Maskenpflicht
+
Statt eines Corona-Schnelltests wird in Hessen ab Donnerstag, 11. November, ein PCR-Test benötigt, um ins Restaurant oder Kino gehen zu können. (Symbolfoto)

Umfrage in Osthessen

PCR-Test statt Schnelltest: Neue Beschränkung hat Folgen für Wirte und Hotelbetreiber

Wer nicht geimpft ist, benötigt in Hessen ab Donnerstag einen teuren PCR-Test, um ins Restaurant oder ins Kino zu gehen. Betrifft die neue Regel nur eine Minderheit von Kunden, die beim Umsatz nicht ins Gewicht fällt? Wir haben nachgefragt.

Fulda - Die Verwirrung bei unserer Umfrage war groß: Gilt die neue Corona-Regel in Hessen auch für Hotels, Friseure und Kosmetikstudios? Das wussten am Dienstagvormittag nicht alle, die ihre Betriebe derzeit unter 3G-Bedingungen öffnen. Eine Nachfrage beim zuständigen Sozialministerium brachte es an den Tag: Nicht überall, wo 3G-Regeln herrschen, benötigen Ungeimpfte einen PCR-Test.

In Betrieben, die körpernahe Dienstleistungen anbieten (also zum Beispiel bei Friseuren), genügen Schnelltests – „aus praktischen Gründen“, wie es vom Ministerium heißt. Auch beim Check-in im Hotel genügt für Ungeimpfte der Schnelltest. In Fitnessstudios dagegen wird der PCR-Test für Ungeimpfte zur Pflicht, genauso wie für Besucher, die zum Handballspiel in eine Halle kommen.

Warum wurde der Geltungsbereich der PCR-Testpflicht in den neuen Corona-Regeln in Hessen nicht auf den gesamten 3G-Bereich erweitert, sondern nur partiell, was wieder Unsicherheiten schafft, fragte die Redaktion das Ministerium. Die Antwort: „Für bestimmte Bereiche wurde von einer entsprechenden Regelung abgesehen, beispielsweise bei Gottesdiensten aus Respekt vor der verfassungsrechtlich besonders geschützten Glaubensbetätigung.“

Corona: Neue Beschränkung hat Folgen für Wirte und Hotelbetreiber

„Wir Friseure sind von dieser Verschärfung nicht betroffen“, erklärt Timo Zimmermann, stellvertretender Obermeister der Friseurinnung Fulda. Er habe sich diese Information am Dienstag noch einmal vom Landesinnungsverband bestätigen lassen. Für den Friseurbesuch reiche für Ungeimpfte ein Schnelltest aus.

„Insofern ändert sich bei uns erst einmal nichts. Das ist natürlich eine Erleichterung. Die Situation wäre schwieriger geworden, wenn Kunden einen PCR-Test hätten mitbringen müssen.“ Der Großteil, der sich bei ihm im Geschäft bei Unity Hair am Buttermarkt die Haare schneiden lasse, sei geimpft oder genesen. „Mit Test kommen meist Kinder und Jugendliche. Von den Erwachsenen sind es nur wenige.“

Die Regelung, wonach ein PCR-Test die Eintrittskarte für viele Bereiche des öffentlichen Lebens ist, „schließt Ungeimpfte so gut wie sicher von aller gesellschaftlichen Teilhabe aus“, betont Peter Spahn, Inhaber des Fuldaer Fitnessstudios Paradiso. Das betrifft zwar im Paradiso nur einen kleinen Teil der Mitglieder.

„Aber man kann doch durch Antigen-Testung mit 99-prozentiger Sicherheit nachweislich gesunde Menschen nicht einfach vom Training ausschließen.“ Sollte der Antigen-Schnelltest der Landesregierung plötzlich zu unsicher sein, würde das ja bedeuten, dass man in den letzten Monaten Milliarden Steuergelder sinnlos verschwendet habe, so Spahn.

Er verweist auf eine weitere Unlogik im Gesetz: Warum werden in Schulen weiter die Schnelltests angewendet – wenn er nun für Ungeimpfte in anderen Bereichen nicht mehr ausreicht? Spahn sagt: „In meinen Augen kommt diese Regelung einer indirekten Impfpflicht gleich.“

Die Landesregierung schiebe die Verantwortung und den „Schwarzen Peter“ sowie auch die Schäden auf die Betriebe ab. Er verweist auch darauf, dass ein Antigen-Test für ungeimpfte Mitarbeiter ausreiche, für den Kunden aber nicht. „Und das soll noch einer verstehen!“ (Lesen Sie auch: Druck auf Ungeimpfte weiter erhöhen? Das sagen Politiker aus Osthessen)

Geschäftsleiter des Esperantohotels befürchtet Stornierungen

„Im Tagungsbereich haben wir schon 2G, da wird sich durch die Verschärfung nicht viel ändern. Aufgrund der hohen Inzidenzen werden einige Tagungen aber auch abgesagt“, erklärt Martin Gremm, Geschäftsleiter des Esperantohotels. Auch wenn Hotelgäste im Esperanto in Fulda oder im Bäder Park Hotel in Künzell zum Einchecken keinen PCR-Test brauchen, so ist der Test im Restaurant „Toro Negro“ im Esperanto Pflicht.

