Die Busse der RhönEnergie fahren mit deutlich weniger Fahrgästen. Jetzt füllen sich die Busse langsam wieder. Hier steht ein Bus am Stadtschloss.
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Die Busse der RhönEnergie fahren mit deutlich weniger Fahrgästen. Jetzt füllen sich die Busse langsam wieder.

90 Prozent weniger Fahrgäste im ländlichen Raum

Corona reißt Löcher in Nahverkehrskasse - Branche hofft auf Staat

  • Volker Nies
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Die coronabedingten Fahrgastrückgänge sorgen für massive Einnahmenverluste in der Nahverkehrsbranche. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen schätzt, dass im ländlichen Raum 90 Prozent der Fahrgäste wegblieben, in den Städten 60 bis 80 Prozent. Davon betroffen ist auch die RhönEnergie Fulda.

Kreis Fulda - „Seit dem Kontaktverbot und den Schließungen von Gastronomie, Handel und Schulen sind deutlich weniger Fahrgäste in den Bussen unterwegs“, berichtet die RhönEnergie. Fahrgastzählungen hat das Unternehmen nicht durchgeführt. Obwohl weniger Menschen die Busse nutzten, hat die RhönEnergie im Stadtbusverkehr Fulda alle Linien bedient. Lediglich die Verstärkerbusse für den Schulbetrieb waren vom 16. März bis 24. April nicht im Einsatz.

Rückgänge im Verkauf und bei den Einnahmen

Genauere Zahlen hat der Rhein-Main-Verkehrsverbund: Im regionalen Bus- und Schienenverkehr wurden zwischen Mitte März bis Ende April 75 Prozent der üblichen Fahrten erbracht. „Dies war mit einem enormen finanziellen Aufwand verbunden, da die Kosten für Fahrzeuge und Personal auch bei einem derart reduzierten Fahrplan nahezu unvermindert weiterlaufen. In dieser Zeit waren jedoch nur rund 20 Prozent der sonst üblichen Fahrgäste mit dem ÖPNV unterwegs“, berichtet die RMV-Pressestelle.

Dadurch wurden wesentlich weniger Einzel- und Tageskarten verkauft. Im Zeitkartenbereich gab es Rückgänge im Verkauf sowie gekündigte und pausierte Aboverträge. „Wir gehen von einem massiven Einnahmenverlust aus. Wie hoch der Rückgang bei den Verkäufen und Einnahmen konkret ist, lässt sich aber erst beziffern, wenn die entsprechenden Daten der mehr als 160 Vertriebspartner des RMV vorliegen“, erklärt der regionale Verkehrsverbund unserer Zeitung.

Schülerverkehr hat Löwenanteil

Um die Liquidität der Verkehrsunternehmen zu sichern, laufen die gewohnten Abschlagszahlungen des RMV an die lokalen Nahverkehrsorganisationen und Verkehrsunternehmen aber wie üblich weiter, berichtet der Verbund.

Ein großer Auftraggeber für die Busse sind der Landkreis und die Stadt Fulda als Schulträger. Der Schülerverkehr hat einen Löwenanteil am gesamten Verkehrsaufkommen des Öffentlichen Nahverkehrs.

Keine Pläne für Erstattung

Landkreis und Stadt Fulda haben keine Pläne, sich Geld erstatten zu lassen, weil die meisten Schüler über mindestens zwei Monate nicht in die Schule fahren. Das berichtet Leoni Rehnert, Sprecherin des Landkreises Fulda. „Man müsste ja ohnehin gegenrechnen, dass viele Schüler, die in der Notbetreuung waren, die Busse auch während der Osterferien genutzt haben“, sagt Rehnert. Seit Montag fahren die allermeisten Linien im Regionalverkehr wieder nach dem Regelfahrplan.

Die ÖPNV-Spitzenverbände, zu denen auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen gehört, führen jetzt Gespräche mit Bund und Ländern, wie die finanziellen Verluste aufgefangen werden können.

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