Corona-Masken helfen bei Heuschnupfen
Sind Allergiker bei Corona-Infektionen besonders gefährdet?
+
Sind Allergiker bei Corona-Infektionen besonders gefährdet?

Studie aus München

Höheres Corona-Risiko für Allergiker? Wissenschaftler untersuchen Infektionen bei starkem Pollenflug

  • Ann-Katrin Hahner
    vonAnn-Katrin Hahner
    schließen

Hängen Pollenflug und die hohen Corona-Infektionszahlen des Frühjahrs zusammen? Professor Dr. Claudia Traidl-Hoffmann vom Helmholtz-Institut in München ist dieser Frage in einer Studie nachgegangen.

Fulda - Seit dem Beginn der Corona-Pandemie im vergangenen Jahr herrscht bei vielen Allergikern Verunsicherung. Nicht nur decken sich die Symptome einer Pollenallergie – wie Husten und Atembeschwerden – teilweise mit denen einer Covid-Erkrankung. Betroffene stellen sich auch die Frage, inwiefern sie durch den Pollenflug anfälliger für eine Infektion mit dem Virus sind. Denn gerade im Frühjahr, wenn der Pollenflug beginnt, scheinen gleichsam die Infektionszahlen in die Höhe zu schnellen.

Die Korrelation des Blütenstaubs und der steigenden Corona-Infektionszahlen, haben Professor Dr. Claudia Traidl-Hoffmann und ein internationales Team von Forschern der Technischen Universität München (TUM) und des Helmholtz Zentrums in einer Studie untersucht, die kürzlich im Fachmagazin Proceedings of the National Academy of Sciences (kurz PNAS) veröffentlicht wurde. Dabei analysierten die Wissenschaftler Daten zu Pollenbelastung und den Sars-CoV-2-Infektionsraten aus 130 Regionen in 31 Ländern. Der betrachtete Zeitraum waren die Monate Februar, März und April des Jahres 2020. (Bleiben Sie mit dem Corona-News-Ticker für Hessen auf dem Laufenden.)

Höheres Corona-Risiko für Allergiker? Studie zu Infektionen bei Pollenflug

„Wir sind mit einer recht klaren Hypothese gestartet. Denn in einer vorangegangen Studie aus dem Jahr 2019 hatten wir festgestellt, dass Pollen die antivirale Immunantwort der Schleimhäute beeinträchtigen“, sagt Traidl-Hoffmann. Das heißt: Die Nasenschleimhaut kann Krankheitserreger nicht mehr so gut abwehren.

In erwähnter Vorstudie, an der 20.000 Menschen mit und ohne Allergien beteiligt waren, haben die Forscher den Probanden Pollenextrakt in die Nase gesetzt und beobachtet, wie sie auf Schnupfenviren reagieren. „Wir stellten fest, dass die Abwehrfunktion der Schleimhäute gehemmt war und es in Anwesenheit von Pollen leichter zu einer Infektion kam“, sagt Traidl-Hoffmann.

Dr. Claudia Traidl-Hoffmann

Claudia Traidl-Hoffmann (51) ist Professorin für Umweltmedizin an der Medizinischen Fakultät der TU München sowie Chefärztin für Umweltmedizin des Augsburger Universitätsklinikums. Kernthemen ihrer Forschung sind die Folgen des Klimawandels auf Umwelt und Gesundheit.

In der Studie zu dem PNAS-Artikel wollte man nun nicht die Schnupfen-, sondern Coronaviren untersuchen. Dabei stellte das Team um Traidl-Hoffmann fest: An Orten ohne Lockdown-Regelungen stieg die Infektionsrate im Schnitt um vier Prozent, wenn sich die Anzahl der Pollen in der Luft um 100 pro Kubikmeter erhöhte. In manchen deutschen Städten seien im Untersuchungszeitraum zeitweise pro Tag bis zu 500 Pollen auf einen Kubikmeter gekommen – dabei stiegen die Infektionsraten um mehr als 20 Prozent.