„Gäste, die nun einen PCR-Test dafür brauchen, kommen sicher nicht mehr. Das steht ja in keinem Verhältnis.“ Ähnlich sei das bei einem Thermenbesuch in den Sieben Welten, auch da genügt ab Donnerstag für den Eintritt Ungeimpfter nicht mehr der einfache Schnelltest. „Wir werden sicherlich Stornierungen von Wellnessgästen erhalten, aber in welcher Höhe das sein wird, das bleibt abzuwarten“, erklärt Gremm.

Andreas Rau: „2G ist diskriminierend“

Auch Andreas Rau, Inhaber des „Fuldaer Haus“ in der Rhön ist sich sicher, dass die Verschärfungen auf jeden Fall Auswirkungen auf das Geschäft haben werden. Dennoch bleibe der Restaurant-Inhaber bei 3G. „Eine 2G-Regelung finde ich diskriminierend“, sagt Rau.

„Wenn man jetzt als Ungeimpfter für den Restaurantbesuch einen PCR-Test braucht, wird das keiner machen“, fügt er an. „Schon jetzt haben wir die Absage eines Jubiläumsessens, weil da auch Ungeimpfte dabei gewesen wären. Auch befürchte ich, dass Weihnachtsfeiern wieder storniert werden. Für uns ist das alles nicht schön.“

Video: 3G am Arbeitsplatz - Das planen die Ampel-Parteien

Mit Blick auf die Konzert-Besucher sagte der Pressesprecher der Stadt Fulda, Johannes Heller, dass es in Fulda nicht viele betreffen würde: „Bei unseren bisherigen Konzerten im Fürstensaal haben nur ein bis zwei Prozent, also pro Konzert maximal fünf Personen, einen Schnelltest vorgezeigt.“ Alle anderen seien vollständig geimpft, bzw. hätten als Schülerinnen oder Schüler ihr Corona-Testheft aus der Schule vorgezeigt.

„Gäste, die nun einen PCR-Test benötigen und diesen nicht machen möchten, können ihre Karten zurückgeben“, führt Heller aus. „Am Platz gilt weiterhin keine Maskenpflicht, da wir ja mittels Einlasskontrolle und Hygienekonzept (Auslastung Fürstensaal, Lüften in der Pause etc.) entsprechend vorgesorgt haben.“

Hintergrund: Wo gibt es PCR-Tests in Fulda?

PCR-Tests gibt es unter anderem beim DRK oder auch in Apotheken. Diese genaueren Covid-19-Tests sind deutlich teurer als Antigen-Schnelltests. Auch dauert es länger, bis das Ergebnis da ist. Sehr schnell geht es zum Beispiel in der Rosen-Apotheke in Fulda. Hier kann das Ergebnis des PCR-Tests schon nach drei Stunden erfragt werden. Dieser schnelle Test kostet dann allerdings auch 150 Euro. Günstiger ist es, wenn man das Ergebnis nicht so schnell braucht. Noch am selben Tag erhält man das Ergebnis für 119 Euro, innerhalb von 24 Stunden für 89 Euro.

Auch die Bonifatius-Apotheke in Fulda bietet PCR-Tests an. Hier starten die Preise bei 79 Euro. „Demnächst bekommen wir ein Gerät und erhalten die Testergebnisse innerhalb von zwölf Stunden“, erklärt Filialleiterin Sabine Pappert. Die Nachfrage sei da. Vor allem für Reisen benötigen Kunden die PCR-Tests. „Aber es gibt auch Leute, die den Test machen, um ins Restaurant zu gehen“, sagt Pappert.

Mit der Spessart-Therme und dem Spessart-Forum sei Bad Soden-Salmünster im Main-Kinzig-Kreis hauptsächlich betroffen, berichtet Kurdirektor Stefan Ziegler. „Wir setzen das um, was uns vorgegeben wird“, sagt er. Allerdings beklagt er, dass abermals nur eine kurze Zeitspanne bleibe und der Kurbetrieb wieder vor massive Herausforderungen gestellt werde, „ohne die genauen Entscheidungen zu kennen“. Bislang habe etwa jeder fünfte Besucher auf Corona-Schnelltests zurückgegriffen.

„Menschen, die bislang getestet zu uns gekommen sind, wollen jetzt ihre Präventionskurse absagen“, sagt Ziegler. Er bezeichnet die PCR-Test-Regelung als „2G durch die Hintertür“. Und die Mitarbeiter würden „für Dinge angegangen, für die sie null Komma null etwas können. Es ist nicht vergnügungssteuerpflichtig, was sie sich an Kasse und Telefon anhören müssen“, klagt der Kurdirektor. Und: „Es wäre schön, mal etwas mehr Vorlauf zu haben und nicht binnen zwei Tagen alles umstellen zu müssen.“ (bt, dan, az, tim)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema