Im Corona-Jahr 2020 sammelten die Müllabfuhren in Deutschland, wie hier im Fuldaer Stadtteil Edelzell,  deutlich mehr Abfall ein.
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Im Corona-Jahr 2020 sammelten die Müllabfuhren in Deutschland, wie hier im Fuldaer Stadtteil Edelzell, deutlich mehr Abfall ein.

Abfallaufkommen als Problem

Das Jahr des Mülls? Corona-Pandemie sorgt bundesweit für Abfallberge - Fulda stößt an seine Grenzen

Restaurantbesuche waren 2020 rar: Entweder das Gasthaus war wegen des Corona-Maßnahmen ohnehin geschlossen, oder man igelte sich in der Pandemie lieber zu Hause ein. Eine Folge dieser Entwicklung bekamen die Müllabfuhren - auch in Fulda - zu spüren.

Fulda/Frankfurt - Deutschlands Müllabfuhren haben in diesem Jahr deutlich mehr Glas und Plastik eingesammelt als zuvor. Die Mengen dieser beiden Abfallarten erhöhten sich im Vergleich zum Vorjahr um jeweils sechs Prozent, wie eine Umfrage des Bundesverbandes der Deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft (BDE) unter seinen Mitgliedsfirmen ergab. Der Grund für das Plus ist Corona: Wegen der Pandemie gehen die Menschen zum Essen weniger oder gar nicht mehr in Restaurants, stattdessen kaufen sie mehr ein oder bekommen Essen geliefert.

Bei den Papierabfällen gab es den Angaben zufolge nur ein Plus von zwei Prozent. Hier gab es allerdings eine Verschiebung bei den Papierarten: Während die Menge des grafischen Papiers – vor allem Zeitungspapier – wegen der Digitalisierung erneut deutlich sank, landeten wesentlich mehr Pappkartons in den Mülltonnen und Containern. Dies wiederum lag an dem boomenden Online-Handel.

Corona-Jahr sorgt für Müllberge: Auch Fuldas Müllentsorgung stieß an ihre Grenzen

In der Umfrage geht es um Abfall aus Privathaushalten. Die Trennlinie zu gewerblichem Müll, auf dessen Menge die Umfrage keine genauen Rückschlüsse zuließ, ist unscharf, schließlich bringen Restaurants ihre leeren Weinflaschen mitunter auch zum Container um die Ecke – Mengen aus diesen Abholbehältern waren bei der Umfrage inbegriffen. Auch in Fulda stießen Müllmänner an ihre Grenzen.

So bemerkte der Kreis Fulda bereits im März diesen Jahres in einer Pressemitteilung, dass mehr Abfall als gewohnt neben den Mülltonnen platziert wurde. „Ganz offensichtlich wirken sich die Vorsichtsmaßnahmen auch dahingehend aus, dass viele Bürgerinnen und Bürger, die zu Hause bleiben, Wohnungen und Keller aufräumen, Gärten vorbereiten und allerhand Einkäufe getätigt haben“, schrieb der Kreis damals zu den Ursachen des Müll-Anstiegs.

Zeitweise sei es nicht möglich gewesen, die Abfuhren innerhalb der üblichen Sammelzeiten zu erledigen. Ein Stadtreiniger aus Fulda berichtete gar davon, dass der Lockdown für doppelte Arbeit sorge. „Alles wird draußen gegessen und der Müll bleibt liegen.“ Auch das Zuhausebleiben wegen Corona spürten die Stadtreiniger. Denn viele Menschen hatten durch das Coronavirus Zeit zu entrümpeln. Dies sorge schon einmal dafür, dass Autoreifen oder Industrieküchen an Orten entsorgt würden, an die sich nicht gehören.

Erhöhtes Müllaufkommen in ganz Deutschland - 20.000 Tonnen mehr Sperrmüll in Frankfurt

BDE-Präsident Peter Kurth wies derweil auf ein weiteres Problem hin: Viele Menschen schmeißen ihren gebrauchten Mund-Nase-Schutz und Gummihandschuhe in die Gelbe Tonne oder in den Gelben Sack, obwohl sie in den Restmüll gehören. „Diese Materialien sind keine Verpackungsmaterialien“, betonte er. „Ihre Zusammensetzung ist für den Recyclingprozess ungeeignet.“ Landen solche Abfälle in der falschen Tonne, erschwert das den Aballverwertern die Arbeit – im schlimmsten Fall werden Teile der Verpackungsmengen aussortiert und landen in der Verbrennung. Wie andere Branchen hatten auch die Müllabfuhren, Sortieranlagen und Abfallverwerter umfangreiche Hygienekonzepte eingeführt. Der Verbandschef zeigte sich erleichtert, dass diese Konzepte gut funktioniert hätten. „So hat es keine flächendeckenden Ausfälle in der Entsorgung durch Quarantänemaßnahmen für Mitarbeiter gegeben“, sagte Kurth.

Der BDE hat 750 Mitglieder aus allen Bereichen der Abfallwirtschaft – ob Müllabfuhr, Sortier- oder Verbrennungsanlagen, ob Verwerter oder Zulieferer. Marktführer in der Branche ist Remondis aus NRW. Ein Firmensprecher berichtete besonders bei Glas von einem starken Mengenplus – je nach Region und Monat lag das Plus bei bis zu 20 Prozent.

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Corona sorgt für mehr Müll in Deutschland - Umweltschützer sehen hohes Abfallaufkommen als Problem

Nach deutlich höherer Nachfrage im März und April, als die Restaurants erstmals schließen mussten, habe sich die Lage in den Sommermonaten entspannt, so der Remondis-Sprecher. In der seit Anfang November andauernden zweiten Phase der Gastro-Schließungen zögen die Glasmengen aber wieder an. „Die Menschen konsumieren ihre Getränke derzeit nicht mehr in Restaurants, sondern daheim – daher landet viel mehr Glas in unseren Containern.“ Mancherorts seien die Abhol-Behältnisse nach einer Leerung viel früher voll als normalerweise. „So schnell sind Container sonst nur nach Weihnachten und Silvester voll.“

Hintergrund - Mehr Müll in Frankfurt

Nicht nur bundesweit wurden größere Müllmengen festgestellt. Ähnlich stellt sich die Situation in Frankfurt dar. Dort wurde ein kräftiges Mengenwachstum registriert. Es seien insbesondere mehr Sperrmüll, Glas, Bioabfall und Verpackungen angefallen, teilte das Umweltdezernat der Stadt mit. Bei den Wertstoffhöfen seien bis zu drei Mal mehr Besucher gezählt worden.

Beim Sperrmüll etwa verzeichnete die Stadt mit 20.177 Tonnen zwischen dem Beginn der Pandemie im März und November einen Anstieg von 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Grund dafür ist laut Dezernat, dass viele Frankfurter die Zeit während der Corona-Pandemie genutzten hätten, um sich neu einzurichten oder zu renovieren.

Ebenso seien mehr Sonderabfälle über das Schadstoffmobil oder über die stationären Schadstoffsammlungen an den Wertstoffhöfen entsorgt worden, dazu zählen beispielsweise Sprays, Farben und Lacke. Die größeren Glasmengen zwischen März bis November (11.206 Tonnen, plus 11 Prozent) könnten auf die Schließung der Gastronomie zurückgeführt werden, sagte eine Sprecherin.

Mit 22.832 Tonnen ist auch die Menge der Bioabfälle um acht Prozent gestiegen. „Die Menschen haben zuhause natürlich auch mehr gegessen und gekocht“, erklärte Frankfurts Umweltdezernentin Rosemarie Heilig (Grüne). Da zudem mehr Essen bestellt worden sei und mehr Menschen online einkauften, stiegen auch die Verpackungsmengen in der Gelben Tonne um fünf Prozent auf 10.939 Tonnen zwischen März und November.

Umweltschützer sehen das höhere Abfallaufkommen mit Sorge. „Die Coronakrise ist auch eine Plastikkrise“, sagt die Greenpeace-Konsumexpertin Viola Wohlgemuth. Viele Lebensmittel- und Handelsfirmen setzten mehr auf Verpackungen und suggerierten dem Verbraucher damit mehr Sicherheit, kritisiert sie.

„Das ist eine Mär – nicht Plastik hilft gegen das Virus, sondern Hygiene.“ Sie findet es bedauerlich, dass viele Bäckereien und Supermärkte keine mitgebrachten Becher oder Tupperdosen mehr akzeptierten für Kaffee, Käse oder Nudeln, obwohl dies bei Einhaltung normaler Hygieneregeln unbedenklich sei.

Firmen erlaubten das Befüllen von mitgebrachter Tupperware häufig nicht mehr, weil sie unsicher seien, wie genau die staatlichen Vorgaben diesbezüglich seien.

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