibt auf Strecke

Ausbildung in der Corona-Pandemie - IHK Fulda und Hanau geben Einblicke in die aktuelle Situation

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Viele Azubis lernen in der Corona-Krise in Berufsschulen und Betrieben im Ausnahmezustand. Die Verantwortlichen der IHK Fulda und Hanau äußern sich zur Ausbildung in Corona-Zeiten und was dabei auf der Strecke bleibt.

Fulda/Hanau - Gegenüber unserer Zeitung haben sich Armin Gerbeth, Leiter Aus- und Weiterbildung in Fulda sowie Miriam Fuchs, Leiterin Aus- und Weiterbildung in Hanau zur Ausbildung in der Corona-Pandemie geäußert und unter anderem erklärt, welche Probleme die Pandemie langfristig mit sich bringen könnte. Unter anderem könnte die Zahl der Ausbildungsstellen zurückgehen.

Deshalb hatte Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) bereits Ende Januar einen neuen Schutzschirm für Auszubildende ins Spiel gebracht. So sollen etwa Ausbildungsprämien Anreize schaffen, einen hohen Ausbildungsstand in Betrieben zu halten – oder auch zusätzliche junge Leute auszubilden. (Lesen Sie hier: Die Zahl der Arbeitslosen in Osthessen steigt nur leicht an)

Standpunkte der IHK Fulda und Hanau: Wie gut funktioniert die Ausbildung in der Corona-Pandemie? 

Armin Gerbeth, Leiter Aus- und Weiterbildung in Fulda: Auszubildende sind auch in dieser schwierigen Zeit die Fachkräfte von morgen. Ausbildungsbetriebe müssen deshalb Antworten darauf finden, wie die Ausbildungsinhalte angemessen und zielführend vermittelt werden können. Hier sind die Ausbildungsbetriebe bereits gut unterwegs, weil Ausbildungsstrukturen, die Lernorte und die eingesetzten Medien der Situation angemessen verändert und variiert werden. Zudem gibt es einen intensiven Dialog.

Miriam Fuchs, Leiterin Aus- und Weiterbildung in Hanau: Die Berufsschulen und die Ausbildungsbetriebe sind sich bewusst, dass sie vorsichtig mit der Gefahr durch das Virus umgehen müssen. Es ist wie überall: Es finden sich Lösungen. In vielen Unternehmen läuft es gut, wenn auch unter etwas veränderten Vorzeichen. Vielfach erschweren die notwendigen Abstands- und Hygieneregeln gut eingefahrene Prozesse, aber zugleich gibt es neue Chancen beim digitalen Lernen. In manchen Branchen lässt sich derzeit aber nur erschwert ausbilden, weil die Unternehmen geschlossen sind oder nur eingeschränkt agieren.

Ausbildung in der Corona-Pandemie: Was bleibt auf der Strecke?

Gerbeth: Wir müssen alle gemeinsam darauf achten, dass wir insbesondere die Auszubildenden mit einem besonderen Förderbedarf nicht aus dem Auge verlieren. Denn wenn wir hier nicht genau hinschauen, könnte die Vermittlung der Ausbildungsinhalte auf dem Weg hin zur Berufsreife beeinträchtigt werden.

Fuchs: Lernen ist mehr, als den Inhalt von Lehrbüchern nachbeten zu können. Das wichtige Wissen jenseits der grauen Theorie vermittelt sich viel besser im sozialen Miteinander. An dieser Stelle bleibt viel auf der Strecke – aber das lässt sich nachholen. Möglicherweise wird der eine oder andere Ausbildungsbetrieb insolvent – dann vermitteln wir als IHK. 

In welchen Ausbildungsberufen ist es in der Corona-Pandemie besonders schwierig?

Gerbeth: Von den coronabedingten Einschränkungen sind im Landkreis Fulda insbesondere die Gastronomie, die Hotellerie, die Kongresswirtschaft, der stationäre Einzelhandel, die Kulturwirtschaft, die Reisebranche und auch die Schausteller betroffen. Unsere aktuelle Konjunkturumfrage bestätigt dies. Im Gastgewerbe bewerten beispielsweise alle befragten Unternehmen die derzeitige Geschäftslage als schlecht und nur 25 Prozent erwarten eine Besserung in den kommenden zwölf Monaten.

Fuchs: 2020 konnte die IHK Hanau-Gelnhausen-Schlüchtern 1145 Ausbildungsverhältnisse in 92 Berufen registrieren. Die Berufsausbildung ist so vielfältig wie die Wirtschaft. Es ist schwer, einzelne Berufe herauszugreifen. Unter anderem im Handel, in einigen Dienstleistungsberufen wie der Hotellerie und Gastronomie, aber auch in der Event- und Kreativwirtschaft ist die Lage derzeit schwierig, aber nicht hoffnungslos. Strukturelle Probleme gibt es zum Beispiel bei Zulieferern der Automobilhersteller. Das hat aber nichts mit der Pandemie zu tun.

Video: Azubis at work - Der Corona-Jahrgang

Welche mittel- und langfristigen Probleme könnte die Corona-Pandemie mit sich bringen?

Gerbeth: Mit der Ausbildung wird ein Fundament für betriebliche Kontinuität und Weiterentwicklung geschaffen. Es ist deshalb wichtig, dass die Ausbildungsbetriebe den Auszubildenden aktiv zur Seite stehen und diese auf dem Weg hin zur Abschlussprüfung intensiv begleiten. Damit können Unsicherheiten entgegengewirkt und Fragezeichen in den Köpfen der Auszubildenden verhindert werden.

Fuchs: Auf mittlere und längere Sicht könnten natürlich Ausbildungsbetriebe wegfallen. Es könnte auch sein, dass sich die heutigen Schüler der Jahrgangsstufen acht bis zehn nicht mehr so gut über Berufe informieren können wie zuvor. Das erste Problem können wir nicht verhindern. Zum zweiten: Wir entwickeln neue Wege zur Beratung. Unsere „Roadmap 2021“ als neues, virtuelles Format zur Berufs- und Studienorientierung wird rege genutzt.

Wirkt sich die Corona-Pandemie auf die Anzahl der Ausbildungsstellen aus? 

Gerbeth: Aktuell sind wir mit Blick auf die Anzahl der Neuverträge hinter den Zahlen der Vorjahre zurück. Die Ausbildungsbereitschaft in der heimischen Wirtschaft ist aber nach wie vor vorhanden. Wir sind daher sehr zuversichtlich, dass mit einer nachlassenden Pandemie ein Anstieg der Anzahl der Neuverträge einhergehen wird.

Fuchs: Die Unternehmen vermitteln uns, dass das neue Ausbildungsjahr kein schlechtes werden muss. Ein altbekanntes Thema gewinnt neu an Gewicht: die Verbundausbildung. Mit ihrer Hilfe können kleinere oder hoch spezialisierte Unternehmen hervorragend ausbilden. Diese Modelle werden wir ausbauen. Von daher: keine Entwarnung, aber Optimismus!

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