Kamera vor weißer Wand
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Corona wirkt sich auch auf TV-Produktionen aus.

Pause für die „Roten Rosen“

Corona wirkt sich auch auf TV-Produktionen aus

  • Anke Zimmer
    vonAnke Zimmer
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Auf langfristige Programmankündigungen ist kein Verlass mehr, die ARD-Dreharbeiten zum Jubiläums-„Tatort“ wurden unterbrochen, Moderatoren wirken seltsam blass, und die ZDF-Mainzelmännchen bleiben vergnügt zu Hause: Corona wirkt sich auch auf die Fernsehlandschaft aus. 

Fulda - Fabian Post ist ganz nah dran. Der Herstellungsleiter und Prokurist der mecom fiction, die zur Fuldaer Produktionsfirma Mecom gehört, arbeitet in der Regel in München. „Aber die Corona-Maßnahmen haben hier fast alles ausgebremst“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Fast alles – das heißt: Es gibt keine Dreharbeiten auf öffentlichem Grund. Ein Treffen wie im vergangenen Jahr im thüringischen Mihla, wo die Mecom einen Fontane-Thriller unter der Regie von Uli Edel produzierte, wäre derzeit gar nicht möglich. Wer auf privatem Gelände Szenen aufnehmen will, der muss sich an strenge Regeln halten. Ebenso in Studios. „De facto heißt das: Alle laufenden Produktionen mussten gestoppt werden“, schildert Post.

Fabian Post bei den Mecom-Dreharbeiten zu „Unterm Birnbaum“.

Im fiktionalen Bereich verzögern sich die Auswirkungen

Daran müssen sich die Sender nun anpassen. Wovon der Zuschauer vorerst noch nicht allzu viel merkt. Zumindest, was Filme und Serien betrifft. „Die Vorlaufzeiten in der TV-Branche liegen im Unterhaltungsbereich in der Regel bei drei bis vier Monaten“, sagt Claus Richter, Leiter der Abteilung Kommunikation bei der RTL Television. Eine Versorgungslücke tue sich deswegen derzeit noch nicht auf. Das bestätigt auch Bernhard Möllmann, Sprecher bei der ARD: „Im fiktionalen Bereich werden die Auswirkungen erst mit Verzögerung spürbar“, erklärt er. Den Anfang werde wohl die Serie „Rote Rosen“ machen, wo gegen Ende Mai keine neuen Folgen zur Verfügung stünden. In Zwangspause müssten zudem bald „Sturm der Liebe“ und „In aller Freundschaft“ gehen. Auch die Arbeiten an „Um Himmels Willen“, „Tierärztin Dr. Mertens“ und der zweiten Staffel von „Falk“ wurden abgebrochen. Natürlich wird deswegen die gute alte Sendepause aber nicht reaktiviert. „Im Moment ist noch frische Ware da“, sagt Möllmann und verweist auf „Die Heiland“, die derzeit erfolgreich angelaufen ist, und eine neue Staffel von „Die Kanzlei“, die in Kürze startet. „Aber der Vorrat ist bald aufgebraucht.“ 

Übrigens auch, was den „Tatort“ betrifft, der in diesem Jahr 50. Geburtstag feiert. Die Jubiläums-Doppelfolge kann momentan nicht fertiggestellt werden. Zwar liegen der ARD laut Möllmann „noch einige fertiggestellte ,Tatort‘-Filme vor, aber die reichen nicht für das komplette Jahr“.

Herbe Einschnitte

Herbe Einschnitte verbuchen die Sender natürlich bei Unterhaltungsshows und der Planung von Sportübertragungen. Die eigentlich für die Fußball-EM oder die Olympischen Spiele geplanten großen Sendeblöcke müssen nun anderweitig gefüllt werden. Es gibt kein Studiopublikum mehr. Notfalls muss man Knall auf Fall reagieren wie unlängst die ProSieben-Sat.1-Sendefamilie. Einer der „Masked Singer“ wurde positiv auf Corona getestet, das Ratespiel musste aussetzen. „Bei Ausbruch der Krise hatten wir über 130 laufende Fernseh- und Filmproduktionen“, sagt Michael Benn, PR-Manager bei ProSieben-Sat.1. „Dabei kam es bei rund einem Viertel der Projekte zu massiveren Herausforderungen. Gerade im Scripted-Bereich mussten die Dreharbeiten eingestellt werden, somit werden wir in den Sommermonaten sicher ein paar Wiederholungsstrecken mehr einplanen müssen.“ Er verweist aber auch auf kreative Ideen und Lösungen wie Stefan Raabs „ESC“-Ersatz.

Mit liebevollem Charme reagiert das ZDF. Zwar verschieben sich auch im Zweiten  Produktionen, und Sendungen wie die im Juni in Offenburg geplanten Aufzeichnungen der Publikumsshows „Gottschalks große Popshow“ und „50 Jahre ZDF-Hitparade – die Zugabe“ entfallen. Dafür reagieren die Mainzelmännchen derzeit auf die Corona-Regeln: Det zahlt kontaktlos, Conni lässt von daheim aus Papierflieger flitzen, und Edi hat Spaß beim Bügeln, während es draußen regnet. Ganz davon abgesehen, dass sie beim gemeinsamen Gärtnern oder Spielen die nötige Distanz wahren. 

„Verlangsamte Fahrt“

Was Distanz für einzelne Moderatoren bedeutet, weiß auch Fabian Post von der Mecom und schmunzelt. Denn Maskenbildner dürfen nicht mehr nah ran an die Moderatoren. „Sie geben ihnen jetzt auf Abstand Tipps, wie sie sich schminken sollen.“ Mit mehr oder minder großem Erfolg. Hier und da sind die Männer und Frauen vor der Kamera etwas blass um die Nase...

Ganz hart hat es die Mecom übrigens nicht erwischt. „Wir stehen in der Planung für zwei Fernsehfilme, waren aber noch nicht bei den Dreharbeiten“, so Post. Insofern hat das Virus das Unternehmen nicht komplett ausgebremst. Wiewohl die Arbeit natürlich erschwert ist. „Verlangsamte Fahrt“ nennt es Bernhard Bachmann, Geschäftsführer der mecom vision. Denn auch im Bereich der Imagefilme für Unternehmen sei derzeit vieles nicht möglich. „Man kann ja nicht zusammenkommen für einen Werbefilm, inszenierte Szenen sind nicht möglich.“ Aber es gilt: Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. „Die Produktionen verlagern sich nach hinten“, erklärt er. Und auch Post sagt: „Nach den Beschränkungen geht es wieder richtig los.“ Eine Herausforderung, „die wir wuppen werden“, wie beide Mecom-Männer unisono betonen. Und Fabian Post schiebt noch etwas hinterher, was bei aller gebotenen Distanz letztlich für viele gesellschaftlichen Kreise gilt: „Die Krise hat die Branche ein bisschen zusammenrücken lassen.“ 

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