Im Gesundheitsamt Fulda arbeiten aktuell 15 zusätzliche Mitarbeiter.
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Im Gesundheitsamt Fulda sollen die Kapazitäten verdoppelt werden.

Kontakte von Covid-Positiven nachverfolgen

Druck auf Gesundheitsamt wächst - Fulda verdoppelt Kapazitäten

  • Volker Nies
    VonVolker Nies
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Der Vater der Schülerin eines Fuldaer Gymnasiums ist sauer: Die Schulleitung schickte seine Tochter nach Hause, als eine Sitznachbarin positiv auf Corona getestet worden war. Aber das Gesundheitsamt meldete sich nicht.

Fulda - Die Schulleitung hatte die Liste der Sitznachbarn des positiv auf das Coronavirus getesteten Mädchens ans Gesundheitsamt geschickt, die Schüler nach Hause geschickt und ihnen erklärt, dass sich das Gesundheitsamt bei ihnen melde. Das passierte aber erst nach einer Woche. „Das Gesundheitsamt Fulda ist von der Vielzahl der Fälle offenbar vollkommen überfordert“, schimpft der Vater. Sein Groll wird dadurch gesteigert, dass er im Gesundheitsamt telefonisch nicht durchkam.

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Corona-Pandemie: Druck auf Gesundheitsamt Fulda wächst

Ist das Fuldaer Gesundheitsamt überfordert? Vize-Landrat und Gesundheitsdezernent Frederik Schmitt (CDU), der das Corona-Testzentrum am Klinikum Fulda erst kürzlich besuchte, tritt diesem Eindruck entgegen, bittet aber auch um Verständnis: „Die steigenden Corona-Infektionszahlen sorgen für steigenden Druck auf die Kolleginnen und Kollegen im Gesundheitsamt des Landkreises. Wir sind aktuell dabei, die Kapazitäten nochmals zu verdoppeln.“ Diese gelte vor allem für den Bereich, der in der Nachverfolgung der Kontaktpersonen und in der momentan sehr stark frequentierten Hotline tätig sind. Erst vor kurzem stellte das Gesundheitsamt in Fulda 15 neuen Mitarbeiter ein.

An der Strategie des Kreises habe sich nichts geändert, sagt Schmitt: „Die Kontaktpersonen-Nachverfolgung ist nach wie vor wesentliches Mittel, um Cluster zu erkennen und Infektionsketten zu unterbrechen.“ Das Gesundheitsamt richte bei der Kontaktpersonen-Nachverfolgung in der Corona-Pandemie den Blick nach vorn („wer könnte als nächstes angesteckt werden?“) und nach hinten („wer war die Quelle der Covid-19-Infektion?“). Daher sei es wichtig, dass die infizierten Personen möglichst vollständig erklärten, mit wem sie in den Tagen zuvor eng, lange und eventuell ohne Maske zusammen waren.

Kreis Fulda hat Bundeswehr um Hilfe gebeten

„Diese Informationen benötigen wir auch deshalb, um zu priorisieren, um etwa rasch zu erfahren, ob unter den Kontaktpersonen ersten Grades Pflegekräfte oder andere Personen aus sensiblen Bereichen sind. Bei ihnen ist es umso wichtiger, sie rasch ausfindig zu machen, um wiederum jene Menschen zu schützen, um die sie sich kümmern“, sagte Schmitt. Der Kreis will auch Hilfe der Bundeswehr in Anspruch: Der Kreis hat die Bundeswehr beim Thema Mobile Abstricheinheit um Hilfe gebeten (Lesen Sie hier: Auch im Main-Kinzig-Kreis unterstützt die Bundeswehr ab sofort das Gesundheitsamt im Kampf gegen Corona). Dabei geht es darum, im Falle eines Corona-Verdachts direkt in einer Einrichtung - zum Beispiel in einem Altenheim - Tests durchzuführen.

Im Fall der betroffenen Schülerin und ihrer Klassenkameraden sei es in der Tat zu Verzögerungen gekommen, räumt Kreissprecherin Leoni Rehnert ein. Grund: Am Tag der Meldung aus der Schule und am Tag danach musste das Gesundheitsamt 109 positive Fälle und deren Kontaktpersonen betreuen. Die betroffenen Schüler hätten dennoch klar gewusst, was sie tun mussten: „Durch die Schulleitung war den Schülern bekannt, dass sie als Kontaktpersonen ersten Grades gelten, und daher in Quarantäne bleiben müssen.“

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Vize-Landrat: Coronavirus-Teststrategie hat sich verändert

Von Ärger an dem betroffenen Gymnasium über die späte Meldung aus dem Gesundheitsamt wisse sie nichts: „Die Zusammenarbeit zwischen Gesundheitsamt und Staatlichem Schulamt Fulda ist eng, regelmäßig und effizient. Bisher sind keine speziellen Probleme an uns herangetragen worden.“

Geändert habe sich allerdings die Corona-Teststrategie, berichtet der Vize-Landrat: „Bisher wurden Kontaktpersonen ersten Grades zweimal getestet: direkt zu Beginn der Quarantäne und dann nach fünf bis sieben Tagen. Aktuell sind wir dazu übergegangen, frühestens am fünften Tag zu testen. Dies geschieht vor allem, da in den ersten Tagen nach dem Kontakt das Virus nur selten nachzuweisen ist. Zugleich kann ein negativer erster Test nicht die Quarantäne verkürzen oder beenden.“ Allerdings würden so Testkapazitäten geschont und die Labore entlastet. „Sollte jemand als Kontaktperson vor dem fünften Tag Symptome entwickeln, wird er selbstverständlich früher getestet“, sagt Schmitt. Auch das Gesundheitsamt im Main-Kinzig-Kreis hat auf die steigende Zahl der Corona-Fällen unter Schülern und Lehrer reagiert und die Strategie modifiziert.

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