Kultusminister Alexander Lorz (CDU) äußerte sich im Interview in Fulda über Schule in Zeiten der Corona-Pandemie.
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Kultusminister Alexander Lorz (CDU) äußert sich im Interview über Schule in Zeiten der Corona-Pandemie.

„Wir sind besser gerüstet“

Bleibt Präsenzunterricht trotz steigender Corona-Inzidenz? Kultusminister Lorz zeigt sich optimistisch

  • Rainer Ickler
    VonRainer Ickler
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Kultusminister Alexander Lorz (CDU) äußert sich im Interview, wie er den Präsenzunterricht gewährleisten will, was mit den Schülern in Corona-Quarantäne geschieht und wie wichtig es ist, auch die Eltern in das Förderprogramm des Kultusministeriums „Löwenstark“ einzubinden.

Fulda - Die Schüler der Bonifatiusschule Fulda haben am Dienstag ihre Einschulung mit dem hessischen Kultusminister Alexander Lorz und Bundesbildungsministerin Anja Karliczek gefeiert. Anlässlich dieses Termins hat unsere Zeitung in Fulda ein Interview mit dem CDU-Minister Lorz über Schule in Zeiten der Corona-Pandemie geführt.

Woher nehmen Sie Ihren Optimismus, dass der Unterricht in diesem Schuljahr 2021/22 als Präsenzunterricht abgehalten werden kann?
Wir haben bessere Voraussetzungen als voriges Jahr. Wir wissen mehr über die Pandemie, wissen mehr über das Virus und sein Gefahrenpotenzial für Kinder und Jugendliche. Und wir haben die gut erprobten Tests, die Masken, wissen mehr über Hygiene und wir haben vor allem die Impfungen. Wir sind besser gerüstet.

Corona: Präsenzunterricht trotz steigender Inzidenz? Kultusminister Lorz optimistisch

Gibt es eine Inzidenz oder einen Gradmesser, wo doch wieder Wechsel- und Distanzunterricht nötig wird?
Es gibt den Wunsch und Willen, dauerhaft Präsenzunterricht durchzuführen. Inzidenzen sind wegen der Impfquote nicht mehr der einzig richtige Maßstab – das gilt für viele Bereiche der Gesellschaft und natürlich auch für die Schulen. Wir haben mit Impfungen, Tests und auch den Lüftungsplänen und Luftfiltern gute Werkzeuge, mit denen wir den Wechsel- und Distanzunterricht vermeiden können.
Was ist mit den Kindern, die doch in Quarantäne müssen?
Unser neuer gemeinsamer Quarantäneerlass mit dem Sozialministerium vereinheitlicht das Vorgehen. Infizierte Schülerinnen und Schüler können nach sieben Tagen mit einem negativen Test in den Unterricht zurückkehren. Unmittelbare Sitznachbarn in der Klasse, die in Quarantäne geschickt wurden, bereits am dritten Tag.

Luftfilter in den Schulen

Der Stadtelternbeirat Fulda sieht dem Schulstart mit gemischten Gefühlen entgegen: „Wir schauen mit Sorge auf die Ausbreitung des Virus, hoffen aber, dass es möglichst viel Präsenzunterricht geben wird“, heißt es vom Beirat auf Nachfrage unserer Zeitung.

„Die Anschaffung der zusätzlichen 125 mobilen Lüftungsanlagen für die Schulen in städtischer Trägerschaft begrüßen wir“, erklärt der Beirat. Allerdings sei die Anzahl der Luftfilter nicht ausreichend. „Es müssen flächendeckend alle Räume der Klassen 1 bis 6 – unabhängig von den Kategorien der Lüftbarkeit des Bundesumweltamts – mit entsprechenden Geräten ausgestattet werden.“ Diese Klassen müssten aufgrund des nicht bestehenden Impfangebots besonders geschützt werden.

