Eine Szene in einem Pflegeheim (Symbolfoto).
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Eine Szene in einem Pflegeheim (Symbolfoto).

Barmer-Pflegereport

Hoher Krankenstand in Pflegeberufen: Corona-Pandemie verschärft angespannte Lage deutlich

  • Daniel Krenzer
    vonDaniel Krenzer
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In kaum einer Branche ist der Fachkräftemangel so dramatisch spürbar wie in der Pflege, erklärt die Barmer in ihrem Pflegereport. Die Corona-Pandemie habe die Situation deutlich verschärft und die ohnehin schon hohe Arbeitsbelastung der Beschäftigten noch einmal zusätzlich verstärkt.

Fulda - „Viele Pflegekräfte fühlen sich physisch und psychisch überfordert“, heißt es im aktuellen Pflegereport der Krankenkasse. Demnach sind auch Pflegekräfte in Hessen deutlich häufiger krank und werden öfter frühverrentet als viele andere Berufstätige. Durch Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung gehe dem Pflegebereich in Hessen jährlich ein Potential von über 1660 Pflegekräften verloren. (Lesen Sie hier: Mehr Pflege-Azubis, aber nicht genug: Hessen auf bundesweit letztem Platz)

„Die Pflege muss aus dem System heraus gestärkt werden – mit gezieltem Personalaufbau, angemessener Vergütung und gesünderen Arbeitsbedingungen“, betont Martin Till, Landesgeschäftsführer der Barmer in Hessen. Die Zahl der Pflegebedürftigen in Hessen hat sich in den vergangenen 20 Jahren mehr als verdoppelt. Während es im Jahr 1999 145.000 Pflegebedürftige in Hessen gab, waren 2019 310.000 Menschen pflegebedürftig (ab 2013 wurden die Leistungsberechtigten mit Pflegestufe 0 mitgezählt/Quelle: Barmer, statistisches Landesamt), Tendenz weiter steigend.

Corona verschärft Pflege-Problem: Immer mehr Kräfte fallen aus

Auch die so genannte Pflegequote hat in den vergangenen zwanzig Jahren stark zugenommen. 1999 waren 240,3 Menschen je 10.000 Einwohner in Hessen Pflegebedürftig, 2019 waren es 494,7 (Quelle: Barmer, statistisches Landesamt).

Zwischen den Jahren 2016 und 2018 waren nach den Angaben der Barmer in Fulda durchschnittlich 7,3 Prozent der Hilfskräfte und 7,4 Prozent der Fachkräfte in der Altenpflege krankgeschrieben. In den sonstigen Berufen lag der Krankenstand im Landkreis im Durchschnitt bei 4,7 Prozent.

„Die Arbeitssituation in der Pflege greift die Gesundheit der Beschäftigten massiv an. Wenn sie ausfallen, werden Kolleginnen und Kollegen zusätzlich belastet. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden, zumal die Corona-Pandemie die angespannte Arbeitssituation noch einmal verschärft“, sagt Till.

Video: Ausnahmezustand für Pflegepersonal - So stressig ist der Arbeitsalltag

Der Pflegeberuf sei so kraftraubend, dass überproportional viele Beschäftigte nicht bis zur Rente durchhielten. So sei zum Beispiel in Fulda der Anteil der Altenpflegefachkräfte mit einer Erwerbsminderungsrente (7,6 Verrentungen je 1000 Erwerbstätige) fast doppelt so hoch wie die Erwerbsminderungsverrentungen der Altenpflegefachkräfte im Bundesdurchschnitt (3,9 Verrentungen je 1000 Erwerbstätige). (Lesen Sie hier: Mehr Azubis in der Pflege: Deutschlandweiter Trend ist in der Region nur teilweise zu sehen)

Mehr Krankheitstage pro Arbeitnehmer aufgrund von Corona-Erkrankungen als das Personal in medizinischen Berufen hat laut AOK derzeit keine Gruppe. Auf Platz zwei liegen Menschen, die in der Kinderbetreuung und -erziehung arbeiten.

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