In der Corona-Pandemie hat sich in Deutschland mehr Müll angehäuft.
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In der Corona-Pandemie hat sich in Deutschland mehr Müll angehäuft. Das berichten auch die Zuständigen in Osthessen.

Zuständige aus Osthessen berichten

Private Haushalte entsorgen in der Corona-Pandemie deutlich mehr Müll - So groß ist der Anstieg

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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Das Müllaufkommen hat sich in der Corona-Pandemie in Deutschland spürbar verändert. Das bestätigen neben Daten der Deutschen Gesellschaft für Abfallwirtschaft (DGAW) auch Stimmen für die Region.

Osthessen - Im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr 2020 waren bundesweit die Abfallmengen insgesamt um 10 bis 20 Prozent gestiegen. Fixe Werte für das gesamte Jahr 2020 stünden noch nicht fest, insgesamt geht die DGAW aber davon aus, dass 8 bis 10 Prozent mehr Abfall entstanden sind als vor Corona. Für dieses Jahr geht die DGAW für die ersten Monate ebenfalls von einem spürbar erhöhten Abfallaufkommen aus, ehe sich dies im Laufe des Jahres normalisieren könnte.

„Sperrmüllmengen wuchsen während der Pandemie um rund 10 Prozent, sind aber dann wieder auf Normalmaß gesunken“, berichtet die DGAW. Der zweite Corona-Lockdown habe diesen Trend zwar erneut beflügelt, aber nicht im gleichen Ausmaß. „Die meisten Dachböden und Keller waren wohl bereits geräumt.“ Ein treibender Faktor dürfte die zwischenzeitlich gesenkte Mehrwertsteuer gewesen sein, was die Neuanschaffung von Möbeln und elektrischen Geräten attraktiver gemacht hat. (Lesen Sie hier: Wegen Corona wird überall ausgemistet: Sperrmüll sammelt sich auf den Straßen)

Corona-Pandemie: Mehr Müll in privaten Haushalten angefallen - aber auch im öffentlichen Raum

In privaten Haushalten hat sich zudem der anfallende Papiermüll deutlich erhöht, was auf den vermehrten Onlinehandel in der Corona-Pandemie zurückzuführen ist. „Dadurch sind die Mengen an Pappen zwar drastisch gestiegen, gleichzeitig gingen aber die grafischen Papiere weiter zurück“, schreibt die DGAW. Insgesamt sei der entstandene Papiermüll somit nur um etwa zwei Prozent gestiegen – und die Erlöse für die Abfallbeseitiger sogar gesunken, da vor allem das hochwertige grafische Papier lukrativ wiederaufzubereiten ist.

Nicht nur in privaten Haushalten, sondern auch im öffentlichen Raum ist während der Corona-Pandemie mehr Müll angefallen. Laut DGAW kam es vor allem im Sommer – unter anderem durch Verpackungen von Mitnahmeangeboten in Restaurants – zu einem Anstieg. Auch die illegale Müllentsorgung habe zugenommen, mitunter weil Wertstoffhöfe im Corona-Lockdown zeitweise geschlossen waren. In Hannover habe sich der auf öffentlichen Flächen anfallende nicht sachgerecht entsorgte Müll in etwa verdoppelt.

Video zu Corona: Warum Einweg-Masken nach Gebrauch in den Müll gehören

Hintergrund: Wohin mit den Masken?

OP-Masken bestehen zwar aus einem Papiervlies, sie dürfen aber nicht im Altpapier entsorgt werden. Gleiches gilt für die FFP2-Masken, die ebenfalls aus einem Filtervlies hergestellt werden. Diese Varianten sowie die Modelle mit der Kennung KN95/N95 müssen im Restmüll landen, erläutert die Initiative „Mülltrennung wirkt“. Die Masken werden den Experten zufolge am besten gut verschlossen in einem Extra-Plastikbeutel weggeworfen, damit die Mitarbeiter von Entsorgungsunternehmen vor möglichen Viren geschützt sind.

Auf keinen Fall sollten Schutzmasken in der Toilette hinuntergespült werden – denn anders als Toilettenpapier löst sich dieses Papier nicht auf. Vielmehr können sich die Masken in der Kanalisation mit anderen Gegenständen verknoten und das Abwassersystem verstopfen.

Einweghandschuhe sollte ebenfalls in Extrabeuteln in den Restmüll gegeben werden, raten die Entsorgungsexperten. Der Kunststoff, aus dem sie bestehen, ist zu speziell für die übliche Entsorgung von Plastikmüll in der Gelben Tonne und im Gelben Sack.

Haushalte in Quarantäne sollten auf Mülltrennung verzichten und alle Abfälle in die Restmülltonne geben – fest verschlossen in reißfesten Abfallsäcken. Dazu plädiert die Initiative ebenfalls mit Blick auf den Schutz des Personals der Entsorgungsfirmen. Wer kann, sollte Glasabfälle, Pfandverpackungen sowie Elektro- und Elektronikabfälle bis zur Aufhebung der Quarantäne aufbewahren und dann entsorgen.

Hohes Müllaufkommen in der Corona-Pandemie: Das sagt die Stadt Fulda

„Unter anderem wegen des gestiegenen Onlinehandels wurde eine Zunahme bei Verpackungsabfällen, die über die gelbe und die blaue Tonne entsorgt werden, registriert“, berichtet Johannes Heller, Pressesprecher der Stadt Fulda. Auch die Sperrmüllmengen sind im Jahr 2020 gegenüber 2019 demnach um insgesamt 48,5 Prozent gestiegen. Betrachtet man alleine die zweite Jahreshälfte, so waren es sogar 65,4 Prozent.

Nach dem ersten Corona-Lockdown habe es zudem einen starken Andrang am Wertstoffhof gegeben, der zwischenzeitlich geschlossen war. „Auch in den Sommermonaten wurde der Hof noch sehr stark frequentiert. Viele Besucher nutzten offenbar die Zeit, um zu Hause auszumisten oder ihr Heim zu verschönern“, berichtet Heller. Durch den Ausschluss der Grünabfallannahme am Wertstoffhof, die bis heute nur am Reisigsammelplatz in Maberzell möglich ist, seien die Besucherzahlen auf ein verantwortbares Maß reduziert worden. Eine auffällige Zunahme an illegalen Müllablagerungen im Stadtgebiet habe man in Fulda nicht festgestellt.

Die in öffentlichen Bereichen anfallenden Abfallmengen seien seit dem vergangenen Sommer auf gleichbleibend hohem Niveau und liegen deutlich über der Menge in „Nicht-Corona-Zeiten“. „Die Stadt hat schon reagiert und an diversen Stellen zusätzliche oder größere Abfallbehälter aufgestellt, weitere sollen folgen“, berichtet Heller.

So viel Müll hat sich in der Corona-Pandemie angesammelt: Vogelsberg (ZAV) berichtet

Restabfall und Bioabfall sind 2020 im Zuständigkeitsbereich des Zweckverbands Abfallwirtschaft Vogelsbergkreis (ZAV) um 600 Tonnen gestiegen, berichtet eine Mitarbeiterin unserer Zeitung. Das entspricht einem Plus von 5,4 (Restabfall) und 7,9 Prozent (Biomüll) im Vergleich zum Vorjahr.

Papiermüll sei indes etwas weniger angefallen als vor der Corona-Pandemie. „Was definitiv mehr geworden ist, ist die Entsorgung von Sperrabfall. Es wird und wurde viel renoviert, aufgeräumt und ausgeräumt“, bestätigt auch der Zweckverband. „Dass mehr Abfall illegal entsorgt wurde, können wir nicht feststellen. Das Entsorgungszentrum Brauerschwend war nur im März 2020 für Privatanlieferer vorübergehend geschlossen“, führt die Mitarbeiterin aus.

Dank eigens entwickelter Corona-Hygienekonzepte funktioniere es seitdem sehr gut, sodass das Zentrum durchgehend geöffnet sein kann. „Dies ist auch wichtig, damit der Abfall und auch vor allem der Sperrabfall der aufgrund von langer Wartezeit der Terminvergabe und Abholung selbst angeliefert werden konnte.“ Aktuell betrage die Wartezeit auf eine Abholung noch neun statt zuvor fünf bis sechs Wochen.

Veolia gibt Einblicke: Abfallmengen aus gewerblichen Bereich während Corona-Pandemie gesunken

„Die Abfallmengen aus dem gewerblichen Bereich sind während der Pandemie um bis zu 40 Prozent gesunken, da Geschäfte, Restaurants und produzierende Unternehmen zeitweise schließen mussten oder im reduzierten Betrieb gelaufen sind“, berichtet eine Pressesprecherin des bundesweit agierenden Abfallbeseitigungsunternehmens Veolia, das in Eichenzell im Kreis Fulda eine Vorbehandlungsanlage für Gewerbeabfälle betreibt.

„Besonders im Bereich der Papierentsorgung sind wir stark an den Einzelhandel und Gewerbebetriebe gebunden. Durch den anhaltenden Lockdown sind große Abfallmengen daher weggebrochen“, führt sie aus. Dies gelte vor allem für Papier- und Verpackungsabfälle. Es stünden sehr viel weniger Papierabfälle für das Recycling in den Papierfabriken zur Verfügung. „Dies könnte zu einer Unterversorgung des Marktes führen, denn Papierfabriken haben durchschnittlich einen Lagerbestand von etwa zehn Tagen im Voraus“, erläutert die Veolia-Sprecherin.

Die Auswirkungen der Corona-Pandemie seien in der gesamten Entsorgungsbranche zu spüren. „Alle unsere Dienstleistungen sind für systemrelevant erklärt worden, das heißt, wir können, sollen und müssen unsere Dienstleistungen auch dann erbringen, wenn andere Branchen dies nicht mehr können oder dürfen.“ Daher stehe der Schutz der Beschäftigten an oberster Stelle.

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