Zum Start ins neue Schuljahr ist bisher nur ein Teil der Klassenräume in den Schulen in Hessen mit Luftreinigern und Lüftungsanlagen ausgestattet. Das ergab eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur. Demnach setzen die Kommunen auch mit Blick auf Expertenempfehlungen neben den technischen Lösungen weiter aufs regelmäßige Lüften im Kampf gegen die Ausbreitung des Coronavirus.

Beim hessischen Kultusministerium hieß es, alle Schulträger kämen ihrer Verantwortung nach und hätten bereits Maßnahmen umgesetzt. Der Einsatz technischer Geräte sei vor allem in solchen Räumen sinnvoll, in denen keine anderweitige Belüftung möglich sei - sie könnten das Lüften aber „niemals vollständig ersetzen“, sagte ein Ministeriumssprecher. „Wir haben aber ein wenig die Sorge, dass im Winter, wenn es ein bisschen kälter wird, die Fenster zu bleiben und die Geräte falsch eingesetzt werden.“ (lwe, dpa)

Lehrerverbands-Präsident Heinz-Peter Meidinger kritisiert, die Länder hätten im Vorfeld zu wenig getan, sie würden gar die Gesundheitsschutzmaßnahmen herunterfahren?
Wir orientieren uns mit unseren Hygienemaßnahmen immer an den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Außerdem kann ich den Vorwurf nicht stehen lassen, dass wir zu wenig für die Sicherheit der Kinder tun würden – das Gegenteil ist der Fall. Wir können aber nicht jede Infektion um jeden Preis verhindern. Kinder- und Jugendmediziner sagen, das wäre ein zu hoher Preis, den wir nicht zahlen wollen.
Wie weit ist Hessen mit der Digitalisierung? Es gibt immer noch Schulen ohne WLAN und Lehrkräfte mit wenigen Digitalkenntnissen.
Wir tun alles, um diesen Prozess zu beschleunigen, sind aber noch mittendrin. Das beste Beispiel ist die Bonifatiusschule. Im Zuge ihrer allgemeinen Modernisierung demnächst erhält die Schule eine digitale Vollausstattung.

Corona in Hessen: Kultusminister Lorz weist auf Wichtigkeit des Präsenzunterrichts hin

Was ist mit den Lehrkräften?
Auch die Aus- und Fortbildung für Lehrkräfte haben wir massiv verstärkt. Denn die beste Ausstattung nützt nichts, wenn die Lehrkräfte sie nicht einsetzen. Deshalb bieten wir beispielsweise alleine 50 Online-Seminare pro Woche an.
Viele Schüler haben durch die Pandemie einen großen Nachholbedarf. Wie soll dies umgesetzt werden?
Das Programm „Löwenstark“ spielt dabei eine große Rolle. Wir richten zentrale Lernangebote in den Ferien ein, holen starke außerschulische Partner aus der Stiftungs- und Bildungslandschaft zur Unterstützung mit ins Boot und geben den Schulen Geld, damit sie vor Ort zusätzliche Angebote machen können. Wer diesen Förderbedarf braucht, müssen die Lehrkräfte vor Ort festlegen. Ich kann nur an die Eltern appellieren, diese Angebote auch anzunehmen. Wir werden diese Aufgabe nur bewältigen können, wenn alle an einem Strang ziehen.

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Droht eine Zweiteilung? Hier die gut digitalisierten Gymnasiasten, dort die weniger gut von den Eltern umsorgten Haupt- und Realschüler?
Wir haben durch den Distanzunterricht gesehen, dass die Schere zwischen Kindern aus bildungsaffinen Haushalten und anderen – das hat mit der Schulform nichts zu tun – auseinandergeht. Daran sieht man auch, wie bedeutsam der Präsenzunterricht ist. Schule hält die Gesellschaft zusammen. Schule bringt die Kinder zusammen. Deshalb ist es wichtig, dass wir die Kinder wieder in die Schule bringen, damit sich die Schere durch Präsenzunterricht und Nachholprogramme wieder nach und nach schließen kann.

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