Doch bedeuten diese Ergebnisse automatisch, dass Pollenflug eine Infektion mit dem Coronavirus begünstigt, wie es bei Publikwerden der Studie bei Patienten und Ärzten deutschlandweit erschien? Traidl-Hoffmann verneint dies. „Es ist äußerst wichtig zu verstehen, dass dies eine reine Korrelationsstudie war. Und es sind mehrere Umweltfaktoren, die als Trigger des Infektionsgeschehen mit beachtet werden müssen: Pollen, Temperatur, UV und auch Luftfeuchte.“

Video: Heuschnupfen - Diese Pollen schwirren derzeit durch die Luft

Die Professorin betont: „Wir wissen, dass starker Pollenflug – also mehr als 500 Pollen pro Kubikmeter – die Schleimhäute jedes Menschen, ungeachtet ob er ein Allergiker ist oder nicht, angreift. Die Wahrscheinlichkeit an Corona zu erkranken, wird jedoch von sehr individuellen Risikofaktoren wie Vorerkrankungen bestimmt.“ Menschen, die lediglich unter einer Pollenallergie leiden, hätten auf Basis der derzeitigen Datenlage kein höheres Risiko für eine Infektion mit dem Coronavirus als Nichtallergiker, beruhigt die Forscherin. Auch müssten Pollenallergiker keinen schwereren Verlauf bei einer Corona-Erkrankung fürchten als Nicht-Allergiker.

Die erhöhte Pollenkonzentration in der Luft sei also nur möglicherweise für einen Teil der Veränderung der Sars-CoV-2-Infektionsraten im Frühjahr verantwortlich. Keinesfalls sei sie die alleinige Ursache. Dennoch: Der Pollenflug sei einer von vielen Umweltfaktoren, die man bei der Entwicklung der Pandemie in Zukunft berücksichtigen und untersuchen müsse.

„Die Ergebnisse sind insofern interessant, als dass wir nicht nur Pollen, Temperatur und Luftfeuchte sondern auch Umweltverschmutzung, also ultrafeine Partikel, in Zukunft als Einflussfaktoren oder Treiber von Pandemien auf dem Zettel haben müssen“, gibt die Professorin einen Ausblick auf die Zukunft. (Lesen Sie hier weitere Infos, wie Pollen das Infektionsrisiko beeinflussen*)

Tipps für Allergiker in der Corona-Pandemie - „Maske darf nicht zu feucht werden“

Dr. Michaela Deubel, Fachärztin für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie in Fulda, gibt in einem kurzen Interview Tipps für Allergiker in der Corona-Pandemie.

Wie kann man die Symptome einer Pollenallergie von einer Corona-Infektion unterscheiden?
Das ist für Laien extrem schwierig. Generell geht eine Allergie aber eher mit einem Jucken, zum Beispiel an Nase, Augen oder Gaumen, einher. Allergiker müssen sich hier auf ihre Erfahrungen aus den Vorjahren verlassen. Eine Garantie gibt es aber nicht und wenn man unsicher ist, gerade weil trockener Husten sowohl bei Corona als auch bei einer Allergie auftreten kann, hilft eben nur ein Test.
Was können Sie Pollenallergikern in Zeiten der Pandemie empfehlen?
Allergiker, die zu Fließschnupfen neigen, sollten darauf achten, dass ihre Maske nicht zu feucht wird, denn sie hält nicht nur Viren, sondern auch Pollen ab. Bei Juckreiz empfiehlt es sich, ein Antihistaminikum zu nehmen, um zu vermeiden, dass sich mit den Händen an Nase und Augen gegriffen wird.
Gibt es eine Möglichkeit, die Reizung der Pollen auf die Schleimhäute zu minimieren?
Regelmäßige Nasenduschen halten die Schleimhäute feucht und spülen die Pollen von der Schleimhautoberfläche weg. Außerdem gibt es hyaluron- und lipidhaltige Sprays, die sich wie ein Schutzfilm auf die Schleimhäute legen. In den eigenen vier Wänden sollte man darauf achten, nachts zu lüften. Zudem gibt es Luftreinigungsgeräte, die die Pollen gut filtern.

*ruhr24.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema